Als David gegen die Goliaths: Couchfunk bietet Live-TV für unterwegs

Foto: Couchfunk
David gegen Goliath, das war in der Bibel. Genauer gesagt im "Alten Testament". Später gab es die 36 Strategeme der chinesischen Kriegskunst. Darin ist praktisch die gesamte Weisheit des alten China versammelt. Bei "Couchfunk" werden sie diese überlieferten Erfahrungen brauchen. Am besten gefällt mir übrigens persönlich das letzte, das 36. Strategem aus China: Es empfiehlt rechtzeitig wegzulaufen, wenn die anderen 35 nicht funktioniert haben.

Das tapfere Start-Up "Couchfunk" aus Radebeul bei Dresden hält davon offenkundig nichts. Ist man nach fünf Jahren eigentlich noch ein Start-Up? Egal. Die Zeiten, in denen man sich die ganz großen Geschäfte mit dem "Second Screen" erhoffte und dafür alle möglichen Strategien ausprobierte, sind wohl erst einmal vorbei. "Social TV"- das war eine Zeit lang ein Riesen-Hype, ohne dass jemals jemand wirklich erklären konnte, was das denn genau nun sein sollte und wozu man das braucht.

Eine Art virtuelles Wohnzimmer sollte entstehen, da im Internet, mit gemeinsamen Fernsehen und gepflegtem Meinungsaustausch über das Programm. Und die "Social TV"-Anbieter wollten uns alle auf dem "Second Screen" im Internet vereinen und so viel Geld mit Werbung verdienen. Dann kam Facebook. Den Rest machen die Fernsehsender gern selbst und sind dabei mittlerweile mit innovativen Ideen auch ganz gut unterwegs.

Der Springer-Verlag, einst als neuer Tiger des Streaming-TV gestartet und dann als Bettvorleger gelandet, investierte viel Geld in "TunedIn". Mit "Zapitano" gab es ein weiteres hoffnungsvolles Start-Up aus Berlin. Alle weg. Nur "Couchfunk" blieb im Netz und lief nicht davon. Ganz im Gegenteil- nach dem Vorbild des großen Hubert Burda mit der wohl erfolgreichen LiveTV-App von "TV Spielfilm" greifen die Radebeuler jetzt sogar wieder an.

"OTT" heißt das, "Over the top Content", wenn Internetdienstleister das vorhandene Live-Fernsehprogramm ins Internet "ausstrahlen" und so, wenn die Sender es denn zulassen, zusätzliche Zuschauer finden. Und dafür gibt es, anders als beim "Social TV", auch eine Nachfrage. Denn immer mehr wollen das Fernsehprogramm immer und überall dabei haben und sei es auch nur auf dem Mikro-Bildschirm des Smartphone.

"TV.de"- eine bessere Domain hätte sich Couchfunk dafür schon einmal kaum beschaffen können. Seit etwas mehr als einem Jahr gibt es schon öffentlich-rechtliche Sender bei Couchfunk zu sehen. Und jetzt wird "ein vollwertiges Live-Fernseherlebnis" versprochen, ergänzt um "einen komfortablen, intuitiv zu nutzenden elektronischen TV-Programm-Guide".

Das bisherige kostenlose, werbefinanzierte Live-TV Senderangebot von 21 öffentlich-rechtlichen Sendern (Couchfunk hat sich mit Werbeeinblendungen die Streaming-Kosten refinanziert) wird mit einem neuen "Pro TV Paket" um die Sender RTL, VOX, n-tv, RTL NITRO, SUPER RTL, RTL II sowie ProSieben, SAT.1, kabel eins, sixx, SAT.1 Gold und ProSieben MAXX ergänzt - ohne zusätzliche Werbeeinblendungen in der App oder auf TV.de.

Dafür soll das dann aber auch 9,99 Euro im Monat kosten oder 90 Euro im Jahres-Paket. Die öffentlich-rechtlichen gibt es mit Werbung weiter kostenlos.

"Wir bauen unser Angebot für zeitgemäße Unterhaltung stetig aus und freuen uns nun, den Kunden neben dem übersichtlichen TV Programm auch ein attraktives Live TV Angebot zur Verfügung stellen zu können", so Couchfunk-Geschäftsführer Uz Kretzschmar. "Wir machen Fernsehen zum mobilen Erlebnis. Daheim und unterwegs kann jeder Kunde sein Lieblingsprogramm anschauen, entweder komplett kostenfrei, alternativ ohne Werbung oder in höchster Auflösung und mit den neu hinzugekommenen privaten Sendern."

Und man plant sogar weitere Angebote: Mit einem Streaming-Service können künftig alle, die etwas zu zeigen haben, einen Livestream direkt aus den Apps des Anbieters heraus starten. Das Angebot ist für Unternehmen und verifizierte Nutzer gedacht, die damit zum Beispiel Live-Events verbreiten wollen. Die so produzierten Streams können dann direkt unter TV.de abgerufen werden.

Okay, das sind alles Dinge, an denen gerade nicht ganz leicht zu besiegende Konkurrenten wie Apple oder Amazon ebenfalls arbeiten. Oder Facebook. Bestimmt auch bald Google/YouTube. Aber die Shaolin-Mönche würden sagen: Nur wer sich aufgibt, hat verloren. Warum sollte nicht auch einmal ein einheimischer Service am Ende gewinnen? Und weglaufen geht später ja immer noch. Jedenfalls, so lange man nicht alle vorherigen 35 Strategeme ausprobiert hat.

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