"Babylon Berlin": Deutschland produziert die Mega-Serie

Die Macher und Hauptdarsteller von Babylon Berlin: Achim von Borries, Tom Tykwer, Volker Bruch, Liv Lisa Fries, Hendrik Handloegten
Foto: obs/ARD Das Erste/ © X Filme / Michael Tinnefeld

Netflix war nicht da. Amazon auch nicht. Aber ich gehe jede Wette ein: Ohne die beiden hätte es diesen Termin nicht gegeben. Denn es ist schwierig, ja. Eigentlich unmöglich. Aber deutsche Serien-Macher nehmen die Herausforderung nun einfach trotzdem an. Europa kann Serie, das wurde hier schon in etlichen Beispielen beschrieben und jetzt soll es mit allen Mitteln auch bei uns losgehen. Und nicht nur mit Hilfe von Amazon. Im Babylon Kino in Berlin haben jedenfalls die X Filme Creative Pool GmbH, die ARD, Sky und Beta Film heute erstmals ihr gemeinsames Serienprojekt "Babylon Berlin" präsentiert.

Ja, die Mittel. Und da beginnt ja bekanntlich immer das erste große Problem. Deshalb ist es sicher von Vorteil, Allianzen zu schmieden. Auch so ungewöhnliche wie die zwischen der öffentlich-rechtlichen ARD und dem mittlerweile ausschließlich britisch geführten PayTV-Giganten Sky. Aber egal, wer und mit wem: Der deutsche Serien-Tiger soll springen. In Berlin. Und möglichst nicht als Bettvorleger landen.

"Babylon Berlin", so Carsten Schmidt, Vorsitzender der Geschäftsführung Sky Deutschland, "ist ein herausragendes Projekt, das perfekt zu Sky passt: mutig erzählt, ein großartiger Cast und ein Team um Tom Tykwer voller Kreativität. Die Zusammenarbeit mit X Filme, ARD, Degeto und Beta Film ist ein beeindruckendes Beispiel für eine ebenso fruchtbare wie faire Zusammenarbeit, mit der alle Partner einen in Deutschland und Österreich einzigartigen Weg gehen. Mit Babylon Berlin fügen wir unseren internationalen, exklusiven Vereinbarungen mit großen Partnern wie HBO und Showtime das Segment der deutschen Eigenproduktion hinzu - ein Weg, den wir in Zukunft noch stärker beschreiten werden."

Oha. Die "deutsche Eigenproduktion" als weiteres "Segment" neben Partnern wie den "Game of Thrones"-Machern von HBO und den "Homeland"-Besitzern Showtime- das klingt wie der Weg in ein bisher unbekanntes Paradies. Wir werden sehen.

Und Christine Strobl, Geschäftsführerin der ARD Degeto, meint dazu: "Babylon Berlin ist ein besonderes und für die ARD sehr wichtiges Vorhaben. Die ARD Degeto will den Zuschauern des Ersten mit dieser Serie einen Leckerbissen bieten, der den internationalen Vergleich erzählerisch und visuell nicht scheuen muss. Ein solch außergewöhnliches Projekt verdient es, dass wir in Kooperation und Finanzierung außergewöhnliche Wege gehen. Ich freue mich auf den baldigen Drehstart - die Drehbücher versprechen hervorragendes Fernsehen."

Ja. Den Leckerbissen gibt es für die ARD-Zuschauer aber erst 2018. Wenn sie "Babylon Berlin" nicht schon im Jahr 2017 bei Sky gesehen haben. Wie gesagt, ungewöhnlich. Die Zuschauer des "Ersten" werden also nur die zweiten sein. Aber vielleicht verlangen ungewöhnliche Zeiten ja genau das, eben ungewöhnliche Maßnahmen.

Es war jedenfalls wohl wirklich nicht einfach, die notwendigen Mittel zusammen zu bekommen. Babylon Berlin soll nach der international erfolgreichen Bestseller-Reihe von Volker Kutscher um Kommissar Gereon Rath, der im Berlin der 1920er Jahre ermittelt, "das ganze Panoptikum der aufregendsten Stadt der Welt zwischen Drogen und Politik, Mord und Kunst, Emanzipation und Extremismus" erzählen. "Wir haben lange nach einem Stoff gesucht, mit dem diese einzigartige Epoche facettenreich zu erzählen ist", so Regisseur Tom Tykwer. "In Kutschers Romanen haben wir ihn schließlich gefunden. Und nach drei Jahren intensiver Drehbucharbeit mit Achim und Hendrik kann ich es jetzt kaum erwarten, dass es endlich losgeht."

Knapp 40 Millionen Euro soll das Projekt kosten dürfen. Klingt nach viel, wenn man an sonstige Serien-Budgets hierzulande oder an defizitäre ARD-Pensionskassen denkt. Relativiert sich aber wiederum sofort, wenn man an die angeblich 100 Millionen Dollar denkt, die Netflix für die ersten zwei Staffeln "House of Cards" ausgegeben haben soll. Denn die Mittel sollen für 16 Folgen ausreichen, die nun auf "internationalem Niveau" produziert werden können.

Zum Vergleich: Netflix produziert gerade in Großbritannien "The Crown". Geplant sind laut "The Hollywood Reporter" zwei Staffeln für 143 Millionen Dollar. Das wäre dann die teuerste Serie aller Zeiten. "Marseille" aus Frankreich muss dagegen mit 8 bis 10 Millionen auskommen.

Babylon-Produzent Stefan Arndt ist jedenfalls optimistisch: "Wir freuen uns sehr, dass wir diese ausufernde Episode der Berliner Geschichte dank aller Partner und Förderer hier in der Stadt realisieren können. Derzeit wird in Babelsberg eine beeindruckende Außenkulisse gebaut, die viele Impressionen der Stadt zu jener Zeit wiedergeben kann. Gemeinsam mit unseren bewährten Kinofilm-Künstlern aus unseren bisherigen Produktionen freuen wir uns sehr, die Welt der 20er Jahre in einer TV-Serie zum Leben zu erwecken. Dieses Projekt ist für uns alle ein Aufbruch in eine neue Ära der TV-Produktion."

Mögen die Mittel mit ihnen sein. Es hat schließlich einige Zeit gedauert, sie für "Babylon Berlin" zusammen zu bekommen. Gefördert wird vom Medienboard Berlin-Brandenburg, Creative Europe Media und der Film- und Medienstiftung NRW. Also, auf geht's- die deutsche Serie jedenfalls hat keine Zeit zu verlieren:

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