Wollen Sie mit ihrem Fernseher reden?

Grafik: Bitkom
Anscheinend werde ich doch alt. Jedenfalls gibt es immer öfter großartige und neue technische Errungenschaften, denen ich nicht mit politisch korrekter Begeisterung, sondern eher mit hinhaltendem Widerstand begegne. So weigere ich mich zum Beispiel standhaft, mit meinem Handy zu reden. Jedenfalls so lange da nicht irgendwo ein richtiger, lebendiger Mensch in der Leitung ist. Ich spreche nur mit Leuten, nicht mit irgendeinem asiatischen Stück Elektronik.

Indianer waren einst die Helden unserer glücklichen Kindheit. "Ich habe gesprochen- hugh!!" So beendete ein ordentlicher Indianer-Häuptling praktisch jede seiner seltenen und kurzen Ansprachen, wohl auch um die Bedeutung dieses Ereignisses an sich zu unterstreichen. Das verstehe ich. Die Begeisterung für Siri und Co. eher nicht.

Mein Android-Handy reagiert darauf mit geduldigen "Aufklärungsinitiativen" und fordert mich ständig dazu auf, doch auf das Mikrofon zu drücken und es mit der Spracheingabe zu versuchen. Aber wenn es eine wirklich knappe Ressource in unserer Zeit gibt, dann ist das die Stille. Ich mag die Stille nicht ohne Grund zerstören. Also gebe ich meine Google-Anfragen störrisch weiterhin mit der Tastatur ein.

Während beim Smartphone die Spracherkennung ja durchaus noch sinnvoll und praktisch sein kann, zum Beispiel wenn beim Autofahren die Hände anderweitig gebraucht werden, sehe ich beim Fernseher eigentlich gar keinen Sinn darin. Ich mag mit meinem Fernseher nicht reden. Wenn ich ihm wirklich alles erzähle, was ich ihm zu sagen hätte, würde ihm das dann wohl auch nicht gefallen.

Aber ich bin eben wohl doch alt. Für mich baut man in Asien noch Fernbedienungen, Fernbedienungen zum Beispiel mit extra großer "Netflix-Taste", damit Leute wie ich diese neuen und modernen Services überhaupt noch finden. Moderne Menschen reden mit ihrem Fernseher oder fuchteln gar wild in der Luft herum, um die Glotze auf der Höhe der Zeit zu steuern. Filme oder gar ganze Programme mit einem simplen Tastendruck zu starten, das ist etwas für die Alten.

Hat die herkömmliche Fernbedienung bald ausgedient? Das fragt sich jedenfalls der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. BITKOM. Beziehungsweise hat gefragt, per "repräsentativer Umfrage". Ob mit Sprachbefehlen, Gesten oder dem Smartphone - deutsche TV-Nutzer seien offen für alternative Möglichkeiten, mit denen sie ihren Fernseher steuern könnten. Auf das größte Interesse stoße dabei die Sprachsteuerung. Gut jeder dritte TV-Nutzer (30 Prozent) ab 14 Jahren würde seinen Fernseher in Zukunft gerne mit Worten bedienen. Aber auch Mobilgeräte seien ein beliebter Ersatz für die Fernbedienung. Jeder Vierte (25 Prozent) gibt den Wunsch an, sein Smartphone oder Tablet hierfür zu verwenden. 18 Prozent können sich eine Gestensteuerung anstelle des klassischen Tastendrucks vorstellen.

"Eine intuitive Bedienung des Fernsehers mit Sprachbefehlen oder Gesten erhöht die Benutzerfreundlichkeit der Geräte", so BITKOM-Experte Timm Lutter. "Sie machen eine Fernbedienung früher oder später überflüssig." Laut Befragung sieht fast jeder Bundesbürger (99 Prozent) ab 14 Jahren fern. Insbesondere bei jüngeren Zuschauern sind die intuitiven Bedienoptionen für Fernseher gefragt: In der Altersgruppe der 14- bis 29-jährigen TV-Nutzer würden knapp vier von zehn Personen (38 Prozent) gerne das Gerät per Sprachbefehl steuern, jeder Dritte (33 Prozent) per Mobilgerät und jeder Fünfte (20 Prozent) anhand von Gesten.

"Die neue Generation der TV-Geräte ist bereits heute mit einer Steuerung per Sprachbefehl, Gesten oder Mobilgerät ausgestattet", so Lutter. Internetfähige Streaming-Adapter wie der Amazon Fire TV Stick, Google Chromecast oder Apple TV ermöglichten zudem, auch ältere TV-Geräte aufzurüsten. Trotzdem hingen viele weiterhin an der Fernbedienung: 86 Prozent der befragten TV-Nutzer geben an, dass sie auch in Zukunft das Gerät gerne per Fernbedienung steuern möchten. "Die Fernbedienung wird sicher nicht von heute auf morgen verschwinden, sondern zunächst durch die alternativen Bedienoptionen ergänzt. Langfristig wird die klassische Version mit reiner Tastendruck-Steuerung aber nicht überleben", so Lutter.

Okay. Wir sind 86 Prozent. Langfristig habe ich vielleicht ein Holo-Deck. Aber bis dahin: Ich mag meine Tasten.

Kommentare

Aktuell meist gelesen: