Apple? Amazon? Eher nicht. Die Welt streamt mit Google- und Samsung.


Man sollte eben Google nie so ganz abschreiben. Die Marktforscher von "Strategy Analytics" haben einen "Connected Home Devices Report", und darin sind die aktuellen globalen Verkaufszahlen der kleinen Streaming-Helfer fürs Fernsehen zu finden.

Danach lag Googles Chromecast im dritten Quartal dieses Jahres bei den weltweiten Verkäufen mit 30% Marktanteil eindeutig vorn. Immerhin noch 20% entfielen auf den alten AppleTV-Würfel und mit jeweils 16% fanden sich Amazons Fire-TV und der Roku-Player auf den hinteren Plätzen.

Allerdings sind die Zahlen nur eine Momentaufnahme. Denn es sind, wie gesagt, die Verkaufszahlen des dritten Quartals. Seitdem ist nicht nur der sehr, sehr alte Apple TV erneuert worden, sondern auch Chromecast, Amazon und Roku gingen mit ihrer jeweils nächsten Geräte-Generation neu an den Start.

Viel interessanter finde ich die Zahl ganz oben. 9,2 Millionen Streamer wurden insgesamt weltweit verkauft- und Strategy Analytics liefert zur Einordnung eben auch die Verkäufe anderer "StreamingTV"-Geräte dazu. Und das relativiert die Ergebnisse dann doch deutlich.

Denn die 9,2 Millionen sind nur ein kleiner Teil der knapp 53 Millionen "Connected Home Devices", die im dritten Quartal dieses Jahres in den Haushalten ankamen. Da sind Blue Ray Player dabei, Game-Konsolen und vor allem aber: Smart-TV. Und bei Smart-TV heißt der globale Marktführer Samsung, etwa jedes vierte Gerät kam vom koreanischen Elektronik-Riesen.

Mal ein wenig hin- und hergerechnet dürften damit auf einen verkauften Chromecast so etwa zwei bis drei verkaufte Smart-TV mit Tizen-Betriebssystem entfallen. Nach Sharp und Sony hat es Googles Android-TV mittlerweile zwar auch auf die Philips-SmartTV in die Läden geschafft und arbeitet damit insgesamt auf etwa 8 - 10% aller verkauften Streaming-Fernseher. Das reicht aber selbst zusammen mit den Chromecast-Verkäufen wohl nicht, um Samsung vom globalen Streaming-Thron zu verdrängen.

Natürlich ist solch eine Rechnung problematisch. Roku hat zum Beispiel auch ein paar Fernseher, Amazon hat gar keine, ist aber dafür praktisch überall mit "Prime Instant Video" als App auf den Geräten und Google versucht das Gleiche mit "Google Play" ja jetzt auch. Nur Apple bleibt bisher auf seine Würfel-Nische beschränkt. "Wer streamt mit was" ist also nicht immer ganz eindeutig.

Die Zusatzgeräte sind aber eigentlich nur eine Übergangs-Technologie, um ältere Fernseher fürs Streaming-Zeitalter kostengünstig nachzurüsten. Sie werden in dem Tempo wieder verschwinden, in dem neue Smart-TV mit Technik auf der Höhe der Zeit in die Haushalte einziehen.

Unterm Strich bedeutet das: Derzeit kämpfen Samsung und Google um die Vorherrschaft. Und es wird, eher früher als später, auch Smart-TV zumindest mit Betriebssystemen von Apple und Amazon geben. Denn entschieden wird das Spiel auf dem Platz, so wie es einst schon Sepp Herberger wusste, und der Platz für das Streaming ist vor allem der große "Screen" im Wohnzimmer. Ja, "mobil" und "Second Screen" sind wichtige Trends. Aber, egal ob alt oder jung, ein toller Film ist und bleibt auf einem richtigen Fernseher einfach schöner. Und alles andere, von App bis Würfel, ist nur von zeitlich begrenzter Bedeutung.

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