Chromecast? Apple-TV? Die "Hand Gottes" schlägt zu bei Amazon.

Ron Perlman ist die "Hand of God" Foto: Amazon
Als die Nachricht heute im Netz auftauchte, hielt ich sie zuerst für einen Beitrag vom "Postillion" oder etwas ähnliches. "Hand of God", so heißt die neueste Serie aus den Amazon-Studios, die es ab morgen auch auf deutsch gibt. Und spätestens am 29. Oktober wird die "Hand Gottes" auch Google und Apple treffen, denn ab diesem Termin darf niemand mehr einen "Chromecast" von Google oder einen "Apple-TV" beim E-Commerce-Riesen in die Läden bringen. Ja, wirklich: Amazon unterbindet auf seinen Plattformen den Verkauf der zwei Konkurrenten des "Fire-TV".

"Hamwanich"- so hieß es zu DDR-Zeiten, wenn man in den Läden irgend etwas Besonderes kaufen wollte. Oder auch etwas ganz Alltägliches. Im Supermarkt in der Nähe war kürzlich der gefrorene Hefeteig alle, weil Pflaumenkuchen-Saison ist. Kaufkräftige Kunden müssen also mit systembedingten und saisonalen Engpässen im Handel leben. Manchmal listen Handelsketten irgendein Markenprodukt aus, weil sie den Lieferanten von ihren Preisvorstellungen überzeugen wollen. Die Logistik kann versagen, Naturkatastrophen geschehen. Aber das ist neu: Amazon will keine Apple-TV's und Chromecast's mehr verkaufen, um seine Kunden vor Verwirrung zu beschützen.

Jedenfalls erhielt "Variety" auf Nachfrage bei Amazon die Auskunft: "Im Laufe der letzten drei Jahre ist Prime Video zu einem wichtigen Teil von Amazon Prime geworden. Es ist wichtig, dass die Streaming-Media-Player, die wir verkaufen, auch mit Prime Video interagieren, um bei den Kunden Verwirrung zu vermeiden. Roku, Xbox, PlayStation und Fire-TV sind ausgezeichnete Alternativen."

Ja, Apples TV-Würfel und Googles Chromecast wollen nicht mit Amazons Prime spielen. Sie wollen lieber eigene Inhalte verkaufen. Ja, Amazons neuer Fire-TV ist eine ausgezeichnete Alternative. Aber die Konkurrenz aus dem Laden zu werfen, ist vielleicht keine so gute Idee. Man könnte ja auch in der Produktbeschreibung vermerken: "Geht nicht mit Prime Video." Und gut ist.

Ich finde es faszinierend, wie innovativ der E-Commerce-Riese Dinge wie Fernsehen, Werbung und Handel neu und zusammen denkt. Aber ein Riese sollte sich vorsichtig bewegen, sonst geht vielleicht aus Versehen etwas kaputt. Und Kartellwächter oder Wettbewerbshüter könnten dieses "Zusammen" auch aus einem ganz anderen Blickwinkel sehen. Manchmal denkt man sich gar nichts Böses und plötzlich trifft einen aus heiterem Himmel die "Hand of God".

Hier noch ein lustiges Fundstück zum Thema Handel und "es war doch nicht alles schlecht in der DDR". Aber entscheidend ist doch: Es ging nicht gut aus.

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