No Match für MatchStick - Firefox OS erobert die Fernseher wohl nicht

Screenshot: kickstarter.com
Der "beste Weg, um deine Filme, Musik und Games auf deinem HD-TV zu genießen" wird uns wohl, vielleicht für immer, nicht zur Verfügung stehen. Jedenfalls sollen die 17.218 potentiellen Unterstützer des Projektes "MatchStick" auf kickstarter.com ihr Geld zurück erhalten. Die auf dem Firefox-Betriebssystem basierende Alternative zu Googles Chromecast oder Amazons FireTV-Stick wird es erst einmal nicht geben.

Gut, ich gebe es zu: Ich gehöre zu denjenigen, die die Jungs mit der ungesunden Hautfarbe nie so recht verstanden haben, die praktisch alles "auf Linux aufsetzen" wollen- außer vielleicht den Unmengen von Kaffee, die sie trinken. Oder besser: Verstanden habe ich sie schon, nur hielt ich sie stets für eine der vielfältigen Formen, in denen der gute alte Don Quijote de la Mancha noch heute unter uns weilt. Denn so haben wir es vom Dalai Lama gelernt: Wir alle werden wiedergeboren, in irgendeiner Form. So wie eben der Dalai Lama. Nur beim Don Quijote habe ich den Verdacht, dass jedes Mal, wenn er stirbt, irgendwo Zwillinge zur Welt kommen.

Die Macher des MatchStick begründen das erst einmal vorläufige Aus mit Schwierigkeiten, die digitale Rechteverwaltung (DRM) für den Stick in den Griff zu bekommen. Ja, das ist schwierig. Elektronikkonzerne, Hollywood und die Internetriesen werkeln fröhlich vor sich hin und nachher passt wie immer nichts mit gar nichts zusammen.

Aber das ist vielleicht auch nicht die ganze Wahrheit. Vielleicht ist die Zeit der "Open Source" ja einfach vorbei. Denn Linux, Firefox & Co. basieren auf dem Ideal des freien und unabhängigen Users. Und dann kam die Cloud.

Die "Cloud" ist mehr als ein Buzzword. Sie bringt uns mehr als nur Datenzentren. Die Cloud bringt auch das Ende des freien und unabhängigen Users. Denn die Cloud verlagert die künstliche Intelligenz, die einst mit PC's und Servern in die Hände der kundigen User gelangte, zurück in die Konzernzentralen. Egal ob PC, Laptop, Smartphone oder Smart-TV: Die Geräte werden immer noch schneller und schlauer, ja. Aber die entscheidenden Prozessoren sitzen immer öfter in den Datenzentren der Cloud. Was wir in die Hand bekommen, sind schnellere und schlauere Ausgabeterminals anstatt der früheren selbständigen Rechenknechte.

Die Spracherkennung ist dafür ein schönes Beispiel. Mein Tablet versteht mich und antwortet auch. Aber nicht selbst. Per Internet saust mein Gestammel in das Datencenter in der Cloud und wenn die Prozessoren dort einen Sinn darin zu erkennen glauben, dann schicken sie eine Antwort über das Netz zurück. Versteht sie mich nicht, kann ich zur Lösung kein "Problem mit der Software fixen". Ich selbst muss mich den Regeln des Cloud-Konzerns unterwerfen und hochdeutscher sprechen. Ich bin kein unabhängiger User mehr. Okay, ich kann eine Beschwerdemail an Google schicken. Dann wäre ich der wiedergeborene Don Quijote. Oder ich kann mich anpassen.

Und die Entwicklung macht wirklich unabhängige Lösungen immer weniger realistisch. Samsung oder LG werden für ihre Fernseher vielleicht eine eigene Cloud bauen. Android-TV oder Apple-TV haben da kein Problem. Und Amazons Fire-TV schon gar nicht. Aber für Firefox sehe ich kaum eine Zukunft im "NewTV", es sei denn ein Großer nimmt sich der Sache an. Und zwar ein größerer als Panasonic. Aber dann ist es nicht mehr "unabhängig".

Ich hab mir gerade Windows 10 installiert. Es soll das "letzte" Windows sein. Das bedeutet aber nicht, dass die "Linux-Aufsetzer" jetzt gewonnen haben. Mein Laptop wird nur langsam aber sicher zum "dummen" Ausgabeterminal der Microsoft-Cloud. Und die sorgt in Zukunft im Hintergrund dafür, dass immer die aktuelle Betriebssoftware auf dem Terminal ist. So wie bei Android und iOS. Naja, theoretisch. Bis die Geräte irgendwann halt nur noch Elektronikschrott sind.

Aber das ist die Zukunft. Auch für Fernseher. Wir kaufen einen "SmartTV" mit irgendeinem Betriebssystem. Das wird aus der Cloud gepflegt und gewartet. Wir entscheiden nur noch, was wir kaufen und was nicht. Und auch da gibt es schon Zweifel.

Sticks für den HDMI-Eingang wie Chromecast sind nur eine Übergangstechnologie. Sie werden verschwinden. Und der "MatchStick" wird vielleicht gar nicht erst kommen.

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