"Game of Thrones" und die Lizenz zum Senden

Foto: RTL II
Ach ja, das "Game of Thrones". Das möchten alle gern spielen senden. In Deutschland feiert die fünfte Staffel der HBO-Megaserie ab 12. Februar ihre Free-TV-Premiere bei RTL II. Man kann sie aber auch für schlappe 28 Euro bei Amazon kaufen. Die Pay-TV-Kunden von Sky werden sich schon auf den April und die Staffel sechs freuen.

Den jeweils wahrscheinlichsten Lizensierungs-Grund verriet HBO-CEO Richard Plepler gerade bei Bloomberg: "Da ist kein Verfahren, welches auf alles passt. Wir haben verschiedene Strategien, je nachdem wie wir glauben, die höchsten Einnahmen zu erzielen." Insofern ist die "Game of Thrones"-Ausstrahlung bei RTL II auch ein Indiz für die wirtschaftliche Stärke des werbefinanzierten deutschen Privatfernsehens. Die Lizensierung an traditionelle Fernsehsender sei in vielen europäischen Ländern nach wie vor profitabel, so Plepler, und HBO habe keine Pläne, daran etwas zu verändern. Erst vor kurzem habe man Verträge für Deutschland, Italien oder Kanada verlängert.

"Viele" ist aber nicht "alle". Denn der HBO-Chef sagte dies zur Relativierung der Nachricht, dass es zum Beispiel in Spanien jetzt anders wird. Der härter werdende Kampf um die für den Zuschauer attraktivsten Inhalte wird wohl das wichtigste Netz TV-Thema der kommenden Zeit sein- so war es hier erst im November zu lesen. Und dass in Spanien seit dem Auftauchen von Netflix ohnehin alle verrückt spielen. Jetzt geht HBO per Web-TV dort jetzt selbst an den Start.

Herrgott, Spanien, so könnte man sagen. Was soll's. Wahrscheinlich zu viel guter Wein und Flamenco. Aber HBO-TV als Streaming per Internet gibt es auch schon als "HBO Nordic" in Skandinavien. Jedoch nicht in Deutschland. Weshalb jetzt Spanien?

Ganz einfach: In Spanien empfangen mehr Haushalte bereits ihr TV-Programm ausschließlich per Internet. Deshalb ist Netflix dort so viel aufregender als hier. Und jetzt gibt es eben aus diesem Grund dort kein "Game of Thrones" mehr im "klassischen" TV. Die spanischen "Game of Thrones"-Fans sollen statt dessen jetzt HBO abonnieren. Nicht nur Netflix ist also davon betroffen, dass die großen Produzenten ihre attraktivsten Inhalte zunehmend als Waffe im eigenen Kampf um Abonnenten einsetzen, statt Senderechte zu verkaufen.

Das wird auch zum zunehmenden Problem für die traditionellen Sender werden. Denn das neue Fernsehen per Internet-Stream macht nun direkte Angebote aus Hollywood überall möglich. Für HBO sind Sky oder auch RTL II nur Zwischenhändler in der Verwertungskette. Und die Versuchung, das Geschäft selbst zu machen, wird immer größer.

Mit Europa und Hollywood ist es derzeit ohnehin so eine Sache. "Showdown", so nennt es der Hollywoodreporter und ja, da ist etwas wirklich neues auf dem Weg. Die EU möchte einen "digitalen Binnenmarkt" schaffen und deshalb sollen auch die virtuellen Grenzen im Netz weg. Was aber
dann theoretisch bedeutet, dass einer eine "Game of Thrones" Lizenz meinetwegen für Estland kauft und empfangen können sollen es dann aber alle. "Buy one, get 27 free" sozusagen.

Das finden die Lizenzvergeber nicht lustig. Sie wollen lieber weiter 28 mal Lizenzgebühren für ganz Europa verkaufen. Und dann natürlich noch für jede "Sendeform" extra. Und wenn die EU es tatsächlich schafft, dass wir in Deutschland dann spanisches HBO abonnieren können, kommt die schöne "Verwertungskette" total durcheinander. Sky würde vielleicht weniger bezahlen wollen und auch RTL II könnte, obwohl nicht so direkt betroffen, das Argument beim Preispoker bringen. Die logische Lösung des "Europa-Problems" für HBO wäre sicher die direkte Abrechnung per Abonnement überall und für alle.

Denn "Exklusiv" ist überall das neue Seriengold. Für alle "Lizenznehmer", egal ob klassische TV-Sender oder Streaming-Service, gilt aber mehr denn je: Netflix zeigt, wie wertvoll es ist, möglichst viel "Eigenes" zu besitzen. Bis dahin schalten wir ein bei RTL II:

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