"Machtmensch Putin" blamiert das ZDF

Screenshot: YouTube/RT Deutsch
Es ist keine besonders vertrauenswürdige Quelle. Eher das Gegenteil. "RT" steht für "Russia Today"- und auch die deutsche Variante des Propaganda-Instruments aus dem Moskauer Kreml beschäftigt eher skurrile "Journalisten". Wie etwa die Damen, die Wladimir Putin auf dessen vor kurzem stattgefundener "Jahrespressekonferenz" mit Liebeserklärungen statt kritischer Nachfragen konfrontierten. Aber genau das macht die Sache so abgrundtief peinlich.

Denn bei "Russia Today" arbeiten keine hoch bezahlten öffentlich-rechtlichen "Qualitätsjournalisten". So wie zum Beispiel beim ZDF. Eher schlicht gestrickte Agitations-Handwerker. Von denen sich die angeblichen Journalismus-"Profis" beim ZDF jetzt auf das Erbärmlichste vorführen lassen müssen.

"Das ZDF hat mich bezahlt, zu lügen", so lesen wir da erstaunt und es gibt ein Interview zu sehen, ein Interview mit "Igor". Der hatte kürzlich auch dem ZDF ein Interview gegeben, für dessen zu bester Hauptsendezeit ausgestrahlte Qualitäts-Dokumentation "Machtmensch Putin- Gegner oder Partner Europas".

Versprochen wurde dem Zuschauer da die Aufklärung darüber, "ob der Kreml-Chef aktuell eher als Partner oder Gegner Europas agiert". Geliefert wurde unter anderem "Igor", der die deutschen Zuschauer darüber informierte, dass er gegen Entgelt auf Seiten der Separatisten in der Ukraine gekämpft habe- zusammen mit nach seinen Beobachtungen "mindestens 30.000 russischen Soldaten". Wenig später trat "Igor" auch im russischen Staatsfernsehen auf, um zu erklären, dass das alles Quatsch sei und er sei gar nicht "Igor", sondern eigentlich "Juri". Das Ganze sei Schauspielerei gewesen, im Auftrag und bezahlt vom ZDF- 50.000 Rubel seien ihm versprochen worden für den gesamten Auftritt inklusive Proben des vom ZDF vorgegebenen Textes.

Das ZDF informierte daraufhin umgehend die Öffentlichkeit- per Twitter. "Die Vorwürfe entbehren jeglicher Grundlage", so hieß es da. Das glaube ich sogar sofort und unbesehen. Denn die Lösung des Rätsels ist aus meiner Sicht viel einfacher. Und deshalb noch viel peinlicher für die, wie soll ich das jetzt wieder formulieren, "Journalismus-Darsteller" vom Lerchenberg.

Als ich einst als junger Soldat im Dresdener Flughafen-Tower auf Wladimir Putin traf, erinnerte nichts an einen "Machtmenschen". Eher das Gegenteil. Zur Uniform eines russischen Majors gehörte schon damals ein sehr großer Hut. Wladimir Putin dagegen ist eher recht klein. Er blieb mir nur deswegen in Erinnerung, weil das sehr lustig aussah, der kleine Mann mit dem großen Hut. Dass dies ein Offizier des legendären KGB sein könnte, wäre uns nie in den Sinn gekommen.

Eines der klassischen Mittel des KGB auf dem Weg zur Legende war schon seit Lenins Zeiten der "Provokateur". Das ist jemand, der den "Gegner" unter Ausnutzung von dessen Schwächen zu Handlungen bewegt, die er bei halbwegs klarem Verstand wahrscheinlich unterlassen hätte. Und die man dann - zum Beispiel zu Propagandazwecken - sehr gut gegen ihn verwenden kann.

Wir wissen es nicht und können es deshalb nicht behaupten. Aber "Igor" entspricht genau dem ganz simplen Muster des "Provokateurs" der Anfänger-Klasse für besonders einfältige "Gegner". Also zum Beispiel deutsche und öffentlich-rechtliche "Journalismus-Darsteller" im wilden, gefährlichen und unbekannten Russland auf der verzweifelten Suche nach dem passenden "O-Ton" zur vom Chef gewünschten Geschichte.

Ich weiß nicht, ob der kleine Mann seinen großen Hut noch hat. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass er seinen Spaß hatte. Vielleicht wird er dabei seine Vorgänger bedauert haben, die es noch mit echten Journalisten vom Kaliber eines Gerd Ruge oder einer Gabriele Krone-Schmalz zu tun bekamen. Beide hätten "Igor" wohl nach zwei kurzen Kontroll-Fragen höflich zurück auf die Straßen von Moskau geschickt.

Ach ja, wenn es denn ein Einzelfall wäre. Aber wir müssen wohl insbesondere in dieser Region mit Unfähigkeit in der schönen Kombination mit Arroganz bei der öffentlich-rechtlichen Berichterstattung leben. Und dafür mit Gebühren bezahlen.

Im ZDF dampft gerade das "Traumschiff" nach Macao. Anschließend geht die "Kreuzfahrt ins Glück" nach Montenegro. Ich wäre lieber in Italien. Da gibt es mit Berlusconis Nachrichten-Blondinen zumindest im Vergleich zum ZDF noch echte Journalismus-Profis. Vielleicht wäre es besser, wenn die "Rosenheim-Cops" zukünftig die ZDF-"Dokumentationen" mit übernehmen. Die finden immer raus, wer was war.



Update 28.12.: Das ZDF hat jetzt mit einer Pressemitteilung reagiert und "weist Vorwürfe des russischen Fernsehens zurück". Hier kann man sich jetzt beim ZDF auch das komplette Rohmaterial des Interviews ansehen. ZDF-Reporter Dietmar Schumann habe Herrn Labyskin "persönlich" im Moskauer ZDF-Studio getroffen, um sich einen Eindruck von ihm zu verschaffen, und das Interview selbst geführt. Auch Dietmar Schumann weise den Vorwurf, das Interview manipuliert zu haben, in aller Deutlichkeit zurück.

Ja. Toll. Aber wieder am Thema vorbei. Kein normal denkender Mensch glaubt, dass die Geschichte nun genau so war, wie sie die russischen Agitprop-"Medien" darstellen. Es geht schlicht und einfach darum, dass in der Russland-Berichterstattung endlich wieder mit einem Mindestmaß an Kompetenz gearbeitet wird und elementarste journalistische Standards eingehalten werden. Dann würde man als einst auch journalistisch renommierter Sender auch nicht als billiges Propagandafutter enden. Das würde ich als Gebührenzahler vom ZDF einfach erwarten.

Eine Entschuldigung beim Zuschauer für mögliche Falschinformation enthält die ZDF-Pressemitteilung nicht.

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