Amazons nächster Schachzug: Das "Streaming Partner Programm".

Screenshot: amazon.com
Amazon hat gestern in den USA sein "Streaming Partner Programm" eröffnet. Ein Partner-Programm. In den USA. Also so etwas wie der umgefallene Sack Reis in China. Oder?

Gerade ist Vorweihnachtszeit. Das erkennt man weniger am Wetter als an der Menge der Paketboten, welche draußen jetzt jeden Tag mit gehetztem Gesicht von Tür zu Tür sausen. Knapp ein Drittel soll der Amazon-Anteil am deutschen Online-Handel im vorigen Jahr betragen haben, 2010 waren es erst 19 Prozent. Und Amazon nimmt der Konkurrenz in hohem Tempo weitere Marktanteile ab.

Dazu müssen Bezos's Leute nicht unbedingt ständig mehr und ständig größere Lager für die vielen schönen Sachen bauen. Denn es gibt den "Amazon Marketplace", auf dem auch andere Händler ihre schönen Sachen verkaufen- über Amazon. Oft merkt man das nur noch, wenn trotz "Prime" plötzlich Versandkosten anfallen und es dafür länger dauert. Oder man merkt es gar nicht mehr.

Viele Online-Händler geben unter der Hand längst zu, dass sie mittlerweile zum Subunternehmen des E-Commerce-Riesen geworden sind. Denn es ist die Amazon-Plattform, wo die Käufer nach Produkten suchen, Meinungen über Produkte austauschen und dann kaufen. Amazon wird so Schritt für Schritt vom Händler zum Handel. Und das nächste Ziel ist es offenbar, vom Streaming-Programm zum Fernsehen zu werden. Nein, nicht zum "Sender". Zum Fernsehen insgesamt. Denn jedes Programm ist ja eigentlich auch nur ein Produkt. Und über das Internet kann man es jetzt prima versenden. Und damit kennt sich Amazon aus.

Zwar soll es in den USA erst einmal laut "Variety" auch eine Menge Absagen gegeben haben. Aber mit den "Homeland" und "Dexter"-Machern von "Showtime" sowie dem PayTV-Kanal Starz ist auch schon echtes Qualitäts-Fernsehen mit eigenen Mediatheken beim "Partner"-Programm dabei. Hauptgrund für die Verweigerer könnte die Befürchtung sein, dass es vielleicht keine so gute Idee ist, die Kundenbeziehungen von Amazon abwickeln zu lassen. Aber im klassischen US Pay-TV ist es ja im Prinzip auch nicht anders- die Sender senden und Comcast & Co. machen den Rest.

"Die Art, wie die Menschen fernsehen, verändert sich und die Kunden benötigen einen einfacheren Weg zum Abonnement, um auch mehrere Streaming-Abonnements genießen zu können", so Michael Paull, Vizepräsident Digital Video bei Amazon. "Mit dem Streaming-Partner-Programm machen wir es einfacher für die Video-Anbieter, interessierte Prime Mitglieder zu finden, von denen viele bereits das Streaming sehr häufig nutzen und wir machen es für die Zuschauer einfacher, ihre Lieblings-Shows und Kanäle zu sehen." Im Prinzip also genau so wie bei den schönen Sachen im Online-Handel.

Besonders spannend wird es dann, wenn wie für die Zukunft angekündigt, Live-TV und sogar Sport möglich werden. Für den Amazon Prime-Kunden ist es auf jeden Fall attraktiv. Amazon achtet auf tiefe Preise und funktionierenden Service. Ja, es gibt sogar etwas für Pay-TV völlig Neues und Beruhigendes: Statt manchmal undurchschaubarer Vertragsbedingungen mit Laufzeiten gibt es Abonnements im "Self-Service". Also Haken dran- Abo da, Haken weg, Abo weg.

Das sei doch bequem mit nur einem Account, so Amazon, man darf alles kostenlos testen und die Pay-TV-Premieren sind gleichzeitig auch bei Prime verfügbar. Die "Partner"-Programme bekommen die schönen Zusatzinformationen per X-Ray und IMDb, sind in der Amazon-Suche auffindbar und wer Fire-TV-hat, kann sie auch per Sprache steuern. Entdecke die Möglichkeiten, so hieß es einst bei IKEA, und das wird bestimmt toll.

"Wir sind begeistert, mit Amazon zusammenzuarbeiten, um unseren Streaming-Dienst mit allen preisgekrönten Original-Serien, exklusivem Sport, Nachrichten, Dokumentarfilme und Blockbustern Millionen von Prime-Benutzern anzubieten", so David Nevins, Präsident der Showtime Networks Inc. "Im Zusammenspiel von Showtime mit der Power-Handelsmaschine Amazon werden wir unsere Präsenz weiter deutlich ausbauen, um unseren Service für neue Abonnenten bereitzustellen- wann und wie auch immer sie uns sehen wollen."

Das wird ein sehr spannendes Projekt. Denn wenn Showtime und Starz Erfolg damit haben, werden die anderen folgen. Live-TV, Mediatheken, Sender, Streaming-Dienste, alle. Ab einer gewissen Größe wäre Amazon dann die Plattform, um gesehen zu werden- und damit das Fernsehen.

Wenn das dann nach Deutschland kommt, wer darf es dann "regulieren"? Und wie? Was macht man mit einem Godzilla, der lächelt? Okay, in den Filmen vertreiben sie ihn dann immer- irgendwie. Aber niemals mit "Landesmedienanstalten". Es wird lustig, versprochen- und zwar bald. Amazon hat es immer eilig, und Deutschland ist bei Amazon "Prime". Ganz schnell könnte im Fernsehen nichts mehr so sein, wie es war.

Glauben Sie nicht? Okay. Aber das ARD und ZDF noch immer keine Senderechte für Olympia haben, ist kein Zufall. Vielleicht schon die nächste- aber bestimmt die übernächste Olympiade finden sie bei einem Anbieter wie dem hier- wie unglaublich viele andere spannende Programme auch:

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