YouTube Gaming ist da. Nur Deutschland ist das Tal der Ahnungslosen.

Screenshot: YouTube Gaming
Zu den Zeiten der DDR war das Elbtal rund um Dresden als "Tal der Ahnungslosen" bekannt. Dort waren weder das West-Fernsehen noch das UKW-Radio von dort so recht empfangbar. Die Bewohner des Tals waren also theoretisch auf die Propaganda der DDR-Sender beschränkt, wenn sie sich über das Weltgeschehen informieren wollten.

Das ist zum Glück ja nun vorbei. Ist es das? Vielleicht doch nicht. Denn noch immer gibt es in Deutschland Ämter und Behörden, die genehmigen und regulieren wollen, was wir zu sehen bekommen und was nicht. Medienanstalten, so heißen diese merkwürdigen Einrichtungen aus einer vergangenen Zeit, einer Zeit, als Fernsehen noch Fernsehen war und damit "Rundfunk".

Heute kommen die bewegten Bilder ja digital zu uns und immer mehr auch über das Internet. Da gibt es keine knappen "Frequenzen" mehr, deren "Verteilung" und Nutzung diese Medienanstalten einst überwachen sollten. In normal funktionierenden Ländern würde man jetzt solche überflüssigen Einrichtungen schließen und sich darüber freuen, dass viel Geld und fähige Mitarbeiter für sinnvolle neue Tätigkeiten frei werden. Nicht in Deutschland. Da erklärt man statt dessen die Live-Übertragung von Bildern im Internet kurzerhand zum "Web TV" und damit irgendwie zum Rundfunk. Und deshalb unter Umständen genehmigungspflichtig.

Toll. So werden Medienanstalten weiter gebraucht und alle sind glücklich. Über die Folgen in einer globalisierten und digitalen Medienwelt hat niemand nachgedacht. Denn es gibt noch immer Leute und Unternehmen, die Gesetze und Regeln ernst nehmen und dies völlig unabhängig davon, wie albern diese auch sind.

Twitch zum Beispiel nimmt es nicht ganz so genau. Die wollen nur spielen und wenn man live über Spiele berichtet, dann ist es doch bestimmt kein "Journalismus". Und damit nach den "Kriterien" der Medienanstalten auch kein "Web TV". Auch wenn es live ist. Oder? Nun ja, vor Gericht und auf hoher See, so heißt es, sei man in Gottes Hand. Und darauf will sich zum Beispiel YouTube anscheinend nicht einlassen.

YouTube wollte einst die riesige "Let's Play Video" Live-Plattform twitch.tv übernehmen und wurde dabei von Amazon ausgestochen. Aber Let's Play und eSports sind ein gigantischer Markt, auf dem Milliarden von Video-Abrufen für YouTube generiert werden und deshalb baute die Google-Plattform sich ein eigenes "twitch.tv". "YouTube Gaming" heißt das und ist seit heute online.

Man kann dort auch in Deutschland "Let's Play Videos" schauen. Ja, man kann sogar eigene Videos live ins Netz streamen. Nur wenn man als deutscher User Live-Videos anschauen will, dann sieht man statt dessen das hier:


Offenkundig verfährt YouTube auf seiner neuen Gaming-Plattform beim Live-Stream genau so wie bei allen anderen Live-Streams auch: Im Zweifel in Deutschland nicht zeigen. Wer es noch nicht weiß: Es gibt eine bunte Welt an Millionen Live-Streams da draußen, die wir deshalb hier in unserem neuen und nun gesamtdeutschen "Tal der Ahnungslosen" nicht sehen. Nicht selten ist der "Verlust" zu verschmerzen. Aber nicht selten ärgere ich mich auch sehr. Zum Beispiel bei großen Musik-Events, wo zu den Medienanstalten mit der GEMA noch ein weiteres sehr deutsches Problem dazukommt.

Tja. YouTube Gaming sieht toll aus. Könnte viel Spaß machen. Ohne Live-Funktion ist Let's Play aber in etwa so wie theoretischer Sex. Vielleicht überlegt es sich YouTube ja noch und lässt es einfach drauf ankommen, so wie Twitch. Vielleicht auch nicht. Bis dahin: Danke, liebe Medienpolitiker. Ihr führt uns zielsicher in eine glorreiche, glückliche und voll moderne Zukunft. So hört man es jedenfalls immer in den Tälern der Ahnungslosen von den dortigen Medien mit Genehmigung.

Man bräuchte jemanden, der die Sache klärt...

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