Viel oder wenig? Drei Millionen schauen bei Netflix "Beasts of No Nation"

Abraham Attah in "Beasts of No Nation". Foto: Netflix
Normalerweise veröffentlichen die großen Streaming-Giganten keine "Einschaltquoten", also in ihrem Fall die Abrufzahlen, für ihre Programme. Deshalb ist es immer besonders interessant, wenn dann doch hin und wieder einmal etwas darüber bekannt wird.

"Einfach nur begeistert" sei man bei Netflix über die Nachfrage für den ersten "Netflix Original"-Spielfilm "Beasts of No Nation", so "Chief Content Officer" Ted Sarandos dieser Tage gegenüber "Deadline". Und: Er nannte erstmals eine konkrete Zahl. Mehr als drei Millionen hätten sich den Oscar-Kandidaten allein in Nordamerika in den ersten zwei Wochen angesehen.

Wow, drei Millionen. Ist das nun viel oder wenig? Erst einmal viel mehr als im Kino. Denn um die Oscar-Chance zu erhalten, musste Netflix den Film auch zumindest in einige US-Kinos bringen und der erwies sich dort wenig überraschend als Kassengift. Denn "Beasts of no Nation" hat keine Jedi-Ritter und keine hungrigen Dinosaurier und gehört auch sonst zu keinem der bekannten Film-Universen. Nicht einmal Zombies spielen mit. Stattdessen bekommt man einen spannenden und so bisher noch nicht gesehenen Einblick in die traurige Realität afrikanischer Kindersoldaten und geht dann wohl eher nachdenklich als gut unterhalten nach Hause.

Also ist drei Millionen wohl richtig viel. "Ich denke", so Sarandos, "das ist ein größeres Publikum als jeder spezielle Film in den ersten zwei Wochen nach der Premiere, vielleicht sogar für seine gesamte Laufzeit erhoffen kann." Stimmt, "Beasts" ist "speziell". Da gehen nicht so viele ins Kino, wo Spielfilme in den ersten zwei Wochen nach der Premiere normalerweise ausschließlich zu sehen sind.

Nur waren die drei Millionen eben nicht im Kino. Sondern zu Hause vor dem Fernseher. Und da gelten dann andere Maßstäbe. In Deutschland zum Beispiel schafft selbst ein äußerst mittelmäßiger Provinz-"Tatort" immer noch locker mehr als drei Millionen in den ersten 90 Minuten der Premiere. Und Netflix hat in Nordamerika deutlich mehr als 30 Millionen Abonnenten. Das bedeutet, dass nicht einmal 10% der Netflix-User das Spielfilm-Event in den ersten zwei Wochen dort sehen wollten.

Ist das nun schlecht? Keine Ahnung. Denn da es, wie schon gesagt, von den Streamern bisher keine konkreten Zahlen gibt, kann man diese drei Millionen eben auch nur schwer einordnen. Aber Ted Sarandos verrät uns noch mehr: "In der ersten Woche nach der Veröffentlichung war Beasts of no Nation der meist gesehene Film bei Netflix in jedem Land, in dem wir tätig sind." Sogar in Ländern wie Japan, Brasilien oder Mexiko, also Länder, in denen solche Filme traditionell die Kinos gar nicht erst erreichen würden.

Netflix, so Sarandos, würde seine Spielfilme auf Hollywood-Standard produzieren, etwa so wie Sony oder Warner Bros. auch. Man würde nicht Brad Pitt engagieren und dann billige Filme produzieren. Man könne aber im Gegensatz zum bisherigen Kino-System den Filmemachern ein großes Publikum garantieren. Und die Zuschauer würden ohne Risiko geliefert. "Für die Produzenten war 'Beasts of No Nation' schon profitabel, bevor er bei uns Premiere feierte. Auch das ist für einen Independent-Film sehr ungewöhnlich."

Aber ist "Beasts of No Nation" mit drei Millionen Zuschauern auch für Netflix profitabel? Das eben ist sehr schwer einzuschätzen, da die Vergleichszahlen eben fehlen. Für Netz-TV genauso schwer wie für Analysten, Zuschauer oder Konkurrenten. Was wiederum wohl der Grund ist, warum diese Zahlen fehlen.

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