Server-Schwächen bei "Sling-TV": Keine Zombies für US-Cordcutter

Foto: Amazon
Leider geben Amazon, Netflix & Co ja keine konkreten Abrufzahlen für ihre Streaming Video on Demand-Services bekannt. Gerade Amazon hätte da gestern Abend sicherlich punkten können. Die exklusive Deutschland-Premiere des neuesten Zombie-Spektakels "Fear The Walking Dead" sorgte gewiss dafür, das die Server in den Cloud-Centern gut beschäftigt waren. Es hat funktioniert. Die Pilotfolge war sogar etwas eher als 20 Uhr verfügbar und alles lief rund. Gleich am Anfang ( Achtung, Spoiler! ) frisst eine junge Zombie-Dame ihrem Opfer ein Loch ins Gesicht. Ist eben alles Geschmackssache.

Auch anderswo lief es rund. Mit mehr als 10 Millionen Zuschauern stellten die Untoten einen neuen Allzeit-Rekord für Serien-Starts im US-Kabelfernsehen auf. Kein Wunder- kaum ein Serien-Start der letzten Jahre konnte auf ein solches Ausmaß an Vorberichterstattung beziehungsweise auf so viel mehr oder weniger schleichende Werbung aufbauen. Quasi eine Art Familien-Event, auf das viele mit Spannung und Vorfreude warteten.

Zum Beispiel auch bei Sling-TV, dem preiswerten Internet-TV-Angebot für die US-"Cordcutter" von Dish Networks:
Screenshot: Twitter
Nur kurze zeit später war es allerdings mit der Euphorie wieder vorbei:

Screenshot: Twitter
Denn viele Abonnenten von "Sling TV" schauten ähnlich ratlos wie die Darsteller der Serie im Foto oben auf schwarze Bildschirme, ruckelnde Standbilder und Bild- und Ton-Versatz. Sicher werden sie alle auf "das Internet" geschimpft haben mit seinen ewigen Problemen bei Download und Upload. Aber das Internet war wohl unschuldig. Die Server von Sling TV waren anscheinend schlicht und einfach nicht dazu in der Lage, den Andrang ordentlich abzuwickeln.

In Deutschland war die Premiere von "Fear The Walking Dead" sicher ein großer Erfolg für das neue Internetfernsehen on demand. In den USA dagegen war das gute alte Kabelfernsehen eindeutiger Sieger des Abends.

Es ist eine Sache, hin und wieder Freunde des Internetfernsehens mit einem schönen Film zu versorgen. Es ist technisch eine ganz andere Sache, wenn Streaming plötzlich zum Massenphänomen wird und dann auch noch Programm-Events zu festen Anfangszeiten startet.

Es gibt eigentlich keine Zweifel, dass das herkömmliche Fernsehen stirbt und vom Internet-TV on demand abgelöst werden wird. Denn es ist einfach eine neue und bessere Technologie. Nur ist es eine Technologie, die auch eine neue Infrastruktur erfordert. Eine Infrastruktur, die in der vorhandenen Realität der Server und Leitungen praktisch erst in Ansätzen vorhanden ist. Die in ihren notwendigen Dimensionen des Ausbaus vielleicht noch nicht einmal begriffen worden ist.

Denn nicht Amazon und auch nicht Netflix werden das klassische Fernsehen abschaffen. Abschaffen werden es die Techniker, die Cloudzentren bauen, Glasfasern verlegen und Verteilerknoten aufrüsten.

Zombies sind gar nicht so leicht umzubringen:

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