StarWars ist zurück - die Macht ist stärker denn je in Hollywood

Screenshot: Twitter/Carrie Fisher
Unglaublich. Das linke Bild war schon gut 15 Jahre alt, als ich das erste Mal am Hollywood Boulevard war. Eine heruntergekommene, schmuddlige Gegend war das zu dieser Zeit. Es war der Sommer vor dem Januar-Erdbeben von 1994, als das legendäre Mann’s Chinese Theatre (das alte Kino mit den Fuß- und Handabdrücken der Stars davor) stark beschädigt und danach endlich renoviert wurde. Wenn ich mich recht erinnere, habe ich damals mein Auto kostenlos (!) direkt neben der linken Außenwand des Kinos auf einem unbefestigten (!) Parkplatz abgestellt.

Die Wand der Hollywood-Ikone wirkte eher provisorisch und baufällig, eine Art Baustellentür hing darin und die stand weit offen. Vor dem Theater boten fliegende Händler Straßenkarten von Beverly Hills an, in denen die Villen der Stars verzeichnet waren. Aber es waren keine fünf Leute da, die außer uns Fußabdrücke oder Bürgersteig-Sterne besichtigen wollten. Ich bin dann in Beverly Hills mal herum gefahren. Erst als ich dort die Vorbereitungen einer Geburtstagsparty sah- etwa dreißig Leute fuhren mit zwei langen Trucks vor und luden Equipment dafür ab- glaubte ich wieder, dies könnte die "Traumfabrik" sein.

Ungefähr dort, wo ich damals aus meinem Auto direkt die heilige Erde Hollywoods betreten durfte, residiert heute "Madame Tussauds" und rundherum ist die Gegend voller neuer Entertainment- und Shopping-Komplexe, die freudig auf das Geld der meist asiatischen Touristenmassen warten. Und ungefähr dort waren gestern, hach, Luke Skywalker, Han Solo und Prinzessin Leia.

"Mann’s Chinese Theatre" ist jetzt das "TCL Chinese Theatre", also noch ein Stück chinesischer als damals. Und es ist eines von drei benachbarten Kinos, die gestern die offizielle "Star Wars: The Force Awakens"-Premiere feierten. Der Hollywood-Boulevard war dafür seit Tagen auf fast einem Kilometer Länge gesperrt, es gab "die Mutter aller roten Teppiche", vorsorglich mit Zelt-Überdachung und die dadurch zu erwartenden Verkehrsprobleme in dieser Ecke von Los Angeles.

Wer heute den Hollywood-Boulevard besichtigt, für den muss die Realität der vordigitalen Zeit, aus der auch die "StarWars"-Saga ursprünglich kommt, unvorstellbar sein. Die Macht ist zurück in Hollywood und ich glaube, sie war nie wirklich weg. Auch wenn es Anfang der 90er Jahre noch so aussah.

Ja, der nun siebente Teil von "StarWars" wurde zum großen Teil in England und in irgendwelchen Wüsten gedreht. Das Management aber, die Traumfabrik der Welt ist aber mehr denn je in der Stadt der Engel und Autobahnen am Pazifik. Und mit der Rückkehr des größten Film-Franchises aller Zeiten signalisiert der Disney-Konzern so etwas wie den Beginn einer ganz neuen Ära.

Nein, hier wird jetzt nicht "gespoilert", wie es denn mit Luke, Leia und Han Solo so weiter geht. Wer es schon jetzt wissen will, sei an die entsprechenden "Social Media"-Kanäle verwiesen. Interessant ist dagegen eine ganz simple Tatsache: Disney und J. J. Abrams haben das Unmögliche anscheinend geschafft. StarWars ist zurück- es gibt eine neue Welt für die Jedi-Ritter auch nach George Lucas und schon allein das ist ein Wunder. Oder nein, kein Wunder. Ein perfekt geplantes und hoch professionell hergestelltes Produkt aus Hollywood.

Denn "StarWars", das ist längst kein "Kinofilm" mehr. Es ist das größte "Filmuniversum". Ein "Filmuniversum" ist die Premium-Version dessen, was auch Netflix oder Amazon antreibt: Die Serie. Eine eigene, immer weiter gehende Welt, die den Zuschauer für immer einfängt und an das Produkt bindet. Ein Leben lang. Schon Tage vor der Premiere nahmen Fans mit Schlaf-Matratzen und Zelten ihren Platz vor den Kinos ein, nur um dabei zu sein. Darunter gesetzte Herren kurz vor dem Rentenalter genauso wie dreißigjährige oder neugierige Teens. Die, die einst durch Leia und Luke begeistert wurden, gemeinsam mit den Fans von Ewan McGregor und Natalie Portman und dazu schon die kommende dritte Fan-Generation, die vorbeischauen, weil sie von der Marke "StarWars" etwas erwarten, was sie so noch nie zuvor gesehen haben.

Genau das war auch das Problem von "Star Wars: The Force Awakens": Die Erwartungen. Erwartungen, die, wie oft gesagt wurde, für einen ganz normalen Film eigentlich unerfüllbar waren. Disney und J. J. Abrams haben es aber wohl tatsächlich geschafft. Natürlich wird es auch andere Stimmen geben. Es gibt immer die, denen dies nicht gefällt und die, die jenes nicht mögen. Das Wunder aber ist doch längst geschehen: "The Force Awakens" wird als echter und neuer "StarWars"-Film akzeptiert. Der Weg für Disney und Hollywood in eine neue Galaxie voller Schätze mit Milliarden von Dollars ist frei.

Regisseur "J. J.", genauer Jeffrey Jacob Abrams, gilt ja ohnehin als das kommende Hollywood-Wunderkind unserer Zeit. Für die Nachfolge des für "StarWars" als eigentlich unersetzbar geltenden George Lucas hatte er sich aber vor allem dadurch empfohlen, dass er eine vergleichbar unlösbare Aufgabe bereits einmal geschafft hatte- die Aufgabe, ein eigentlich abgelaufenes erfolgreiches "Filmuniversum" wieder zu neuem Leben zu erwecken. Denn "Star Trek" funktionierte nie wirklich ohne Captain Kirk, Mr. Spock, Scotty, Pille, Chekov und Lt. Uhura. Das ist die Besatzung des Raumschiffes Enterprise und niemand sonst. CBS Television sollte jedenfalls schon einmal gewarnt sein- ich bin jedenfalls auf deren Problemlösung gespannt.

Genauso wie die Fans eines "Filmuniversums" werden ja auch Hollywood-Schauspieler nicht jünger. William Shatner und "Scotty" James Doohan jedenfalls erinnerten in ihrem letzten "Star Trek"-Film doch eher an Kugelsterne als an "Stars" und damit war es dann also irgendwann vorbei. Oder auch nicht. J. J. Abrams suchte sich einfach jüngere Spocks, Kirks, Scottys und Uhuras als jemals zuvor- und schaffte so das Wunder der Verjüngung. Mit einem genialen letzten Auftritt des echten "Mr. Spock" Leonard Nimoy zusammen mit seinem Nachfolger Zachary Quinto im ersten der neuen "Star Trek"-Filme wurde quasi sogar eine Art Übergang geschaffen. Eine junge Crew ist nun an Bord, niemand muss auf die geliebten Charaktere verzichten und das Filmuniversum kann nun in viele neue und unbekannte Welten vorstoßen.

Das wird jetzt auch mit "StarWars" geschehen. Die Idee mit dem "davor" hatte aber schon George Lucas verbraucht, so dass J. J. Abrams eigentlich nur das "danach" blieb, um die Geschichte weiter zu erzählen. Und mit der in "The Force Awakens" inszenierten "Staffelübergabe" an die nächste Darsteller-Generation durch George Lucas' ursprüngliche Sternenkrieger Luke, Leia und Han Solo ist Abrams der Kunstgriff ein weiteres Mal gelungen. Kugelsterne gibt es auch nicht. Carrie Fisher alias "Prinzessin Leia", und seitdem eigentlich eher als großartige Autorin mit Alkohol-Problem eine Hollywood-Größe hinter den Kulissen, berichtete es in Talk-Shows Hollywood-untypisch ungeschminkt und direkt: "Die wollten nicht mich engagieren. Die hatten nur einen Job für zwei Drittel von mir."

Ab morgen früh 9 Uhr und eine Minute (kein Scherz) mitteleuropäischer Zeit dürfen nach den strengen Disney-Vorgaben für die Premieren-Besucher ausführliche Kritiken veröffentlicht werden. Alle Smartphones mussten vor dem Premieren-Besuch an der Garderobe abgegeben werden. Ab Donnerstag dürfen wir alle ins Kino, um unser Geld der Macht zu opfern. Für das Wochenende wird ein weltweiter neuer Allzeit-Startrekord für Einnahmen eines Blockbusters erwartet.

Die Filmuniversen aus Hollywood expandieren weiter und auch im "Streaming TV" zeichnen sich die gleichen Entwicklungen ab. Kino, Fernsehen, Internet- das alles wächst zusammen, weil es zusammen gehört. Netflix und Amazon produzieren Kinofilme, Hollywood produziert Serien für TV und Streaming. Bald wird es vielleicht nur noch Filmuniversen geben, perfekt geplante und hoch professionell hergestellte Produkte mit nur noch unterschiedlichen Budgets. Und sie greifen auch nach unseren Budgets. Die Digitalisierung ist für Hollywood das Gleiche wie für Luke Skywalker die Entdeckung der Macht. Und für andere vielleicht eher ein Todesstern.

Möge die Macht mit uns sein und alle vor dem Ruin bewahren.

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