Netflix geht ins Studio- Late Night für die Welt mit Chelsea Handler ?

Netflix-Comedy "Chelsea Handler: Uganda Be Kidding Me Live." Foto: Netflix
Netflix ist große Serie. Netflix hat Spielfilme, demnächst sogar eigene. Das war es dann auch. Oder? Naja, nicht ganz. Da turnen dann zum Beispiel auch noch eine ganze Reihe US-Comedians durchs Programm. Netflix möchte für uns globales Fernsehen machen, dazu gehört sicher mehr als Serien und Filme- aber spätestens bei Comedy wird das eben kompliziert.

So bekomme ich jeden Tag per "Social Media" jede Menge Hinweise, was ich "auf Netflix" unbedingt anschauen muss. Eben "OINTB" natürlich, "Daredevil" oder die "Narcos". Die Comedys spielen hier bei uns keine Rolle. Über einen Chris Tucker oder gar einen Demetri Martin hört man da nichts.

Denn US-Witze mit Untertiteln sind für uns oft eher anstrengend als lustig. Man muss schon sehr, sehr gut Englisch sprechen, nein besser US-amerikanisch, um daran wirklich Spaß zu haben und man muss sehr vertraut sein mit dem aktuellen Leben im Land des "American Dream". Ein bisschen lustig ist es, okay- aber wir zum Beispiel sind gerade noch voll im Boom des "politisch Korrekten", während der Trend in den USA, woher er einst kam, längst wieder vorbei ist. Mit Donald Trump haben die da drüben jetzt sogar einen Präsidentschaftskandidaten, dessen einzige politische Idee es ist, das Gegenteil von "politisch korrekt" zu sein.

Aber das war es dann irgendwie auch. Wer schlüpfrige, alberne, gemeine oder auch dämliche Witze mag, wird bei uns von zahllosen heimischen Anbietern aller Stilrichtungen bestens bedient. Okay, Harald Schmidt gibt nur noch den beleidigten Pensionär, seitdem seine legendäre deutsche Late Night fast gar keiner mehr sehen wollte. Ist in diesem Umfeld die Zeit reif für die "globale Late Night" im Stream?

Denn nicht weniger als das soll es geben, demnächst, bei Netflix und mit Chelsea Handler. "Das Internet hat viele Gewohnheiten des traditionellen Fernsehens auf den Kopf gestellt", so der "Chief Content Officer" des Streaming-Anbieters Ted Sarandos. "Gemeinsam mit Chelsea Handler freut sich Netflix auf die neue Late Night-Talkshow für die on demand-Generation."

Die Talk-Show ist Bestandteil eines Mega-Deals mit der US-Kultkomikerin und ja, sie ist nach Meinung von Netflix für die ganze Welt. Oh, oh. Es fängt damit an, dass zum Beispiel bei uns kein Mensch Chelsea Handler kennt. Okay, einige ihrer Bücher gibt es auch hier. "Mein Leben im Liegen. Aus dem Tagebuch einer Schlampe", zum Beispiel. Aber es geht bei Chelsea Handler auch nicht nur ums Bett, sie wird auch international.

"Uganda verarscht mich", so könnte man den Titel für ihr Live-Programm übersetzen, das man sich auf Netflix schon anschauen kann. "Wir könnten Sie warnen vor vulgären Inhalten, unzüchtigem Benehmen und ordinärer Sprache- aber wir wissen, sie wollen es sowieso sehen". So steht es auf der "Warntafel" von Netflix vor dem YouTube-Trailer zur Show.

Ja, es wird interessant sein, zu sehen, ob der Globus für mehr davon schon überall reif ist.

Genauso interessant ist aber, dass Netflix mit der "Late Night" von Chelsea Handler nun wirklich zum Produzenten wird. Denn ja, es gibt jede Menge "Netflix Originals"- aber das sind in der Regel bisher Auftragsproduktionen von Fremdfirmen. So arbeitet Disney genauso an "Netflix Originals" wie Sony.

Aber Netflix hat jetzt eigene TV-Studios angemietet, zum Beispiel für Handlers "Late Night", statt einfach Produktionsfirmen zu buchen und so das Risiko auszulagern. So hat es zumindest jemand Bloomberg verraten. "Natürlich hat es Vorteile wenn wir Shows selbst produzieren", so Netflix-Finanzchef David Wells bei der Vorstellung der Netflix-Ergebnisse im Juli. Stimmt. Alle Rechte sind bei Netflix automatisch an Bord und wenn es überall und global gefällt... Aber es gibt natürlich Risiken.

Denn selbst die Herstellung von Serien aus eigener Hand ist im Gespräch. Eine Produktion wie zum Beispiel "Marco Polo" beschäftigt aber einen Riesen-Apparat von Spezialisten. Im Moment holt man erst einmal erfahrene TV-Producer an Bord. Da wächst aber etwas Großes heran. So groß, dass es auch Netflix ganz schnell über den Kopf wachsen kann.

Ich mag Chelsea Handler. Aber ihre Sprüche sind oft so, dass zum Beispiel Japaner oder Koreaner dann diese ganz großen Augen kriegen. Auch mit dem russischen Herrn Putin ist die Frau dank ihrem sehr treffsicheren Humor das genaue Gegenteil von befreundet. Über Länder mit gläubiger islamischer Bevölkerung mag ich gar nicht erst nachdenken.

Die Idee vom globalen Fernsehen per Streaming ist wahnsinnig spannend- und langfristig auch richtig. Hat Netflix Erfolg, dann  wird das nicht weniger als die Welt verändern. Aber es kann auch ganz leicht schief gehen.

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