Ist das nicht Fernsehen? Shannara-Talkshow und Obama live bei Amazon

Screenshot: Amazon US
Khihihi. Nur zwei Sterne bei Amazon? Das bedeutet normalerweise: Diesen Artikel sollten Sie nicht kaufen. Und das, obwohl er kostenlos ist. Okay, es geht um die Rede von US-Präsident Barack Obama "zur Lage der Nation". Vielleicht sind die Amazon-Kunden ja doch alles nur verschrobene Republikaner.

Bei näherem Hinschauen offenbart sich aber etwas ganz anderes. Amazon unternimmt vorsichtig erste Schritte in Richtung "echtes Fernsehen". Und da ist gestern ein Schritt so richtig in die Hose gegangen, weil die Zuschauer da draußen anscheinend Amazon schon mehr als richtiges Fernsehen betrachten als Amazon selbst.

Jedenfalls hielt Präsident Obama gestern seine jährliche Rede vor dem House of Cards Kongress zur Lage der Nation. Die gibt es schon seit Jahren live im Netz zu sehen, so auf der Webseite des "White House" selbst und auch bei YouTube live. Dort diskutiert sie Obama sogar gelegentlich.

Das Weiße Haus hat auch einen "Chief Digital Officer" namens Jason Goldman. Der kündigte per Blogpost für Obamas diesjährige Ansprache zusätzlich die Live-Übertragung und dauerhafte Verfügbarkeit bei Amazon Video an. Hört sich erst einmal nicht aufregend an. Ist es aber: Denn Amazon Video hatte bisher vieles zu bieten- Serien, Filme, Dokumentationen, aber kein "live".

Das bedeutet ja nicht, dass Amazon das nicht kann. Spätestens seit dem Kauf von Twitch ist der E-Commerce-Riese auch einer der Großen im Live-Streaming. Sie können es also. Im Prinzip hat es auch funktioniert. Nur eines wurde nicht bedacht: Viele Amazon-Gucker schalteten einfach nur ihren "Amazon-Kanal" auf dem Fernseher ein- oft per "Fire TV". Wohl, weil Amazon für sie mittlerweile ganz normales Fernsehen ist. Sie lesen vorher nicht mehr das Kleingedruckte.

Bei Fire-TV war Obama aber live nicht zu finden. Der Stream lief auf der Webseite von Amazon Video. Und deshalb hat Obama nun bei Amazon nur zwei Sterne. Ja, bei Fire-TV gibt es auch schon Live-Angebote zu sehen. Das sind dann aber Apps von Entwicklern oder sogar ganz normale Fernsehsender als "Partner". Aber eben nicht Amazon Video.

Warum man da nicht schnell noch was gebaut hat? Keine Ahnung. Aber bis zum nächsten Amazon-Livestream wird es sicher etwas geben. Die eigentliche Nachricht aber ist: Amazon, bisher hat man es nur geahnt, wird "ganz normales Fernsehen" per Internet machen. Auch live. Und da wird es bald für andere ganz ungemütlich werden.

Nicht deshalb, weil Amazon vielleicht schon bald die Fußball-Bundesliga überträgt. Jeff Bezos wollte da kürzlich in einem Gespräch nur "für die Zukunft nichts ausschließen" und schon war das für viele ein Fakt. Nein, da gibt es eine ganz andere Welt voller Möglichkeiten, wenn man als Nebengeschäft da noch so ein kleines Handelshaus betreibt.

Wo die Reise wirklich hingeht, kann man sich ab Sonntag bei einer weiteren Amazon Premiere schon einmal anschauen. Nein, nicht bei Amazon Video. Sondern in Deutschland, bei YouTube. Da gibt es die erste Amazon-Talkshow zu sehen. Talkshow- wieder etwas, was ja eigentlich nur "normales Fernsehen" macht.

Es ist aber eher das Aufgreifen und Weiterentwickeln einer schon gar nicht mehr so neuen Mediakraft-Idee. Amazon nimmt sich drei noch recht unverbrauchte deutsche YouTuber und lässt sie regelmäßig in den "Prime Talks" über die "Shannara Chronicles" debattieren. Das ist Content-Marketing vom Feinsten im Kampf gegen Netflix um die jugendliche Zielgruppe. Und genau so etwas ist sicher bald in tausend verschiedensten Varianten viel öfter zu erwarten. Bei YouTube. Und auch bei Amazon Video.

Ich bin gespannt, ob die Zielgruppe "einschaltet".


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