"Narcos" unter "Golden Globe"-Verdacht

Party bei den "Narcos" Foto: Netflix/Daniel Daza
Eigentlich ist Weihnachten 2015 doch wie immer. Wie 2014. Oder 2013. Nur eben wärmer. Auf jeden Fall so wie bei Hoppenstedts. Wenn sich wirklich etwas ändert, dann geschieht es oft eher langsam. Dafür aber kontinuierlich. So wie die Geschichte von dem Frosch, der angeblich nicht aus dem Kochtopf springt, wenn man das Wasser nur langsam genug erhitzt.

An den Frosch erinnern mich oft die großen Fernsehbosse. Erst heißt es immer, die steigende Wassertemperatur sei ohne Bedeutung. Schließlich hätte es zu früheren Zeiten noch viel heißeres Wasser gegeben und mit Sicherheit gäbe es auch bald wieder eine Kältewelle. An diesem Punkt sind wir gerade in Deutschland. Dann gibt es erste Anzeichen eines Begreifens. An diesem Punkt sind gerade die TV-Bosse in den USA. Dann aber ist es möglicherweise leider zu spät.

Anfang des neuen Jahres werden in Hollywood wieder die "Golden Globes" vergeben. Ob sowohl Netflix als auch Amazon wieder zu den Gewinnern zählen werden, steht noch nicht fest. Bereits gewonnen haben die Streamingdienste, genauer gesagt Netflix, mit ihren Produktionen aber die Nominierungsrunde- und zwar zum ersten Mal überhaupt. Es wird also kontinuierlich wärmer für die Frösche, das steht bereits fest- unabhängig davon, wer den Preis denn nun endgültig in den Händen halten wird.

Der "Hollywoodreporter" hat gerade zum Thema "Golden Globes" eine sehr schöne Grafik veröffentlicht. Sie zeigt sehr deutlich, wie schnell und kontinuierlich für das traditionelle US-Fernsehen die Temperatur im Kochtopf steigt.

Mit insgesamt acht "Golden Globe"-Nominierungen hat es Netflix in diesem Jahr erstmals geschafft, die "Game of Thrones"-Macher von HBO als langjährigen Spitzenreiter der TV-Kategorie abzulösen. Auch Amazon ist wieder mit im Rennen, aus zwei Nominierungen im Vorjahr wurden für dieses Jahr fünf. Und zum ersten Mal ist mit Hulu sogar noch ein weiterer Streaming-Dienst dabei.

Noch 2013 waren die klassischen Fernseh- und Kabelsender bei den Nominierungen für den renommierten Preis unter sich. Für 2014 gingen 10% der Nominierungen an Streaming-Anbieter, für 2015 waren es schon gut 16% und jetzt für 2016 25%. Das ist schon fast genau so viel wie die reichlich 26% der Nominierungen, die die klassischen TV-Networks für sich einheimsen konnten und gut halb so viel wie die 48% für die teuren Kabel-Sender des Pay-TV- alle zusammen.

Gleich zwei Nominierungen konnten die "Narcos" für Netflix verbuchen, einmal als "beste Fernsehserie" der Kategorie "Drama" insgesamt und eine für den Hauptdarsteller Wagner Moura. Damit steigen die "Narcos" nach "House of Cards" und "Orange is the New Black" bereits als dritte Netflix-Produktion in den Serien-Olymp der ganz großen Produktionen auf.

Der Erfolg der Netflix-Serie über den kolumbianischen Drogenbaron Pablo Escobar ist deshalb so interessant, weil Netflix mit den "Narcos" den wohl ersten wirklich durchgehend geplanten Erfolg gelandet hat. Denn das "House of Cards" war einst eher eine -sehr große- Marketing-Investition und der fröhliche Frauen-Knast war mehr eine echte (Publikums-) Überraschung als ein lange geplanter Erfolg. Nun aber läuft die Serien-Maschine bei Netflix immer besser exakt nach Plan und kühl kalkuliert von der ersten Idee bis hin zum großen Erfolg.

Noch mehr als die "Golden Globes" für die Fernsehmacher werden allerdings die für die "Großen" beachtet, die in Hollywood die Kinofilme machen. Da ist keiner aus dem Streaming-Bereich nominiert. Noch nicht.

Draußen ist es weiterhin wärmer als je zuvor um diese Jahreszeit. 2016 wird vielleicht kein gutes Jahr für Frösche.

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