Die Schlacht um Axanar - wem gehört die "StarTrek"-Föderation ?

Screenshot: YouTube - Star Trek Axanar
Ob es ein vierjähriger Krieg wird, das kann man jetzt noch nicht sagen. Denn erst einmal kommen nicht die erwarteten Klingonen mit ihrem neu entwickelten Super-Raumschiff. Die Föderation wurde von einem nicht für alle völlig unerwarteten Frontal-Angriff der Patent-Anwälte getroffen. Zumindest die erste Schlacht um Axanar wird deshalb wohl nicht in den unendlichen Weiten des Weltraumes, sondern in unromantischen Gerichtssälen auf dem Planeten Erde entschieden werden.

Die Ausgangspositionen für das erste große Gefecht sind jetzt klar. Da gibt es eine riesengroße, weltweite Fangemeinde des "StarTrek"-Universums, die, sagen wir mal, mit den Produkten der Geldmaschine Hollywood nicht so ganz zufrieden und glücklich ist. Die sich weltweit zu zehntausenden auf "StarTrek Conventions" trifft und ihr Film-Universum tatsächlich lebt. Und gerade dabei ist, etwas zu erschaffen, was bis dahin keiner für möglich hielt: Einen echten "StarTrek"-Film, von den Fans für die Fans, und das auf Hollywood-Niveau.

Dafür wurde per "Crowdfunding" weltweit eifrig Geld gesammelt. Und es gab sogar Unterstützung durch lebende Legenden vom "echten" Raumschiff Enterprise. Klar, die in Hollywood mittlerweile für einen großen "StarTrek"-Blockbuster üblichen Summen im dreistelligen Millionen-Bereich kamen so nicht zusammen. Eher so ein Prozent davon. Offenkundig kann man aber auch (oder gerade) bei modernen Filmen, die zu großen Teilen am Computer entstehen, sehr viel Geld einfach durch Enthusiasmus und Liebe ersetzen.

Die weltweite "StarTrek"-Fangemeinde ist jedenfalls entzückt und begeistert von dem, was bisher unter dem Titel "Axanar" so entstand. Aber Hollywood ist offenkundig eher entsetzt. Wie "The Verge" berichtet, bekommen es die Macher von "Axanar" jetzt mit viel schlimmeren Waffen als Photonen-Torpedos zu tun: CBS und Paramount schicken ihre Anwälte. Die Axanar-Macher verletzten die Urheberrechte der Kläger, so heißt es da, indem sie die Charaktere, die Spezies, Themen und ganze Bildwelten aus dem "StarTrek"-Universum benutzten.

Die Argumentation der Amateure ist dagegen natürlich tatsächlich ein wenig naiv. Da das Film-Projekt völlig unkommerziell sei, so heißt es, gingen sie davon aus, das StarTrek-Universum einfach benutzen zu dürfen. Und sie werfen damit eine interessante Frage auf: Wem gehören die "Film-Universen"- den Fans, in deren Köpfen sie eigentlich existieren und wachsen oder denen, die sie ursprünglich erschufen oder sie gar einfach nur eingekauft haben? Und wie weit geht das Copyright?

Darf niemals wieder jemand ohne Erlaubnis von CBS und Paramount einen logisch denkenden Außerirdischen mit spitzen Ohren auf die Leinwand bringen? Oder kriegerische Klingonen mit Stirnfalte und 70er-Jahre Frisur? Was ist mit der Architektur fiktiver Städte der Galaxie oder dem Aussehen erfundener Planeten-Systeme? Müssen Motorola und Samsung jetzt nachträglich noch Schlimmes befürchten wegen ihrer Klapphandys?

Fragen über Fragen. Und die Antwort der Fans dürfte klar sein: Das "StarTrek-Universum gehört uns". Die Antwort der Richter sicherlich auch: "StarTrek" ist eine Marke, die CBS und Paramount gehört. Die sind trotzdem jetzt beide ziemlich in der Zwickmühle. Denn CBS plant, mit exklusiven neuen "StarTrek"-Folgen Netflix, Amazon und hulu im Internet-TV zur Entscheidungsschlacht zu bitten. Und Paramount dreht gerade den nächsten Blockbuster mit der so genial verjüngten neuen Crew von Kirk, Spock, Scotty & Co.

Die Fans aber sind jetzt schon heiß auf Axanar. So oder so- das stört die schönen Verwertungs- und Marketingpläne erheblich. Also, wäre ich dafür verantwortlich bei CBS oder Paramount- ich würde mich an der Logik und Friedlichkeit der Vulkanier orientieren und nach irgendeinem Kompromiss suchen. Auch wenn man die Kapelle nicht bestellt hat und den Dirigentenstab nicht bekommt, vielleicht darf man ja doch irgendwie mitspielen.

Denn eins steht fest: Wenn die Anwälte von CBS und Paramount das Projekt platt machen, sollten sich deren Verantwortliche auf "StarTrek"-Conventions erst dann wieder sehen lassen, wenn sie wirklich Scotty mit dem "Beamer" als Rückversicherung haben.

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