Netflix mit doppelt so viel Netflix im neuen Jahr

Allein gegen alle- wie bei "Crouching Tiger, Hidden Dragon: The Green Legend". Foto: Netflix / Rico Torres
Wer soll sich diesen Titel merken? Egal. "Crouching Tiger, Hidden Dragon: The Green Legend" soll am 26. Februar als Netflix-Spielfilm Premiere feiern. Nach "Beasts of no Nation" und den "Ridiculous Six" ist das dann schon der dritte Spielfilm in weniger als einem halben Jahr.

"Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird" war einer von vielen Sprüchen, die Opa mir mit auf den Weg ins Leben gegeben hat. Und ja, das ist schon richtig- aber eben nicht immer. Er kannte auch noch keine Mikrowelle, die Speisen zaubert, die ihren wahren Hitzegrad erst dann enthüllen, wenn man zu unvorsichtig und kräftig zubeißt. Opa wäre dann gewiss etwas zu "inneren Werten" eingefallen, aber lassen wir das jetzt mal.

Sehr schnell heißer, wie Speisen in der Mikrowelle, scheint jedenfalls für Netflix das Thema "Senderechte" zu werden. Zumindest für den immer noch wichtigsten, den US-Markt, war erst kürzlich die Ankündigung von CBS "wir machen wieder Star Trek, nur für Streaming und nur für uns" schon so etwas wie ein Weckruf.

"Wir haben genug Inhalte zur Auswahl", so hieß es auch noch vor kurzem von Netflix-Chef Reed Hastings zum Thema Erwerb von attraktiven TV-Rechten. Ein paar Wochen später klingt sein "Chief Content Officer" Ted Sarandos da schon deutlich vorsichtiger. "Es war kein einfacher Weg", so Sarandos gestern auf der "UBS Media Conference" in New York. "Wir wollen, dass Netflix global wird. Wir sind allein, wenn wir globale Rechte kaufen wollen."

Anscheinend werden die großen TV-Sender nicht nur im Hinblick auf den wichtigen US-Markt immer zögerlicher beim Weiterverkauf von Streaming-Rechten für die attraktivsten Serien und Programme. Netflix braucht für sein Geschäft globale Rechte- und die wollen die Sender wohl am liebsten gar nicht.vergeben. Sie möchten weiter wie bisher für jedes Land einzeln lizensieren. Wahrscheinlich weil, das ist stets ein sehr wichtiger Grund beim "Old TV", sie es schon immer so gemacht haben. Und, vielleicht noch wichtiger: Weil es in der Summe mehr einbringt.

Netflix wird deshalb noch stärker als bisher auf Eigenproduktionen setzen. Für 2016 versprach Sarandos insgesamt 31 Netflix-Originale, das wären fast doppelt so viele wie die insgesamt 16, die 2015 an den Start gingen. Das sind erst einmal nur die "Scripted Shows", also die Serien. Dazu arbeite Netflix noch an 10 neuen Spielfilmen, 30 Kinderprogrammen, 12 Dokumentationen und 10 Stand Up-Comedy Specials. Und: "Das ist nicht nur jede Menge Programmvolumen", so Sarandos. "Das ist Qualitätsware".

Na ja. So etwas wie "Crouching Tiger, Hidden Dragon: The Green Legend" eben. Der wird sicher nicht schlecht. Aber es gibt viele gute Filme über asiatische Schwertkämpfer, die an vielen verschiedenen Stellen gestreamt und auch gesendet werden. Je größer Netflix wird und je mehr Programm sie produzieren, um so schwieriger wird es, den einst selbst mit dem "House of Cards" gesetzten Anspruch des "Besonderen" zu erfüllen. Der besonderen Netflix-Qualität, für die viele Abonnenten eigentlich zahlen.

Das ist erst einmal nichts Negatives. Denn "besondere" Serien und Filme zu produzieren ist schwer. Es ist schon wieder mehr als zwei Jahre her, dass Walter White in der 62. und letzten "Breaking Bad"-Folge das Zeitliche segnete. Bis heute hat er im US-Fernsehen keinen Nachfolger auf auch nur annähernder Augenhöhe gefunden. Zombies beißen sich durch alle Programme, ja, immerwährend läuft das "Game of Thrones" und Carrie wird wohl noch bis zur Rente das "Homeland" beschützen müssen. Aber "Mr. Robot" vom "USA Network" war für mich in diesem Jahr die einzige wirklich bemerkenswerte neue Produktion im ganzen riesigen US-Fernsehkosmos.

Netflix wird also mehr und mehr zum "normalen" Fernsehen werden - müssen. Gutes Fernsehen, das wäre doch schon etwas. So wird es mit "Luke Cage" und "Iron First" 2016 unter anderem zwei neue "Marvel"-Serien geben. "Daredevil" macht natürlich auch weiter. Sitcom wird dabei sein mit "Fuller House" und das Hip-Hop-Drama "The Get Down". Mit "Jadotville" wird sich Netflix sogar mit der Kongo-Krise beschäftigen und Chelsea Handler wird talken. Und das eine oder andere mehr.

Am meisten bin ich auf die ersten beiden europäischen Netflix-Produktionen gespannt, die 2016 kommen sollen. Sowohl "Marseille" mit Gérard Depardieu als auch das italienische Gomorrah - Imitat "Suburra" sind vielversprechende Vorhaben.

Auch wenn kein neues "House of Cards" dabei ist und die Börsianer gleich wieder unruhig wurden- der Weg von Netflix ist trotzdem der Richtige. Wir sind gespannt- das Schwert des Schicksals soll entscheiden. Und nur, wer nicht kämpft, hat schon verloren:

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