HEVC-Lizenzen werden billiger- aber mit Gebühr fürs Streaming-Abo


Neulich habe ich meine Stromrechnung für dieses Jahr bekommen. Okay, Energie ist teuer- aber was ich da so alles bezahle, das verstehe ich nicht wirklich. Zum Beispiel werden für 2015 acht Cent "Umlage für abschaltbare Lasten" fällig. Das wird mich jetzt nicht in den Ruin treiben. Aber wenn die "Lasten" abschaltbar sind- warum tun die das nicht einfach? Schon hätte ich wieder 8 Cent mehr. Plus Mehrwertsteuer, natürlich. Da sind es dann fast schon 10.

Insgesamt sind es sieben verschiedene Dinge, die da auf mich zukommen. Klar, "Stromsteuer", das versteht man als Deutscher sofort. Aber ich muss mehr als 25 Euro "Konzessionsabgabe" berappen, obwohl ich nie im Leben jemandem eine Konzession erteilt habe. Oder brauche ich jetzt eine Konzession, um das Licht anzuschalten? Rätsel, nichts als Rätsel. Wirklich weiterhelfen kann in allen Lebenslagen nur das Fernsehen. "Je mehr du wechselst, um so mehr sparste" empfiehlt mir da "Rooohbert" Geiss und was soll ich sagen, ich habe es getan. Wahrscheinlich werde ich meine nächste Stromrechnung wieder nicht verstehen. Aber es beruhigt, irgend etwas gemacht zu haben.

Auch beim "Netz-TV" bezahlen wir für viele Dinge etwas dazu und oft erfahren wir, anders als bei der Stromrechnung, gar nichts davon. Wenn Netflix oder Amazon zum Beispiel demnächst "Filmabgabe" bezahlen, wird das wohl weder bei "Prime" noch beim Netflix-Abo auf der Rechnung stehen. Ich bin mir aber sicher, dass weder Jeff Bezos bei seinen Weltraumplänen noch Reed Hastings bei seinen Aktienoptionen Abstriche machen werden, um an meiner Stelle die Förderung für deutsche Filmkunst wie "Fuck you Göthe 46" zu übernehmen. Sie werden es mir irgendwie unterjubeln.

Schon vor mehr als einem Jahr habe ich hier darauf hingewiesen, dass man beim Kauf eines neuen Fernsehers auf dessen "HEVC-Tauglichkeit" achten sollte. Denn das neue und effizientere "High Efficiency Video Coding" wird wohl zum neuen Komprimier-Standard, um uns die schöne neue Welt von UHD und HDR überhaupt erst einmal durch die chronisch überlasteten Internet-Leitungen pressen zu können.

Die anfängliche Zurückhaltung der Gerätehersteller hat sicher auch damit zu tun, dass HEVC Geld kostet, also Lizenzgebühren. Und überhaupt erst einmal Standards feststehen sollten, was bei dem ganzen neuen Technik-Zeugs überhaupt was ist und wie es funktionieren soll. Und es mit Googles VP9 ja sogar ein kostenfreies Alternativ-Angebot gab.

Nun wird es also wohl "HEVC" wirklich werden. Und da gab es sogar zwei, die Lizenzgebühren kassieren wollten, mal von den Geräteherstellern, mal von den Streaming-Diensten und am liebsten von allen gleichzeitig. War man ursprünglich davon ausgegangen, dass HEVC wie der Vorgänger-Standard MPEG 4 von der "MPEG LA" lizenziert würde, gibt es nun seit März die "HEVC Advance", die sich rühmt, im Besitz von "500 entscheidenden Patenten" zu sein und die nun wohl für HEVC kassiert.

Von der "HEVC Advance" gibt es nun gute und schlechte Nachrichten. Die gute Nachricht ist, dass die Lizenzgebühren für den Codec kräftig gesenkt werden, bevor es überhaupt richtig los geht. Die schlechte Nachricht ist, dass die Streaming-Anbieter erstmals eine regelmäßige Gebühr pro Abonnent bezahlen sollen. UHD-Streaming wird also teurer. 0,5 Dollar-Cent pro Abonnent und Monat sollen es in Europa werden, bis 2017. 2018 steigt dann der Preis auf 1,5 Cent pro Nutzer und Monat, 2020 auf 2,5 Cent. Um die "Großen" im Geschäft zu erfreuen, hat man Limits eingeführt. Bei 2,5 Millionen Dollar pro Kategorie (Streaming, Downloads etc.) und 5 Millionen Dollar insgesamt hat man bezahlt.

Wenn die Streaming-Rechnung irgendwann einmal so transparent wie die Stromrechnung wird, haben wir da also auch schon wieder mit HEVC und Filmabgabe zwei Positionen. Bei denen es nicht bleiben wird. Denn auch die "Leistungsschützer" und andere "Urheberrechtler" arbeiten längst an neuen Ideen.

Funktionieren wird das Ganze sicher wieder wie bei "Boston Legal", also zum Schluss gewinnen immer die Anwälte. Und alle zusammen hassen sie Google- die werkeln fröhlich am VP10. Bis die Herrscharen tausender Anwälte, besonders in den USA, das aber nun wieder abschließend geklärt haben werden, sollten die ersten HEVC- tauglichen Fernseher längst schon wieder zerfallen sein- so dass es bei einer klaren Kaufempfehlung bleibt.

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