YouTube bekommt "Shopping Ads"- warum das vieles verändern wird

Screenshot: YouTube / IAB - Interactive Advertising Bureau
Nimm das, Amazon. Vielleicht sind Googles Präsentationen ja deshalb so unspektakulär, weil sie so viel zu präsentieren haben, und das auch noch an verschiedenen Orten. So war eben gestern zum Beispiel "Google Event" an der US-Westküste. Gestern war aber auch der zweite Tag der "IAB MIXX Conference 2015" an der Ost-Küste. Genauer gesagt im New Yorker "Crowne Plaza Hotel" am Times Square. Das ist eine Konferenz für Werbe-Fuzzis und ja, die Werber haben eben noch das Geld, auch für die ganz anderen Locations. Ganz anders, als wenn nur "die Presse" geladen ist.

An der Ostküste jedenfalls sprach für Google, oder besser gesagt dessen Videotochter YouTube, die Chefin des Portals Susan Wojcicki zu den Herren der Budgets. Und auch sie hatte Neues zu verkünden. Noch in diesem Jahr soll es sie geben: Die YouTube "Shopping Ads".

Darüber wird, anders als bei neuen Handys oder Chromecasts, natürlich kaum berichtet- ist halt nur Werbung. Also etwas, was nervt, Zeit stiehlt und eigentlich weg kann. Per Adblocker zum Beispiel. Irgendwie "bäh" und unwichtig. Ist es unwichtig?

Nun ja, das lange angekündigte werbefreie YouTube im kostenpflichtigen Abonnement soll ja jetzt in den nächsten Wochen kommen. Bis dahin ist aber diese unendliche Video-Galaxie, oft mehr schlecht als recht, allein durch Werbung finanziert. Und Abonnenten müssen schließlich erst einmal, und zwar jeder einzeln, mühsam von der Idee des Bezahlens überzeugt werden. Das ist fast noch mühsamer als uns User mit unserer "Kostenlos-Mentalität" von der Idee des Adblocker-freien Surfens zu überzeugen.

Was die "YouTube Shopping Ads" so interessant macht: Sie eröffnen eine ganz neue Welt an Möglichkeiten. Der YouTuber kann dann das neue megageile Smartphone einfach rezensieren, "unboxen" oder auch verreißen- der Zuschauer aber soll es in jedem Fall direkt aus dem Video heraus kaufen können. Das kann er oft jetzt auch schon- aber über den "Umweg" der klassischen Werbung. Die aber blenden wir, wenn nicht durch Adblocker, dann spätestens im Unterbewusstsein einfach aus.

Jetzt ist da nur noch das passende Produkt zum passenden Film zu sehen, ein Preis, und man kann praktisch noch während des Videos bestellen. So what. So what? Mit diesem Adwords-Tool könnte eine YouTuberin wie die da über Nacht zum eigenen Handelskonzern aufsteigen. Denn wozu braucht man eigentlich noch Händler, wenn die YouTuber die Beratung und das Heranschaffen der Kunden übernehmen? Ja, auch Händler können das nutzen. Aber es ist ein grandioses "Kill The Middleman"-Tool. Oder wie es Susan Wojcicki vornehmer ausdrückt: "Es verwandelt YouTube zu ihrem Ladengeschäft". Ja, und da haben wir ihn wieder, den anscheinend brandaktuellen "Running Gag" für Google-Präsentationen: Sie erklärt das Ganze mit süffisantem Lächeln am Beispiel der "Bendgate"-Videos über Apples Iphone.

Aber wieso Amazon? Ach so, die haben die Konkurrenz doch angefangen. Die "Video Shorts" von Amazon laufen zwar immer noch nur in den USA- aber wenn Amazon ein YouTube will, dann will YouTube jetzt eben auch irgendwie Händler werden.

Könnte ja jedenfalls sein, dass da überall etwas zusammenwächst, was zusammengehört. Ganz einfach, indem die Videokünstler die Aufgaben der "Mad Man" übernehmen und die Plattformen den Rest. Die Industrie braucht eigentlich weder werbefinanzierte TV-Sender noch klassische Werbung oder Händler. Sie braucht nur jemanden, der Aufmerksamkeit für ihre Produkte generiert und damit dann Absatz.

Deshalb arbeitet Amazon mit großem Aufwand daran, per Video und Internet-TV Aufmerksamkeit zu beschaffen. Das Thema Absatz beherrschen sie schon perfekt. Deshalb arbeitet YouTube jetzt daran, die Produkte direkt zum Kunden zu bringen. Bei der Herstellung von Aufmerksamkeit macht ihnen schließlich bisher keiner was vor.

Kommentare

Aktuell meist gelesen: