Amazon, Netflix, whatever- die Streaming-TV Highlights im Dezember.

Das ist die "Glitter Force". Foto: Netflix
Das ist die "Glitter Force". Foto: Netflix
Das wird ein seltsamer Weihnachtsmonat Dezember im Streaming-Programm. Weihnachten war doch zumindest im "alten Fernsehen" eigentlich immer die Zeit der Mega-, Giga- und Hyper-Blockbuster. Die habe ich beim Durchschauen aber eher nicht gefunden. Dafür eher Eigenartiges. Oder auch Einzigartiges, ist eben alles Geschmackssache. Zum Beispiel dürfen die Deutschen bei Amazon den zweiten Weltkrieg gewinnen.

Aber zuerst einmal mein ganz persönlicher Favorit: Amazon hat jetzt die "Drei Engel für Charlie". Nein, nicht die albernen Spielfilme, sondern die legendäre erste Staffel vom Original aus den 70er Jahren. Farrah Fawcett war da noch als "Engel" dabei und präsentierte ihre unglaubliche Löwenmähne. Und im Piloten der ersten Staffel spielt Tommy Lee Jones, ja der "Men in Black", einen jugendlichen Liebhaber. Seine erste größere Rolle hatte der übrigens ein paar Jahre vorher in "Love Story", wo wiederum Ryan O'Neal als noch jüngerer Liebhaber die Rolle seines Lebens gab. Ryan O'Neal hat einen gemeinsamen Sohn mit Farrah Fawcett, aber erst nachdem diese mit Lee Majors verheiratet war. Der war der Colt Seavers aus "Ein Colt für alle Fälle" und hat sogar drei Söhne und auch eine Tochter, aber nicht mit Farrah Fawcett.

Die schöne Farrah ist jetzt seit sechs Jahren tot. Tommy Lee Jones musste schon vor acht Jahren in Filmen mitspielen, die "No Country for Old Men" heißen und Ryan O'Neal ist heutzutage der schräge Opa als Papa von "Bones". Was lernen wir daraus? Erstens: Hollywood ist auch nur ein Dorf. Zweitens: Das ist verdammt lang her. Und Drittens: Unbedingt "Drei Engel für Charlie" angucken. Gutes Fernsehen aus dieser Zeit hat etwas Magisches. Die Kameras bewegten sich noch nicht, manchmal gibt es eine ganze Minute am Stück ohne jeden Schnitt- das beruhigt die an das hektische Geflimmer und pausenlose Gesause unserer Zeit gewöhnten Augen ganz ungemein.

Aber zurück zum zweiten Weltkrieg. Bevor die Nazis unter uns jetzt an ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk glauben: "The Man in the High Castle" basiert auf einem Roman von Philip K. Dick. Der Roman hat zwar mit "Das Orakel vom Berge" auch einen deutschen Titel. Aber es ist Science Fiction, das Thema sind "alternative Welten" und Herr Dick war Amerikaner. Also geht es am Ende wahrscheinlich für die Reichsdeutschen wieder nicht gut aus. Für uns Fernsehfreaks dagegen ist es sicher viel interessanter zu sehen, wie die Amazon Studios eine so anspruchsvolle Produktion gewuppt haben.

Amazon hat für Dezember auch noch ein paar weitere Serien eingekauft. Die erste Staffel "The Flash" ist da dabei, die dritte von "Under the Dome" und nicht zuletzt ist jetzt auch die finale Staffel acht von Dexter, dem Massenmörder der Herzen, inklusive in Prime.

Im Bereich Spielfilm hat Amazon ein sehr weihnachtliches Klassiker-Programm zu bieten mit "Hulk", "Gladiator", "Inglorious Basterds", "Jurassic Parc" 1-3 und "American Gangster". Fressen, Hauen, Schießen- das passt. Wem das nicht reicht, für den gibt es noch mit "Children of Men" eine gut abgehangene Science Fiction-Apokalypse und den brandneuen "John Wick". Dessen Handlung besteht im wesentlichen darin, dass Matrix-Neo Keanu Reeves in mehr oder weniger elegantem Ballett gefühlte 300 Kopfschüsse verteilt, weil böse Menschen seinen kleinen Hund massakriert haben. Wohl so eine Art Ego-Shooter als Film.

Also, liebe Kinder: Wenn die Eltern nach Hause kommen- Amazon hat auch "Der Polarexpress", "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" und "Die Geschichte vom kleinen Muck".

Da will Netflix natürlich nicht zurückstehen und bietet zu Weihnachten "The Tournament". Die "Battle Royale unter Killern" kommt mit der Empfehlung "keine Jugendfreigabe" daher. Erst vier Jahre nach dem Start war in Deutschland eine ungekürzte Fassung in Umlauf- naja.

Dazu gibt es noch die neue "Carrie" von 2013 mit Chloë Grace Moretz in der Hauptrolle. Sie kann nichts dafür- im Vergleich mit dem Original von Sissy Spacek kann man sich nur blamieren. Liam Neeson ist in "The Grey" unter Wölfen und auch "Borgman" ist eher mörderisch. Und mit "Making a Murderer" gibt es obendrauf noch eine Netflix Original Doku-Serie über echte Mordfälle.

Das "Netflix Original" des Monats ist aber mit "The Ridiculous 6" ein weiterer Spielfilm. Im Gegensatz zum ersten Netflix-Kinofilm "Beasts of no Nation" gab es hier im Vorfeld aber keinen Oscar-Verdacht, sondern Ärger. Etliche Schauspieler indianischer Herkunft protestierten am Set über die ihrer Meinung nach abwertende Darstellung der Kultur der Apachen und zogen ab. Nun ja. Es ist ein Film von und mit Adam Sandler- vermutlich wird die Kultur der Weißen also auch beschädigt.

Brent Morin und Mike Epps werden noch mehr Comedy zu Netflix bringen und es wird ein "Very Murray Christmas" geben- Bill Murray will uns in Weihnachtsstimmung bringen und unter anderem Miley Cyrus und George Clooney haben mitgespielt. Sehr amerikanisch.

Und sonst? The Transporter, Teil 1 bis 3. Naja. Und natürlich "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel". Bei Amazon und Netflix !! Erich Honecker wäre vor Stolz über seine DEFA geplatzt. Dazu hat Netflix noch "Kevin allein zu Haus" inklusive. Amazon glaubt, dafür Geld nehmen zu können. Sie wissen nicht, dass man in Deutschland zu Weihnachten da nur durchs Free-TV zappen muss- irgendwo läuft der immer.

Es gibt aber noch etwas bei Netflix, was ich eigentlich schon längst erwartet hätte: Anime. Vielleicht geht es erst jetzt richtig los, weil die Streamer vom "House of Cards" gerade in Japan mit dem Abonnentenfang begonnen haben. Die "Glitter Force" geht als "Netflix Original for Kids" neu an den Start und ich wage mal die Prognose: Da wird noch mehr kommen. Die bunten japanischen Zeichentricks dürften ein sicherer Mega-Erfolg werden und ich bin zu alt, um zu verstehen, wieso.

Irgendwas muss auf jeden Fall dran sein. Auf jeden Fall weist auch Watchever aktuell darauf hin, dass "seit Oktober erfolgreiche Serien aus dem Programm von KAZÉ Anime, wie Psycho-Pass, Maid-Sama und High School DxD" dort zum Ansehen bereit stehen.

Wo gibt's noch Weihnachtsprogramm? Bei Maxdome zum Beispiel. Da ist "Sex and the City – Der Film" im Paket ab 12. Dezember inklusive. Na dann.

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