Vice wird TV-Sender- werden wir alle Viceland ?

Screenshot: YouTube / Live Nation TV
Manchmal dauert es auch bei Vice Media etwas länger. So wie bei "Live Nation TV", dem Partnerprojekt mit Live Nation Entertainment. Mittlerweile ist "Live Nation TV" online. In der Regel geht es bei Vice, dem "definitiven Guide zur Erleuchtung", wie es die deutsche Webseite verspricht, aber doch deutlich schneller voran. Viel schneller. Und sehr viel schneller als bei den "Mainstream-Medien", die laut dem stets recht lauten Vice-Chef Shane Smith ja "ihr Publikum in Rekordzahlen abwandern" sehen.

Vice Media "reitet auf den hohen Erwartungen", wie es das "Wall Street Journal" so schön überschrieb und Shane Smith reitet immer schneller. Und sein neuestes Projekt erregt schon wieder ziemliches Aufsehen. "Viceland" wird kommen, zuerst einmal Anfang 2016 nur in den USA und "Viceland" ist etwas völlig Neues für das Medienphänomen Vice- ein ganz normaler TV-Sender. Es ist ja glücklicherweise mittlerweile fast schon normal, dass Fernsehsender ihre beste Programme auch online "senden", ja manchmal sogar beste Programme produzieren, um sie ausschließlich online zu zeigen. Aber dass ein Online-Medium einen klassischen TV-Sender errichtet, ist neu.



"Viceland" ist zwar erst einmal nur ein Arbeitstitel, aber es passt. Denn seine "bahnbrechenden Inhalte" will Vice-Chef Shane Smith schließlich "über die heilige Dreifaltigkeit mobile, online und TV verteilen". Und im TV gibt es bisher nur kleine "Fenster" für Vice, in den USA bei HBO oder in Deutschland bei RTL II. In den USA wird nun im Rahmen einer Partnerschaft mit dem TV-Konzern A+E Networks dessen Kanal "H2", der 70 Millionen Haushalte erreicht, zum Vice-Sender mit 24-stündigem Programm umgebaut.

Die "Partnerschaft" sieht dann so aus: Um den Sendebetrieb und die Verteilung des klassischen Fernsehprogramms muss sich Vice nicht kümmern- das übernimmt weiterhin A+E Networks. Ums Geldverdienen, also den Verkauf von Werbung, kümmern sich beide gemeinsam. Das Programm ist dann die Sache von Vice. Denn Vice gilt mittlerweile bei den US-Broadcastern als geradezu magischer Schlüssel zu den sonst so schwer zu fassenden jugendlichen Zielgruppen.

"Dieser Sender ist der nächste Evolutionsschritt unserer Marke und der erste Schritt für deren globales Roll-Out in TV-Sendern rund um die Welt", so Smith. Erst letzte Woche hatte der charismatische Vice-CEO noch über demnächst in Europa geplante 12 TV-Sender orakelt. Man sei in "schnellen und rasanten" Gesprächen mit potentiellen Partnern, unter anderem Netflix, ITV, Sky oder Discovery über Kanäle, die in den nächsten 18 Monaten an den Start gehen sollen.

Auch Deutschland wurde als eines der europäischen Ziele benannt. Eine halbe Stunde einmal pro Woche spät Abends auf RTL II ist Vice wohl auf jeden Fall zu wenig. Der vor einem Jahr (!) beschlossene ARD/ZDF-Jugendkanal wurde übrigens dieser Tage genehmigt (!) und wird dann voraussichtlich Oktober 2016 (!) im Internet auf "Sendung" gehen. Vielleicht braucht man ja dort erst einen "definitiven Guide zur Erleuchtung". Zum Beispiel zu Themen wie Tempo, digital und Entwicklung.

Vice jedenfalls wirft eine immer größere Produktionsmaschinerie an. Was wohl die ARD/ZDF-Gremien zu dieser Sendungsidee für ihren "Jugendkanal" sagen würden?

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