Mediakraft versucht den Neustart - auch als Produzent

Mediakraft-Chef Spartacus Olsson Foto: Mediakraft
Nach dem Abgang von "Clixoom" Christoph Krachten ist Spartacus Olsson nun alleiniger Mediakraft-Chef und muss deshalb wohl auch in die Öffentlichkeitsarbeit. Jedenfalls hat er gerade der "W&V", dem Branchenblatt der Werbefuzzis, ein Interview gegeben, mit dem er für einige Aufmerksamkeit sorgte.

Das zehn Jahre junge Phänomen Online-Video sei, so Olsson, in einem gravierenden Wandel. "Die erste Generation, die TV in Richtung Internet verlassen hat, ist jetzt erwachsen geworden, weshalb die Nachfrage nach Online-Video von Menschen über 21 steigt. Es ist schwieriger, dieses ältere Publikum zufrieden zu stellen." Klingt erst einmal wie ein Automanager, dessen neuestes Modell beim Kunden durchgefallen ist. Das mit den anspruchsvoller gewordenen Käufern hab ich jedenfalls schon häufiger gehört.

Aber im Prinzip hat er Recht. Es gibt wohl ein bestimmtes Alter für "Die Aussenseiter" oder LeFloid und irgendwann wächst man da raus. Und es gibt ja auch immer mehr Angebote, die bei YouTube auf die warten, denen die "YouTube-Stars" für ihre Unterhatungs-, Nachrichten- oder einfach Community-Interessen nicht mehr ausreichen.

Was der Mediakraft-Chef dabei ein wenig ausblendet, ist die Tatsache, dass natürlich "von unten" auch ständig neue Fans für die klassischen Schulhof-YouTuber nachwachsen. Nur dass dabei vielleicht wieder andere die YouTube-"Stars" sein werden, und wenn es ganz schlimm kommt, dann sind die nicht bei Mediakraft.

Mediakraft wurde groß in Deutschland und dann darüber hinaus, weil sie zuerst damit begannen, große YouTube-Kanäle über ein "Netzwerk" noch größer zu machen und die so entstehenden gewaltigen Zuschauerzahlen direkt und passgenauer an die Werbekunden zu vermarkten. Mittlerweile aber gibt es die "Multichannel"-Netzwerke wie Sand am Meer und hinter manch neuer "Größe" im Geschäft stehen die alten TV-Konzerne. Und bringen zwar nicht unbedingt YouTube-Kompetenz mit, aber dafür das KnowHow, wie man "richtiges" Fernsehen macht. Also mit mehr als einer Kamera, mit "Licht an" und gutem Ton und sie haben Studios, in denen professionell produziert werden kann. Und könnten damit auch YouTuber anlocken.

Das "alte" Mediakraft-Geschäftsmodell, so Spartacus Olsson, verlagere das Risiko einseitig auf den "Künstler". Diese könnten die steigenden Erwartungen der Zuschauer, welche immer höhere Qualität beim Content erwarteten, künftig nicht mehr allein schultern. Das Risiko des Produktionsaufwands sollten daher die Unternehmen tragen, die es "besser ausbalancieren" könnten. Also zum Beispiel Mediakraft.

Die Branche wäre aber nicht die Branche, gäbe es irgend etwas umsonst. Olsson kündigte an, Mediakraft werde verstärkt in Produktionen investieren, mit Management, Geld, Produktionsräumen, Studios, Redaktion und "kreativer Unterstützung". Aber nicht für YouTuber, die nur Zweijahresverträge mit Mediakraft haben und dann vielleicht mit all ihren Videos und lautem Knall aus dem schönen Multichannel-Haus verschwinden. Wenn Mediakraft mitproduziert, will Mediakraft auch dauerhaft an den so entstandenen Werken mitverdienen. In der Musikindustrie sei es ja auch so, dass Rechte an entstandenen Alben beim Label blieben, wenn der Künstler wechselt.

Irgendwie stimmt das alles. Und irgendwie auch nicht. Mediakraft geht so auf jeden Fall in die direkte Konkurrenz zu den großen privaten Fernsehkonzernen- sie produzieren das neue Fernsehen für das Netz dann genau so wie RTL oder ProSiebenSat1 auch. Nur dass diese dabei auf eine gigantische vorhandene Infrastruktur und über Jahrzehnte gewachsenes KnowHow und Produzenten-Netzwerke zurückgreifen können. Wenn der Mittelständler Mediakraft das Gleiche macht wie die "Großen", dann kann ich mir dessen dauerhaften Erfolg im gnadenlosen Konkurrenzkampf um Talente und Werbekohle kaum vorstellen.

Wir werden sehen. Nach den Vorgängen des letzten Jahres ist es vielleicht mittlerweile ohnehin egal, was Mediakraft macht. Mit Vorwürfen aus der "Community" müssen sie so oder so in jedem Fall rechnen:

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