Hurra! Apple bietet seinen Fanboys jetzt ein Fire TV zum doppelten Preis.

Screenshot: apple.com/de/tv
"Die Zukunft des Fernsehens" kommt bald. Das verkündet jedenfalls Apple seit dem "Apple-Event" vom Mittwoch. Hmmh. Immer wenn ich das Kopfschütteln so stark bremsen kann, dass eine Informationsaufnahme möglich wird, dann sehe ich da eine Box mit dem angebissenen Apfel drauf. Und die soll irgendwann demnächst annähernd das können, was mit Amazons Fire TV seit fast einem Jahr an jeder Ecke zu haben ist. Nur dass die Box mit dem Apfel möglicherweise mehr als das Doppelte kosten soll.

Okay, die Apple-Fanboys können dann mit Siri über ihr Fernsehprogramm reden. Aber Amazon Prime Video empfangen sie nicht. Naja, wenigstens Netflix kann das Ding. Und Apps. Denn, so verrät es uns Apple: "Apps sind die Zukunft des Fernsehens. Denk mal darüber nach. Auf deinen Mobilgeräten und Computern nutzt du bereits Apps, um auf alle Arten von Entertainment zugreifen zu können. Und genauso wird auch Fernsehen in deinem Wohnzimmer funktionieren. Mit Apps kannst du selbst entscheiden, was du sehen möchtest. Und wann du es sehen möchtest. Und wo."

Ach, möchte man da nur noch sagen.

Was ist los mit dem einstigen Pionier aus Cupertino? "Where is the Wow?", so überschrieben US-Techblogs ihre Meinung zum Mittwoch-Event und genau das ist das Problem. Wenn Apple zur Produktvorstellung lädt, wird etwas Besonderes erwartet. Und der Apfel-Konzern liefert nicht mehr. Okay, man könnte sagen, das sind doch alles ganz schöne Produkte. Nur: Die Sachen mit dem "i" sind teuer. Viel teurer wie die Konkurrenz.

Das funktionierte bisher ziemlich gut. Denn für den exorbitanten Preis bekamen die Kunden einen Mythos mitgeliefert- den Mythos von exzellenter Qualität und technischem Fortschritt. Und der neue Apple-TV ist ein gutes Beispiel dafür, wie dieser Mythos bröckelt. Um die Ursache dafür zu finden, muss man wieder einmal an den leider viel zu früh verstorbenen Steve Jobs erinnern.

Ja, was jetzt kommt, sind keine Fakten oder Beweise. Aber ich würde einmal einfach behaupten, dass Steve Jobs diese AppleTV-Box niemals der Öffentlichkeit präsentiert hätte. Nicht weil sie nicht funktioniert oder weil sie schlecht ist. Sondern weil ihr das einst entscheidende Merkmal eines Apple-Produktes fehlt: Innovation. Das Ding ist nichts Neues. Nur teuer. Warum? Ganz einfach. Apple kann nach Steve Jobs nicht mehr Apple sein.

Die Ursache ist nicht, dass Apple jetzt mit Tim Cook etwa einen unfähigen neuen Chef hätte. Das Gegenteil ist der Fall- Cook macht seine Sache sogar exzellent. So exzellent, dass es ihm gelingt, das eigentliche Problem zumindest etwas zu verdrängen. Mehr ist für ihn aber praktisch unmöglich. Denn Tim Cook ist nicht Steve Jobs und kann es auch niemals sein.

Jobs war nach seiner Rückkehr an die Spitze des Apfel-Konzerns so etwas wie Papst. Steve Jobs war Apple, was immer er tat oder sagte, war automatisch Firmenpolitik- nur weil er es tat oder sagte. Praktisch war der Iphone-Macher niemandem mehr zur Rechenschaft verpflichtet außer sich selbst. Und von sich selbst verlangte Steve Jobs nur eines: Qualität und Innovation.

Tim Cook aber ist nicht Papst. Er schuldet den Apple-Aktionären tatsächlich Rechenschaft, nicht nur theoretisch wie Jobs, und Aktionäre verlangen immer nur eines: Mehr Gewinn. Auch dann, wenn der Gewinn wie bei Apple längst alle einst denkbaren Dimensionen gesprengt hat.

Und das genau ist das Apple-Problem. Cook muss in Richtung "mehr Rendite" denken, um weiter Apple-Chef sein zu können, und genau das zerstört wie ein schleichendes Gift die Grundlagen dieses Konzerns. Es führt dazu, dass statt "One more Thing" dem Publikum ernsthaft neue bunte Armbänder präsentiert werden, für überteuerte Uhren, die keiner will. Ganz einfach, weil das schnell viel Rendite verspricht. "One more Thing Ramsch", sozusagen.

Viel schlimmer aber ist, dass so mehr und mehr auch strategische Fehler geradezu unvermeidbar werden. Wie zum Beispiel der Unsinn von den Apps als Zukunft des Fernsehens. Denn das ist nichts als ein Wunschtraum der Rendite-Controller in Cupertino. Das Geschäft war einst einfach zu schön mit den Apps für das Iphone- andere arbeiten und erfinden lassen und sich selbst auf das Kassieren von 30% Anteil konzentrieren. Und das dann auf dem Multibillionen-Markt TV. Da springt der Aktionär begeistert im Quadrat.

So wird es aber nicht kommen. Denn Apps sind vielleicht die Verpackung der Zukunft des Fernsehens. Die Zukunft aber selbst sind die Inhalte. Filme, Serien, Shows oder Sportveranstaltungen, die die Welt faszinieren. Und die bekommt Apple nicht für lau frei Haus geliefert, so wie einst die Apps fürs Iphone. Über ein geplantes Streaming-Angebot von US TV-Sendern fürs Apple-TV wird geredet. Und geredet. Und geredet...

Der Weg zu den Inhalten ist teuer und schwierig und ein Erfolg ist nicht garantiert. Dieser Weg ist zumindest kurzfristig nicht gut für die Rendite. Jeff Bezos ist bei Amazon noch Papst und kann diesen Weg gehen. Netflix kann ihn gehen, weil genau dies der Auftrag seiner Aktionäre ist. Mark Zuckerberg von Facebook ist dort auch Papst und wird irgenwie folgen. Sicher irgendwann auch die Jungs von Google- wenn sie mal wieder kurz Kontakt zur Erdoberfläche bekommen. Und ich würde die gestandenen Unterhaltungsprofis des alten Fernsehens nicht unterschätzen. Egal ob HBO, Showtime oder Sky- da fallen mir noch einige Kandidaten für die Zukunft des Fernsehens ein.

Kann Tim Cook mal einfach so wie einst Netflix dreistellige Millionen-Summen auf ein "House of Cards" setzen? Vor dem "Event" kam ja mal kurz Hoffnung auf- Apple soll "erwägen", in eigene TV-Inhalte zu investieren. Aber da sind ja noch die Erwartungen der Aktionäre. Die wollen keine Filme, die wollen das Geld.

Tin Cook wird also wohl keine zu Netflix oder Amazon Prime konkurrenzfähige Produktion aufbauen können. Und das bedeutet: Apple hat mit der Zukunft des Fernsehens nichts zu tun. Ja, sie können den "Game of Thrones"-Drachen zeigen. Im Kern aber muss Tim Cook weiter bunte Uhrenarmbänder verkaufen- und die nächste Preissteigerung beim Iphone, weil das Blech jetzt rosa schimmert.

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