Vox versus Spielberg im "Club der roten Bänder" - Europa kann Serie (6)

Foto: Foto: © VOX /Martin Rottenkolber
Es gibt sie noch, die positiven Überraschungen. Schon seit geraumer Zeit suche ich nach dem vorzeigbaren deutschen Beispiel. Dem Beispiel dafür, dass Europa Serie kann. Dem Beispiel von hier. Im Land der Rosenheim-Cops schien die Fähigkeit zu gutem Fernsehen verloren gegangen zu sein.

Okay, man bemüht sich hier und da. Aber wenn "er hat sich bemüht" im Arbeitszeugnis steht, dann wird die ganz große Karriere wohl ausbleiben. Andere wiederum behaupten einfach, dieses oder jenes sei "die neue deutsche Serie". Weil sie jetzt irgendwie "horizontal" erzählt wird. Oder sogar schon in den USA gezeigt wurde- auf irgendeinem Spartenkanal, den dort niemand kennt. Wieder andere meinen, man müsste erwiesenermaßen talentfreien Akteuren nur (noch) mehr Geld zur Verfügung stellen, dann würden die deutschen "Breaking Bads" schon kommen.

Alles Quatsch. Schaut einfach mal rein in den "Club der roten Bänder" auf Vox. Okay, die Idee ist nicht von hier, sondern von irgendwo aus Katalonien. Das ist immer das erste, so typisch deutsche "Aber". Die wirklich "Großen" in Hollywood dagegen erkennt man aber auch daran: Völlig egal, wann und wo sie ein Idee finden, die ihnen wirklich gefällt- sie greifen ohne jedes Zögern sofort zu.

Der "Club der roten Bänder" ist die erste eigenproduzierte Serie in der Geschichte von VOX. Vielleicht ist ja auch das ein Grund dafür, dass die Krankenhaus-Serie für deutsche Verhältnisse so großartig geworden ist. Es gibt vielleicht bei Vox noch keine "Serien-Redaktion", die von sich glaubt, zu wissen, wie es geht. Übermäßig viel Geld, um den Erfolg zu erzwingen, war nicht notwendig. Im Gegenteil, das Werk dürfte mit dem Kostenrahmen einer ganz normalen Soap-Opera ausgekommen sein.

Denn teure "Stars" wurden nicht gebraucht. Action Szenen, Stunts oder aufwendige digitale Animation ebenso wenig. Eine wirklich gute Geschichte, ein perfekt ausgewählter Cast und seriöses Produktions-Handwerk- das ist alles.

Es wird ganz einfach und sehr berührend die Geschichte junger Patienten im Krankenhaus erzählt. Ihre Geschichte. Nicht die Geschichte der Halbgötter im weißen Kittel, die Leben retten. Dabei kennt man auch keine Scheu davor, mal etwas kräftiger auf die Tränendrüsen des Zuschauers zu drücken. Und siehe da: Es war gut.

Dabei ist Vox sogar ein doppeltes Risiko eingegangen. Denn wie schon gesagt, Hollywood greift bei jeder guten Idee sofort zu. Und für den US-Markt und den Sender Fox (na sowas) kommt die Serie "Red Band Society" aus der Produktionsfabrik von niemand geringerem als Steven Spielberg. Da kann man beim direkten Vergleich ganz schnell ganz alt aussehen und zur Zielscheibe von Hohn und Spott für die ganze Branche werden. Und sich zum Dank dann noch die Controller-Frage anhören, warum man das nicht einfach besser und billiger in den USA eingekauft hat.

Aber der "Club der roten Bänder" hält dem Vergleich tatsächlich stand. Okay, die Kamera-Arbeit und der gesamte "Look" der US-Produktion sind natürlich perfekter. Die Verpackung ist schöner, ja, aber es kommt auf den Inhalt an. Und der passt gerade auch in deutsch. Denn mitleiden und mitlachen kann man am besten mit Charakteren, die auch nebenan wohnen könnten. Und die wurden gefunden. Und gleichen das etwas "altmodischere" und einfachere Design mehr als aus.

Bis heute wurde die Serie in 13 Ländern adaptiert und in 18 Ländern ausgestrahlt. Besonders beliebt ist der "Club der roten Bänder" in Italien, wo "Braccialetti Rossi" seit 2014 läuft und bereits eine dritte und vierte Staffel geplant sind. Aber auch in Lateinamerika ist "Pulseras Rojas" ein Hit und wird in Adaptionen von Mexiko bis Chile gesendet.

Und nun gibt es eine deutsche Version und wir müssen uns nicht schämen. Mehr als 50.000 Facebook-Fans in kurzer Zeit können nicht irren. Auch wenn das Projekt natürlich auch gut beworben wurde. Wir müssen nicht in den US-Club gehen:

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