Amazon erneuert den Fire TV - und blamiert damit Apple

Foto: Amazon
Für Jeff Bezos war es heute sicherlich ein Fest. Es hat zwar ein paar Tage länger gedauert- aber wie bereits erwartet, gibt es nun die Antwort von Amazon auf den neuen Apple-TV. Und die Antwort ist ein für Apple extrem peinlicher technischer k.o. schon in der ersten Runde.

Die Inszenierung bei Amazon ist dabei bewusst anders. Es gibt kein aufwendiges "Event"- eine Pressemitteilung und die Freischaltung des Angebotes bei Amazon reichen aus. Und die trockene Aufzählung der technischen und finanziellen Daten.

Geliefert wird ab 5. Oktober. Damit erreichen die ersten neuen "Fire TV" ihre Kunden wohl noch vor dem "Apple TV 4". Die Box kostet 99 Euro und 99 Cent. Ob sich Apple da tatsächlich noch traut, die erwarteten 149 oder gar 199 Euro zu verlangen? Der Rest ist Routine. Denn die Hürde für den technischen k.o. hatte Apple ja nicht wirklich sehr hoch gelegt.

Es fängt an mit der wohl krassesten Apple-Fehlleistung: UHD. UHD ist das Thema rund ums Fernsehen auf der gerade stattgefundenen IFA 2015 und selbst in jedem Media Markt kann der Fachberater dem Kunden dazu schon manches erzählen und vorzeigen. Und natürlich unterstützt der neue Fire TV 4K Ultra HD. Wie man bei Apple auf die Idee kam, von der "Zukunft des Fernsehens" zu schwätzen mit einem Würfel, der kein UHD kann, ist mir völlig unbegreiflich. Ein einigermaßen fachkundiges Publikum beim "Event" hätte spätestens da in lautes Gelächter ausbrechen müssen.

Gelächelt hat sicher auch Jeff Bezos wieder. "Das Team hat eine unglaubliche Fülle an Technologie und Innovation in ein winziges Gehäuse gepackt", so der Amazon-Chef. "Das neue Fire TV unterstützt 4K, hat mehr Prozessorleistung, bietet die größte Auswahl und exklusive Angebote - und das alles für weniger als 100 Euro. Der Fire TV Stick mit Sprachfernbedienung ist für unter 50 Euro zu haben. Das sind zwei wirklich leistungsstarke Produkte zu unglaublichen Preisen."

Die kleinen, aber feinen Gemeinheiten überlässt er seinen Presseleuten. Fire TV habe "eine Sprachsuche, die tatsächlich funktioniert", so liest man da und die neue Box biete "die achtfache Prozessorleistung und viermal so viel Arbeitsspeicher wie Chromecast".

Ganz wichtig: Das neue Fire TV unterstützt High Efficiency Video Coding (HEVC). Denn das ist nicht nur die Voraussetzung für das UHD-Streaming. HEVC kann auch dem "Rest" der User ohne UHD-TV große Vorteile bringen. Schließlich kodiert HEVC das Videos in etwa doppelt so effizient wie der bisherige Standard H264.

In den kommenden Monaten, so wird versprochen, werde es dank HEVC über Amazon Video mehr hochauflösende 1080p Streams geben als jemals zuvor. Für hochwertige Videostreams würde weniger Bandbreite benötigt und die Mehrheit der Fire TV-Nutzer könne so auf Filme und Serien von Amazon Video in 1080p zugreifen.

Auch Amazons technischer Video-Kundenservice Mayday kommt per Fire TV jetzt auf die Fernseher. Die Box hat W-Lan auf dem aktuellsten Stand und bei Bedarf einen erneuerten Game Controller, der sich jetzt auch über Sprache steuern lässt. Und, und, und...

Es gibt auch einen neuen Fire TV-Stick mit Sprachsteuerung für 49,99 Euro. Wer nicht mit seinem Fernseher reden will, kann weiterhin den bisherigen Stick für 39,99 Euro bekommen.

Aus Richtung Google gibt es Gerüchte über einen neuen Nexus Player. Apple dagen sollte sich aus Imagegründen vielleicht besser aus diesem Bereich zurückziehen.

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