Stottert der Netflix - Motor? Eigentlich nicht. Noch nicht..

Bei komplexen Problemen gibt es eine Telefonnummer. Bob Odenkirk in "Better Call Saul"- Foto: Netflix / Ursula Coyote
Die Börsianer sind schon etwas eigenartig. 880.000 neue Kunden hat Netflix allein im dritten Quartal und nur in den USA dazugewonnen. Dummerweise sind das 100.000 weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres und immerhin eine Viertelmillion weniger als die erwarteten 1,15 Millionen Neukunden. Die Netflix-Aktie stürzte daraufhin sofort kurzfristig erst einmal um sieben Prozent.

Dabei heißt das doch erst einmal, dass Netflix allein in den USA im dritten Quartal 880.000 Abonnenten dazu gewonnen hat. Und das ist noch nicht alles. Außerhalb den USA wuchs Netflix schneller als geplant- 2,74 Millionen neue "Netflixe" konnten dort begrüßt werden, 340.000 mehr als die geplanten 2,40 Millionen. Damit hat Netflix jetzt weltweit mehr als 69 Millionen zahlende Zuschauer und liegt insgesamt weiterhin gut im Plan.

Spinnen die Börsianer? Natürlich. Aber es gibt Indizien dafür, dass es auch für Netflix Grenzen des Wachstums gibt. Zuerst natürlich in den USA, wo der Streamingdienst ja schon gut fünf Jahre den Markt des "NewTV" bearbeitet. Und Netflix ist schließlich eine Art Risikokapital-Geschäft, denn mit dem Geld von der Börse werden Filme gedreht, Rechte erworben und Länder erobert und das Ganze wird dann als Investition langsam abgeschrieben. Da werden die Geldgeber natürlich sofort hypernervös, wenn irgendein Anzeichen darauf hindeutet, dass die Abnehmer, also wir, auch nur ein ganz klein wenig zögerlicher zugreifen als geplant.

Gerade in den USA werden also die nächsten Quartalszahlen von Netflix sehr spannend werden. Denn im vierten Quartal haben dort die Abonnenten eine leichte Preiserhöhung zu verdauen und mit EPIX, einem wichtigen Rechte-Inhaber, hat Netflix den Vertrag nicht verlängert, so dass etliche bekannte Filme jetzt im Angebot fehlen.

Dazu kommt, dass in den USA jetzt die Konkurrenz spürbarer wird. Große Pay-TV-Sender wie HBO drängen mit eigenen Angeboten auf den Streaming-Markt, Amazon wird auch in den USA immer stärker und Streaming-Pionier Hulu bietet jetzt ebenfalls ein werbefreies Angebot gegen Abonnement-Gebühren. Gleichzeitig wird durch den Streaming-Boom der Kampf um die Rechte für attraktive Serien und Filme immer härter, also vor allem teurer.

Netflix setzt deshalb noch mehr als bisher ohnehin schon auf die selbst produzierten Inhalte, die jetzt auch Kinofilme oder demnächst sogar Talk-Shows sein können. Im traditionellen Interview zu den Quartalsergebnissen war sogar vom "News"-Bereich die Rede. Content-Chef Ted Sarandos bezeichnete Netflix-Produktionen, die Vice Konkurrenz machen könnten, als wahrscheinlich. Wobei Netflix da sicher eher an Dokumentationen als an Nachrichten-"Sendungen" denkt.

Nur den Bereich Sport schloss man völlig aus- die Preise für attraktive Rechte seien dort "einfach verrückt".

Wie gesagt, es wird also spannend. Streaming-TV ist ein neuer Markt- niemand weiß, ob die Netflix-Idee vom führenden globalen PayTV-"Sender" per Internet funktioniert- und wenn ja, wie weit sie Reed Hastings und seine Mannschaft führen kann. Sie gehen in ein unbekanntes Land, in dem vielleicht Dämonen lauern. Aber noch hat Netflix keine Angst:

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