Coldplay spielt für die Telekom. A Head Full of Vectoring Dreams?

Foto: Telekom
Möglicherweise ist es das letzte Album der Band. Zumindest wurde so etwas angedeutet. "A Head Full of Dreams", so heißt das aktuelle Werk der britischen Mega-Band "Coldplay" und sie stellen es gerade auf ihrer Tour vor. Am 8. Dezember wird es in Deutschland so weit sein- im Rahmen der "Telekom Street Gigs".

Den exklusiven Auftritt im Offenbacher Capitol, so meldet es die Telekom, können die Fans auch zu Hause und unterwegs über einen HD-Livestream auf der Website der "Street Gigs" sowie in den sozialen Medien wie Youtube, Facebook und Twitter "im besten Netz" erleben. Zeitgleich werden zehn TV-Sender mehrfach mit Live-Werbespots zum Konzert schalten. Was passiert, wenn man mit dem zweit- oder drittbesten Netz bei YouTube, Facebook oder Twitter unterwegs ist, das steht da nicht.

Oder doch: "Mit dem Livestream der Telekom können Coldplay-Fans über alle Social-Media-Kanäle, Online- und TV-Kooperationen bis hin zu den Plattformen der Deutschen Telekom an diesem exklusiven Event partizipieren und dieses Erlebnis teilen, egal, wo sie sind", erklärt Philipp Friedel, Leiter Marktkommunikation der Telekom Deutschland.

Denn das Telekom-Marketing wird sich wohl gedacht haben: Egal- "A Head Full of Dreams", das passt. Denn die Telekom hat gerade einen schönen Erfolg bei der Bundesnetzagentur erzielt und darf jetzt das Internet schneller machen, wie der Spiegel es so schön beschreibt. Gut, dass wir jetzt wissen, woran es gelegen hat, wenn das Video ruckelt. Die Bundesnetzagentur hatte es nicht anders erlaubt.

Natürlich nicht. Statt dessen geht es ums "Vectoring". Deutschland ist unter Druck, in Asien werden die Glasfasern schon überall in die Wohnungen verlegt und bei uns ist das nicht bezahlbar. Sagt man jedenfalls. Und mit Vectoring kann man dem guten alten Kupfer-Telefondraht noch einmal einen Bypass legen und etwas mehr MB pro Sekunde durchquetschen.

Der Nachteil -oder auch der Vorteil, wenn man es von der Telekom-Seite aus sieht: Vectoring funktioniert nur, wenn das ganze Kupfer-Drahtbündel mit den vielen Anschlüssen ins Haus sozusagen unter einheitlicher technischer Aufsicht steht. So dass die ganzen "Konkurrenz"-Anbieter, die eigentlich nur Weiterverkäufer von Telekom-Anschlüssen sind, sich plötzlich wieder draußen vorfinden.

Das wird jetzt nicht die Katastrophe hervorrufen, die diese Konkurrenz uns nun prophezeit. Aber die Telekom wird ihren Vorteil kalt ausspielen. Coldplay, wie der Engländer sagen würde. Oder auch nicht. Der eigentlich dringend notwendige Impuls für den FTTH-Ausbau geht vom Vectoring jedoch auf keinen Fall aus..

Nun ja. Zum "Street Gig" schalten ab 18.30 Uhr die Fernsehsender Pro7, RTL, Sat.1, RTL2, Kabel 1, VOX, RTL Nitro, Sixx, Sat.1 Gold und ProSiebenMaxx mehrfach live, so wird gemeldet. Um 20.13 Uhr wird die Telekom zeitgleich auf acht der reichweitenstärksten Sender via Live-Werbespots direkt zur Show von Coldplay schalten, um dieses einmalige Konzerterlebnis deutschlandweit zu teilen. Vielleicht werden sie die Kunden trösten, deren Internet für das Facebook- oder YouTube-Erlebnis nicht ausreicht.

Wie gesagt, von Coldplay war zu hören, dass es vielleicht das letzte Album gewesen sei. Jede gute Geschichte, wie zum Beispiel Harry Potter, sei irgendwann zu Ende erzählt. Da kennen sie die "Filmuniversen" aber schlecht. Harrys Welt wird wiederkommen, irgendwie. Und auch die Geschichte vom Kampf um ein vorzeigbares deutsches Netz wird wohl noch viele Teile haben.

Denn der Himmel bleibt voller Sterne:

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