Amazon, Netflix, whatever- die Streaming-TV Highlights im Januar.

Foto: Amazon, © 2014 Sony Pictures Home Entertainment

One Hundred Eyes möchte man da haben. Oder auch nicht. Das Januar-Programm fürs Streaming ist da. Die "One Hundred Eyes" sind aber eigentlich noch ein Dezember-Nachtrag. Denn das unter der Marke Marco Polo segelnde "Special" über den späteren "Meister und Lehrer" des Netflix-Serienhelden gibt es dort seit dem 26. Dezember zu sehen.

Mit "Marco Polo" bei Netflix ist es ja so eine Sache. Ja, die Serie ist streckenweise toll inszeniert in wunderschöner und exotischer Landschaft und Ausstattung. Aber die Leser der Originalgeschichte des Venezianers waren von der Netflix-Version in der Regel enttäuscht. Und auch sonst sprang der Funke bei den meisten eben nicht über. Auch ist es eher ein Alarmsignal als ein Qualitätsbeweis für eine Serie, wenn viele Zuschauer von der Nebenrolle des blinden Kampfkünstlers "One Hundred Eyes" mehr beeindruckt waren, als vom jugendlichen und eigentlichen Helden selbst.

Deshalb bekommt er jetzt zur Überbrückung zwischen den Staffeln 1 und 2 sein eigenes "Special". Vielleicht auch noch mehr. Denn der allwissende und wundertätige Netflix Qualitäts-Algorithmus für Serien kann bekanntlich nicht irren und "Marco Polo" muss weitergehen. Wahrscheinlich wird nun endgültig ein kunterbuntes Asia-Ninja-Spektakel aus der Serie.

Jedenfalls ist die Verstärkung der schwächelnden Serien-Mannschaft durch die Martial Arts-Ikone Michelle Yeoh, die ja gerade erst mit "Tiger and Dragon 2" für Netflix einen Kinofilm abgedreht hat, schon ein ziemlich eindeutiges Zeichen. Wie der etwas blasse "Marco Polo" Lorenzo Richelmy schauspielerisch neben der Darstellerin der A-Kategorie bestehen kann, bleibt abzuwarten. Und dass zwischen Staffel 1 und 2 eine mit 30 Minuten "One Hundred Eyes" überbrückte Denkpause liegt, könnte für die Serie auch gar nicht so schlecht sein. Vielleicht geht "Marco Polo" irgendwann ohne Marco weiter und das wäre ja dann doch einmal etwas wirklich Neues.

Aber zurück zum Thema. Was gibt's also wirklich Neues? Bei Netflix soll es ab 13. Januar die ABC-Serie "Shadowhunters" geben. Zumindest steht sie noch im Plan. In der offiziellen Presse-Ankündigung fehlt sie aber. Vielleicht ja nur, weil die Serie auf der Basis der "Chroniken der Unterwelt"-Romane von Cassandra Clare wie "Better Call Saul" nur außerhalb der USA ein "Netflix Original" ist. Dann gibt es noch die Doku-Comedy "Chelsea does" und das wars. Naja, plus Kinderprogramm.

Deshalb hat Netflix einiges zugekauft. Sogar in Deutschland. Was den Einkäufer allerdings geritten hat, die grottenschlechte ZDF-Serie "Dr. Klein" ins Netflix-Angebot zu holen- keine Ahnung. Vielleicht musste man das Werk ja zu "Eichwald, MdB" und "Wild Germany" beim ZDF zwangsweise dazu nehmen. Von der ARD hat Netflix "Die Stadt und die Macht" mit Anna Loos.

Bei den internationalen Serien-Neuankömmlingen von Netflix muss man zuerst natürlich die Staffel 5 von "The Walking Dead" nennen. Die gibt es aber bei allen, also auch Amazon Prime, Watchever und whatever. Den Zombies kann eben niemand entkommen. "Gotham" und "Scorpion" gehen bei Netflix mit Staffel 1 an den Start und "Pretty Little Liars" ist wie die Zombies bei Staffel 5 angekommen. "The Big Bang Theory" geht in die Staffel 8 und auch die gibt es ebenfalls bei Amazon.

Netflix hat auch jede Menge neue alte Filme. Okay, das war jetzt ein wenig böse. Aber "Unbreakable - Unzerbrechlich" mit Bruce Willis und Samuel Jackson ist 15 Jahre alt und in "Interview mit einem Vampir" sind Brad Pitt und Tom Cruise sogar 21 Jahre jünger als heute. "Nur noch 60 Sekunden" hatte Nicolas Cage im Jahr 2000. Alles tolle Filme, ja. Aber schon gesehen. Wie auch den noch frischen "Return of the First Avenger". Okay, "Unheimliche Begegnungen der dritten Art" oder "Der weisse Hai 2" sind schon so lange her, dass man den Inhalt vielleicht vergessen hat. Und als Zugabe ganz nett. Aber wer bezahlt dafür Abonnement-Gebühren?

Obwohl: 3Sat bringt gerade "Ein seltsames Paar" mit Walter Matthau und Jack Lemmon. Ihr wisst schon, Linguini sind keine Spaghetti. Ich würde mir einen Streaming-Dienst wünschen, der eine möglichst vollständige Sammlung solch ewiger Werke ultimativer Filmkunst dauerhaft ins Regal stellt, bevor der letzte kompetente Fernseh-Filmredakteur verrentet wird. Da würde ich zuschlagen.

Bei den Filmen hat Amazon Prime im Januar jedenfalls die Nase vorn. "The Amazing Spider-Man 2" kommt neu ins Programm. Wer es mag. Zum "Blockbuster" gibt es jede Menge frische Filmkunst wie "Selma" zum Thema Martin Luther King oder "The Invisible Woman" von und mit Ralph Fiennes. Eher lustig statt Filmkunst sind die "Bad Neighbors" und "Ride Along". Aber eben nicht so lustig wie "Ein seltsames Paar". Mit "Nicht mein Tag" hat Amazon aber sogar deutsches Kino mit Moritz Bleibtreu.

Im Serien-Bereich ist Amazon beim Einkauf ja gern exklusiv. Zumindest, wenn es nicht um "The Walking Dead" oder "The Big Bang Theory" geht. Das mögliche Highlight sind auf jeden Fall die "Shannara Chronicles". Obwohl mich "MTV" als Serien-Produzent eher misstrauisch macht. Auch das Ballett-Drama "Flesh and Bone" hat nur Amazon. Und natürlich gibt es die zweite Staffel des eigenproduzierten Aushängeschildes "Transparent" auch nirgendwo anders. Genauso wie die Fantasy-Krimiserie "Forever" von ABC.

Bis zum Februar muss das reichen.

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