Fear the Walking Dead? Nein. Aber fürchtet die Marketing-Maschine...

Foto: Amazon © 2014 AMC Networks Inc.
So, nach weniger als zwei Monaten ist es auch schon wieder vorbei. Die erste Staffel "Fear The Walking Dead" geht zu Ende, nach gerade einmal sechs Folgen und lässt uns mit der Frage "War was?" allein zurück.

Nein, eigentlich nicht, wäre wohl die richtige Antwort. Ja, die Serie war atmosphärisch großartig in Szene gesetzt. Durchgehend verdammt gutes Handwerk. Eine zweite Staffel davon könnte man sich durchaus anschauen. Zumal die Macher für die Fortsetzung schon ein höheres Handlungs-Tempo angekündigt haben. Denn wenn man so darüber nachdenkt, ist bei "Fear The Walking Dead" in den ersten sechs Folgen nicht so wirklich viel passiert. Zumindest nichts, was man so oder so ähnlich nicht schon beim Original gesehen hätte. Also so etwas wie Zombie-Köpfe mit dem Vorschlaghammer einschlagen und so. Auf jeden Fall passierte absolut nichts, was den gewaltigen weltweiten Hype um das Werk irgendwie erklären könnte.

Okay, bei uns in Deutschland war es schon irgendwie historisch. Durch den Exclusiv-Deal von Amazon Prime entstand quasi aus dem Nichts heraus so etwas wie das erste deutsche Streaming TV-Event der Geschichte. Von Twitter bis Facebook wurde jeder "FTWD"-Folge entgegen gefiebert und jedes Detail bequatscht und bewertet, so wie wir das bisher nur vom "klassischen" Fernsehen mit Bauern auf Brautschau, seinem "Tatort" oder früher bei "Wetten Dass" kannten. Und da Amazon Prime die gehenden Toten quasi zeitgleich mit etlichen Pay TV-Stationen in aller Welt startete, gab es das "Social TV" diesmal sogar global. Wieso eigentlich?

Nicht zufällig sind die "Mad Man" eben in den USA zu Hause, das ist das Mutterland des Marketings und niemand weiß anscheinend besser als die US-Profis, wie man das Publikum da draußen auf ein neues Produkt so richtig heiß macht. Und mit dem Internet als Gesamtkunstwerk von Streaming TV bis Social Media haben sie jetzt ein globales Tool von ganz neuer Qualität dafür, mit einer früher unvorstellbaren Reichweite, die in die Milliarden geht. Man muss es nur richtig nutzen können.

"Fear the Walking Dead" wurde millionenfach "verfacebookt",  "verbloggt" und "vertwittert", noch bevor es auch nur einen Trailer gab. Und als es einen Trailer gab, wurde der millionenfach geteilt, besprochen und bewertet. Und nein, das ist kein Zufall, sondern "Seeding". Gut bezahlte Profis "säen" die Neuigkeiten "social" an den richtigen Stellen aus. Dann wird "gedüngt", durch mitwirkende Prominente, Freunde oder bezahlte "Hubs". Und schon bilden wir uns ein, wir reden im Netz darüber, weil wir das so wollen.

"Klassische" Medien widmen sich dann auch gern solchen Themen, da so "Journalismus" und "Recherche" prima durch viel kostengünstigeres googeln im Büro ersetzt werden können. Immer mehr reden darüber. Es entsteht ein Hype. Könnte ja sein, dass es in diesen Wochen auch bessere Programm-Angebote in der gigantischen Wundertüte Fernsehen zu entdecken gab. Die müssen aber gefunden werden, wenn niemand davon weiß. Von "Fear The Walking Dead" wussten praktisch alle.

Netflix waren wohl die Ersten, die das perfekt global inszenierten. Es gibt vermutlich weit mehr Leute, die über "House of Cards" reden, als Zuschauer, die die Serie tatsächlich gesehen haben.

Apple inszeniert seine neuen Iphones oder i-was auch immer perfekt im Netz als globales "Event". Und mehr und mehr wird im Streaming-Zeitalter auch der Start neuer Serien oder auch nur neuer Staffeln davon zum globalen Event. Da muss man dabei sein. Das muss man sehen.

Bald wird es vielleicht mehr globale "Event"-Serien geben, als man schauen kann. Pech für alle die hiesigen Produktionen, die weder global noch "Event" sind. Die Zuschauer sind beschäftigt.

Am Sonntag startete "Homeland" weltweit in die 5. Staffel. Im US-Fernsehen ja, aber natürlich sofort auch global und kostenpflichtig, zum Beispiel bei Amazon. Fürs "Social Media Seeding" tanzte Carrie in der Woche davor eine Runde Techno und, auch das eine Premiere, die erste Folge gibt es sogar komplett zum kostenlosen Anschauen beim kommenden TV-Giganten Facebook.

Ach ja, erste Amazon Prime-Zuschauer berichten von Werbespots vor den "Originals". Für weitere "Programm-Events". Da wächst etwas Neues. Es könnte nur eine Welle sein- aber auch ein Tsunami.

Bleibt nur noch die Frage: Nur global oder auch regional? Es besteht vielleicht Hoffnung. Den Sender "TNT Serie" habe ich bisher, offen gesagt, nicht vermisst. Aber jetzt weiß ich schon von einer Serie...

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