"Sylt1" mit Amazons Fire-TV- stirbt das deutsche Lokal-TV doch nicht?

Foto: openPR
Ich habe lange nichts mehr zum deutschen Lokalfernsehen geschrieben- dabei kenne ich mich doch eigentlich gerade da ganz gut aus. Der Grund dafür ist ganz einfach: Es passiert in Deutschland nichts mehr auf diesem Gebiet. Und wenn doch, dann sind es in der Regel Dinge die für den Konsumenten, also den Zuschauer, ziemliche "Sack Reis"-Ereignisse sind und bei denen Verschweigen und Vergessen ohnehin als sinnvollste Form der Verwendung von solcherlei Nachrichten erscheint.

Aber jetzt gibt es doch einmal wieder etwas Interessantes. "Sylt1", nach eigenen Angaben "der einzige Fernsehsender von Sylt" und in "über einer Million Kabelhaushalten empfangbar", ist nun auch als App auf Amazons Fire TV zu finden. Im Januar wollen die Lokalfunker mit ihrem Programm sogar direkt auf die SmartTV-Plattformen von Samsung und Panasonic gehen.

Sylt1-Geschäftsführer und Chefredakteur Axel Link freut sich jedenfalls auf mehr Reichweite: "Wir haben den Start bei Amazone Fire TV gewählt, weil der Stick mit einem Preis von ab 29 € sehr günstig zu kaufen und das Produkt selbst absolut ausgereift und schon massenhaft verbreitet ist. Auf einen Schlag vergrößern wir so unsere technische Reichweite um mehrere hunderttausend Haushalte. Damit ist Sylt1 auch in der breiten Masse der Bevölkerung außerhalb von Schleswig-Holstein und Hamburg angekommen."

Naja- dass "Sylt1-TV" außerhalb der Küsten-Region "in der breiten Masse der Bevölkerung" ankommt, will ich mal vorsichtig anzweifeln. Das Programm ist für deutsches Lokalfernsehen gut gemacht, aber eben deutsches Lokalfernsehen, also ein wenig trutschig und altbacken für Pensions-verdächtige Zielgruppen. Sind die auch auf Amazons Fire-TV unterwegs? Interessante Frage.

In den USA, wo das Lokalfernsehen als Milliarden-Geschäft in ganz anderen Liga spielt, hat Amazon ja bereits für nach "Reichweite" suchende Fernsehsender ein "Partner-Programm" auch für Pay-TV. Und es wird interessant sein zu sehen, ob und wie die lokalen Stationen, deren "Transmission Fees" durch Internet-TV und "Cordcutting" ins Rutschen geraten könnten, diese Möglichkeit nutzen und dort erfolgreich sein können.

Für den "regulierten" deutschen Fernsehmarkt ist das natürlich alles noch Science Fiction. Aber auf Deutschlands reichster Insel, wo offenkundig auch für Lokalfernsehmacher vom sicherlich reicher als anderswo gedeckten Tisch der Werbegelder mal ein nahrhafteres Stück herunter fällt, da geht man einfach schon einmal los. So etwas gefällt mir. Und eine App auf Fire-TV ist mit Sicherheit zukunftsträchtiger als die Beteiligung an skurrilen Versuchen der Landesmedienanstalten zur Einführung des "Rundfunks" im World Wide Web.

Denn so könnte es doch noch funktionieren mit dem deutschen Lokalfernsehen: Eine reichweitenstarke Plattform wie Amazon, die den Lokalfunkern die Verteilung ihres Programms abnimmt und für sie Abonnement-Gebühren kassiert. Und wer Amazon nicht mag, für den gibt es ja auch noch YouTube. Auch bei Googles Plattform sind diese "Partner"-Funktionen längst integriert und nur noch nicht komplett online.

Dann müssten die lokalen Fernsehmacher nur noch Programme bieten, die wirklich Reichweite bringen und in einem zweiten Schritt sogar Abonnenten überzeugen.

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