Die dunkle Bedrohung: Der Samsung Smart-TV

Foto: Samsung
Da steht er und dominiert den Raum. Dunkel. Irgendwie bedrohlich. Der Smart-TV von Samsung.

Aber wie in "Die dunkle Bedrohung", dem ersten und als viertem gedrehten Teil von "StarWars", gibt es zum Glück mutige Jedis, die für uns gegen die bitterbösen "Sith" unserer Tage mit den albernen Teufels-Hörnchen am Kopf kämpfen. Die dunkle Seite der Macht wird verlieren. Irgendwann. Aber nicht endgültig. Denn die Geschichte muss weitergehen.

Wenn unsere digitale und damit schwierige heutige Zeit auch einen Meister Yoda hat, dann arbeitet der bestimmt bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Denn die ist uns schon vor einem Jahr dadurch positiv aufgefallen, dass sie eine bis dahin weitgehend unbekannte dunkle Bedrohung für Abonnenten von Netflix, Amazon Prime oder Maxdome aufgedeckt hat. Serien oder Filme, die dort im Programm sind, können wieder aus dem Programm verschwinden. Ob sie dann auf die dunkle Seite der Macht wechseln, konnten die Verbraucherschützer nicht in Erfahrung bringen. Dennoch zögerten sie nicht, uns alle vor diesen "Horror-Erlebnissen" wenigstens zu warnen.

Aber wie nur wir als echte "StarWars"-Fans es wissen: Nach der Schlacht ist vor dem Todesstern und dann kommen die Ewoks. Oder so ähnlich. Jedenfalls gilt es jetzt eine noch viel dunklere Bedrohung für uns alle abzuwehren. Denn ein Krake lauert im Smart-TV. Genauer gesagt, ist es ein Datenkrake- und er lauert im Samsung Smart-TV UE40H6270.

Denn der Elektronik-Riese habe die Grundeinstellungen ab Werk bei internetfähigen Fernsehgeräten so konfiguriert, dass diese schon bei der bloßen Inbetriebnahme und dem Anschluss an den Internetzugang automatisch Daten übertragen. Weil bei den Verbraucherschützern zu Hause sicher normalerweise nur grüne Dioden geheimnisvoll schimmern, wenn sie etwas ans Internet anschließen, wird dieses Mal nicht nur gewarnt, sondern durchgegriffen. Gegen die Samsung Electronics GmbH wurde Klage beim Landgericht Frankfurt am Main eingereicht.

Mit ihrer Musterklage gegen einen der Marktführer für TV-Geräte wolle die Verbraucherzentrale NRW nun erreichen, dass Daten erst nach entsprechender Information durch die Gerätehersteller und nach Einwilligung der Nutzer übertragen werden. "Smart-TV is watching you", zeichnet NRW-Verbraucherzentralenvorstand Wolfgang Schuldzinski ein düsteres Bild.

Der anzuklagende digitale Beobachter von Fernsehgewohnheiten, so die Verbraucherzentrale, stecke im HbbTV-Standard, was für "Hybrid broadband broadcast TV", also die Kombination von Fernsehen und Internet, stehe. Spätestens jetzt stelle ich mir dazu die asiatischen Gesichter im Samsung-Management vor. Ich denke, sie werden lächeln. Also dieses ganz bestimmte Lächeln, das Asiaten immer dann verwenden, wenn wir einen Schreikrampf kriegen. Deutschland muss mittlerweile so eine Art dunkle Bedrohung für sie sein.

Denn Samsung wollte wohl eigentlich nie HbbTV in seine Fernseher einbauen. HbbTV ist eine europäische, vor allem auch eine sehr deutsche Idee, die das geliebte Prinzip des "Rundfunksenders" irgendwie in die neue Zeit retten sollte. Das Prinzip, dass Sender senden und Zuschauer empfangen. Das Internet-Prinzip "Austausch" mögen wir hier nicht so.

Okay, das ging irgendwie schief. Sobald das Ding in der Welt war, wurde auch entdeckt, dass es prima austauschen konnte. Daten zum Beispiel, für prima Werbung. Zum ersten Mal stand es wohl vor etwa zweieinhalb Jahren in der Zeitung.

"Nutzern muss klar gemacht werden, dass - anders als bei den klassischen - bei den internetfähigen Fernsehgeräten schon nach dem ersten Anschließen und der Inbetriebnahme die Datenübertragung in Gang kommt", so Schuldzinski. Samsung müsse vor der Nutzung der HbbTV-Funktion in verständlichen und gut wahrnehmbaren Datenschutzbestimmungen über die Erhebung und Verwendung von Daten informieren. Außerdem müsse erst eine entsprechende Zustimmung vorliegen, bevor es zu einer Übertragung von Daten kommt.

So wie für die eigentlichen SmartTV-Funktionen seiner Fernseher solle es Samsung aber auch nicht machen. Die Datenschutzbestimmungen, die dafür auf 56 Bildschirmseiten über das Ob und Wie der Datenübermittlung informieren, seien so unverständlich, lang und kompliziert, dass kein durchschnittlicher Fernsehnutzer die Folgen seiner Zustimmung zu den Nutzungsbedingungen verstehe.

Ja, Datenschutz ist wichtig. Ich will nicht, dass NSA & Co. alles über mich wissen. Ich würde nicht mal wissen wollen, dass die gar nichts von mir wissen wollen, weil das wiederum so deutlich auf die eigene Bedeutungslosigkeit hinweist. Auch sonst sind mir die Risiken durchaus bekannt. Der "Datenschutz" nach der Denkweise der Verbraucherzentrale NRW hat erreicht, dass ich jetzt auf jeder Webseite im Netz erst einmal ein nerviges Banner wegklicken muss, welches mir erklärt, dass diese Webseite Cookies benutzt. Ja, das überrascht mich jedes Mal aufs neue total. NSA & Co. wissen übrigens weiterhin alles.

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