Better Call Saul - US-Fernsehbosse wollen Netflix die Serien nehmen

Bob Odenkirk in "Better Call Saul" Foto:.Netflix / Ursula Coyote
Netflix kann erst einmal ein wenig aufatmen. Und Amazon auch. Und vielleicht noch der eine oder andere Streaming-Dienst mehr. "Auf Grund anhaltender Veränderungen im Verbraucherverhalten denken wir, dass es wichtig ist, noch mehr Inhalte on demand im Rahmen unserer eigenen Angebote bereit zu stellen." So war es kürzlich vom Time Warner-CEO Jeff Bewkes zu hören. Und das war noch nicht alles: "Deshalb denken wir darüber nach, unsere Rechte für längere Zeit zu behalten und die Content-Lizensierung zu verzögern, oder ganz darauf zu verzichten."

Zu Time Warner gehört zum Beispiel HBO- und damit entscheidet Bewkes auch über viele Mega-Serien, wie zum Beispiel "Game of Thrones". Netflix und Co. sollen in Zukunft mehrere Jahre warten, bis sie diese TV-Inhalte streamen dürfen oder sie vielleicht sogar überhaupt nicht mehr bekommen. Die traditionellen US-Fernsehsender spüren die Konkurrenz der Streaming-Anbieter immer mehr. Und wollen dieses Geschäft in Zukunft selbst übernehmen.

Netflix-Chef Reed Hastings musste den Trend zu eigenen Streaming-Angeboten der Networks beim letzten Quartalsbericht erstmals erwähnen. Um dann das Problem aber sofort klein zu reden: "Einige Studios nutzen die Möglichkeit, Inhalte für SVOD-Dienste wie Hulu, Amazon Prime Instant Video und Netflix zu lizenzieren. Andere nutzen sie nicht. Wir haben genügend Inhalte zur Auswahl."

Das könnte aber zunehmend schwieriger werden. HBO hat seinen eigenen Streamingdienst mittlerweile online, "Showtime" auch, CBS bietet "All Access" und so weiter und sofort. Sie alle brauchen Inhalte. Für die Streaming-Dienste könnte das bedeuten, dass sie viele attraktive Serien erst dann bekommen, wenn sie so gut wie alle Zuschauer ohnehin schon gesehen haben. "Mehrere Jahre" nach der Premiere, so fände es zum Beispiel der Time Warner-Chef angemessen.

Selbst für Netflix oder Amazon wäre das eine mittlere Katastrophe. Zwar verfügen sie über immer mehr tolle Eigenproduktionen, aber für ein wirklich attraktives Angebot für ihre Abonnenten werden beide noch einige Zeit auf Zukäufe angewiesen sein. Da tut es gut, wenn wenigstens einer der Großen sich nicht an der allgemeinen Content-Verweigerung der Fernsehsender beteiligen will.

AMC-CEO Josh Saplan hat jetzt in einer Telefonkonferenz mit Analysten betont, dass er keinen Anlass für Veränderungen sehe. Dass seine Serien ein Jahr nach der Premiere zu den Streaming-Diensten wechseln, sei "angemessen". Der vermutliche Grund: AMC sieht die Dinge ganz anders. AMC-Serien wie "Breaking Bad" oder "The Walking Dead" erreichten erst auf den Streaming-Diensten ihren heutigen Kultstatus und machten so den Fernseh-Kanal populärer den je.

AMC mag deshalb die Streamer. Und nutzt ihre gewaltige Werbepower weiter. Von diesem guten Verhältnis haben auch wir etwas. Zum Beispiel "Fear the Walking Dead" über Amazon Prime bei uns sogar zeitgleich zur TV-Premiere in den USA. Oder Bob Odenkirk in "Better Call Saul" als "Netflix Original". Denn das ist die Serie nur bei uns- in den USA arbeitet der beste Anwalt der Welt natürlich zuerst für seinen Sender AMC.

Welche Strategie für die Fernsehsender die bessere ist, muss sich aber noch zeigen. Ich glaube an AMC. Auch in den USA. Denn auch dort hat der Zuschauer nicht endlos viel Geld. Und wenn er ein CBS-Abo für "Star Trek" braucht, für "Game of Thrones" eines von HBO und für "Homeland" das Abo von Showtime- dann wird er sich vielleicht statt dessen für Netflix entscheiden.

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