Förderung fürs Homeland- und Kochen mit Flüchtlingen.

Screenshot: Youtube / Ellevant
Eigentlich halte ich gar nichts von Subventionen für Film- oder Fernsehproduktionen. Wir alle müssen dafür bezahlen, dass Filme entstehen, die nach dem Geschmack irgendeines Fördermittel-Verteilers sind. Oder für Firmen, die den Herren (oder Frauen) der Gelder aus irgendeinem Grund gefallen. Oft entstehen dann Werke, die die Welt oder zumindest das Publikum nicht braucht. Und auch dann, wenn das Geld dafür vielleicht irgendwann von Amazon und Netflix kommt, wird es deshalb nicht besser. Sie werden es sich von ihren Kunden, also uns, zurückholen.

Aber das Vertrauen auf "die Kräfte des Marktes" allein wäre beim Zustand des deutschen Film- und TV-Marktes wohl ziemlich blauäugig und weltfremd. Denn draußen in der Welt wird das Filmen gefördert, was das Zeug hält. Nicht nur entlegene Länder wollen sich so in den Blick der Weltöffentlichkeit bringen- nein, selbst im "Mutterland" der Markt- wie auch der Filmwirtschaft sind zum Beispiel mittlerweile Dinge wie "tax incentives" durchaus üblich.

Die Welt ist also wie sie ist- und damit kommen wir zum Thema, der "medienboard Berlin-Brandenburg GmbH". Die verteilt im Auftrag der beiden Bundesländer ordentlich Geld unter die Filmemacher, um dem Großraum Berlin dabei zu helfen, wieder ein wenig an die einstigen Glanzzeiten als eine der wichtigsten "Traumfabriken" der Welt anknüpfen zu können. Und zu meiner großen Überraschung verteilen sie es gut.

Da werden nicht nur die "sicheren Bänke" wie Til Schweigers "Honig im Kopf" gefördert- aber auch. Selbst für völlig Verrücktes, wie den neuen "Iron Sky" ist eine knappe halbe Million in den Fördertöpfen drin. Und von Filmförderung für YouTuber hatte ich bisher noch nirgendwo gehört.

15.000 Euro bekommt der YouTube-Kanal "Ellevant" für seine Video-Reihe "Über den Tellerrand", in der Nilam Farooq und Ninon Demuth in jedem Video mit einem Flüchtling als Gast ein Gericht aus seiner Heimat kochen- und dabei seine individuelle Geschichte erfahren. Und es ist gut angelegtes Geld, gar nicht so wenige schauen sich das an, und man erfährt da Interessanteres über das brisante Thema als in so manchem "Brennpunkt".

Okay, 15.000 Euro ist nur wenig mehr, als Produktvorstellungen bei Deutschlands erfolgreichster YouTuberin Nilam Farooq alias "daaruum" zu ihren Mediakraft-Zeiten einst gekostet haben sollen. Aber sie ist ja jetzt weg beim "Multichannel-Netzwerk", macht mit "Ellevant" jetzt auch ein weiteres eigenes Ding und ist vielleicht damit schon wieder auf der richtigen Spur zu noch mehr Geld. Auch "daaruum" macht nach einer kurzen "Denkpause" weiter, und man kann schon verstehen, warum Mediakraft sicher mit Wehmut auf die Abrufzahlen der noch unter ihrer Regie entstandenen Videos schaut und in Zukunft mit seinen YouTubern Produzentenverträge abschließen will.

Selbst "Vice" bekommt Zuschüsse von den Berlin-Brandenburger Medienförderern. "True Crime" ist eine dokumentarische Serie von Vice Media über aufsehenerregende Verbrechen in Deutschland. Die Vice-Macher wollen wissen, ob "gut" und "böse" angeboren oder anerzogen sind und erkunden die Zusammenhänge zwischen Verbrechen, Umfeld und Rolle der Gesellschaft. Die erste Folge behandelt den Fall des bisher größten Online-Drogendealers Deutschlands, "Shiny Flakes", der sein Drogen-Imperium ganz allein aufbaute, während er noch bei Mama wohnte. Immerhin 65.000 Euro für die Entwicklung des Formats und die Produktion der Pilotfolge war die Idee dem Medienboard wert. Auch das Projekt klingt spannend.

Mit einer vollen Förder-Million zogen die Förderer aber einen Fisch ganz anderer Größenordnung an Land: Diese Million ging an die 5. Staffel der US-Megaserie "Homeland" und hat wohl sehr viel dazu beigetragen, dass CIA-Agentin Carrie alias Claire Danes ihre Operationsbasis für diese Staffel nach Berlin verlegt hat. Die feiert heute TV-Premiere in den USA- nicht mehr lange, und die ganze Welt hat Berlin gesehen. Warum das wichtig ist? Ganz einfach mal die Serie "The Blacklist" anschauen. Da spielen einige Szenen in Dresden. Nein- die waren nicht in Dresden. Interessant ist nur, was dabei herauskommt, wenn die Kulissenmacher in den USA das aktuelle Straßenbild einer deutschen Großstadt 2014 aus ihrem Kopf heraus entstehen lassen.

Vor einer großen Premiere müssen die Hauptdarsteller natürlich auf Werbetour, zum Beispiel in viel gesehene US-Talkshows. Und allein dafür, was bei Ellen DeGeneres dabei herauskam, müsste das Medienboard seine Million schon von der Berliner Tourismus-Förderung zurückerstattet bekommen:

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