Alles neu bei Watchever: "The Returned" oder "The Walking Dead"?


Die Welt ist nicht gerecht. Schon gar nicht im Entertainment-Bereich. Watchever kam vor nun schon mehr als zwei Jahren quasi als Streaming-Pionier mit gewaltigem Werbeaufwand neu auf den deutschen Markt. Mit "The Returned" hatten sie bereits eine der großen Blockbuster-Serien exklusiv im Angebot, also eine Serie, die im klassischen TV damals noch nicht zu sehen war.

Dann kam Amazon mit seinem Prime Instant Video. Dann kam Netflix. Nach und nach drängten die großen US-Streamingdienste mit ihren Programm-Budgets im Milliarden-Bereich die Vivendi-Tochter irgendwie an die Seite. Es wurde immer leiser um Watchever. Statt Nachrichten über neue Programm-Highlights hörte man Gerüchte über Verkaufsabsichten.

Irgendwann hat man wohl bei Watchever nachgedacht und sich gefragt: Was können wir tun? Amazons Streaming-Programm finanziert sich aus einer der weltgrößten Ladenkassen. Netflix kann auf die Einnahmen von mehr als 60 Millionen Kunden weltweit und dazu noch riesige Summen Venture-Kapital zurückgreifen. Da sind Ideen gefragt. Und es wurde eine gefunden.

Gefunden, ja, genau das ist das Thema. Denn ich zum Beispiel als aktiver Amazon-Nutzer habe mittlerweile fast schon Panik vor diesem schon oft gehörten Satz: "Stell doch mal was Schönes an!" "Was ist denn 'was Schönes?'" "Na- was Schönes!" Und dann geht die Suche los. Und da nutzt es gar nichts, dass Amazon, Google oder Apple die Suche immer weiterentwickeln und man jetzt sogar mit dem Ding reden kann. Erfolgreiches Suchen in einem riesigen Angebot erfordert eine zumindest halbwegs konkrete Vorstellung davon, was man finden will. Und genau das haben einem die klassischen Fernsehsender ja bisher mit ihren "Programm" einfach abgenommen. Und genau dies will auch Watchever nun wieder tun.

"Unter dem Motto 'Es gibt noch so viel zu entdecken'", so lesen wir da, "präsentiert Watchever einen vollständig überarbeiteten Service. Das neue Watchever macht Videostreaming ab sofort zu einem noch größeren Vergnügen, indem es vorerst 25 speziell zusammengestellte Kanäle mit vielen neuartigen und optimierten Funktionen vereint. Zugeschnitten von renommierten Partner-Studios (unter anderem CBS, BBC, Disney und ZDF Enterprises) sowie dem Expertenteam von Watchever, unterstützen sie den Zuschauer beim Entdecken des vielfältigen Angebots."

Das ist erst einmal gut gedacht. Der Fehler des traditionellen Fernsehens, das vorgegebene lineare Programm, wird damit wieder zum Feature erklärt. Die fortschrittliche Kanalstruktur bilde das Herzstück des neuen Watchever und biete dem Nutzer die Möglichkeit noch tiefer ins Programm einzusteigen. Dadurch rückten neben preisgekrönten Serien und Blockbustern auch wertvolle Perlen wie BBC-Dokumentationen, Arthaus-Klassiker, Bühnenprogramme bekannter Comedians und TV-Shows à la Jamie Oliver in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.

Also von Jamie Oliver fühle ich mich eher jetzt schon auf zu vielen Kanälen verfolgt. Aber sonst klingt das gut.

Zusätzlich würden personalisierte Vorschläge, basierend auf dem individuellen Nutzungsverhalten, die Auswahl relevanter Inhalte erleichtern und den Zuschauer ermuntern, weitere Highlights zu entdecken. Die neuartige Benutzeroberfläche sorge für eine flüssige und schnelle Navigation. Mit diesem Service entspräche das neue Watchever den individuellen Zuschauerbedürfnissen nach einem abwechslungsreichen und dennoch übersichtlichen Angebot. Eine Symbiose aus "Mensch und Maschine" garantiere eine noch bessere Trefferquote: Neben einem computergenerierten Algorithmus optimiere und steuere das interne Contentteam die personalisierten Empfehlungen.

Na dann. Computergenerierte Algorithmen sind doof. Der von Amazon zum Beispiel konstruiert aus der Programmauswahl von mir und meiner Frau eine nicht existente, imaginäre dritte Person und findet so zuverlässig alle Filme und Serien, die keinen von uns beiden interessieren. Ein "internes Contentteam" könnte da helfen.

Watchever-Geschäftsführer Karim Ayari glaubt jedenfalls an sein neues Produkt: "Unser Service hat vor mehr als zweieinhalb Jahren den deutschen Markt für Videostreaming neu definiert. Seitdem lernen wir täglich dazu - Zuschauer wollen neben bekannten Filmen, Serien und Konzerten auch neue, vielseitige Inhalte entdecken. Ich freue mich sehr, dass wir mit unseren neuen und bereits bestehenden Partnern diesen Weg im SVoD beschreiten können. Mit unserer einzigartigen und zukunftsweisenden Kanalstruktur bieten wir unseren Lizenzgebern neben der Wertschätzung ihrer Marke auch eine erhöhte Sichtbarkeit der Inhalte. Mit dem neuen Watchever stellen wir sicher, dass keinem Nutzer eine potentiell spannende Stunde entgeht."

Wenn die Welt gerecht ist, dann hat er damit Erfolg. Aber er hat sich eben einen Job im Entertainment-Bereich ausgesucht. "The Returned" ist weiterhin im Angebot von Watchever. Aber auch "The Walking Dead"....

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