Für den Schredder: Der WDR hat eine "Programm-Offensive"

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Tom Dickson kriegt alles klein. Egal ob Iphone, Chromebook oder "Germany"- der "Blendtec"-Gründer stellt in seiner Werbung die legendäre Frage "Will it Blend?" und ja, es will. Sein Super-Schredder für die Küche fürchtet sich vor nichts. Er funktioniert.

Der WDR geht jetzt in die "Programmoffensive". Ab 24. August sollen die Zuschauer "Ungewöhnliches und Unerwartetes" zu sehen bekommen. Was soll man dazu noch sagen. Vielleicht ist es ja auch ein Grund für die Akzeptanzprobleme des "Rundfunkbeitrags", dass man offenkundig vergessen hat, dass das eigentlich das Tagesgeschäft eines Fernsehsenders ist.

Aber egal: Ab 24. August wird beim WDR alles besser. Es tut sich was. "Experimente, innovative Formate, internationale Serien und neue Ideen" erwarten den Zuschauer im Westen der Republik. Und das war ja auch wirklich notwendig. Eine Studie der "Otto-Brenner-Stiftung" äußerte gerade Zweifel daran, ob die ARD-Sender WDR und MDR ihren "Programmauftrag" eigentlich überhaupt noch erfüllen. Das tat weh. Die "Otto-Brenner-Stiftung" ist eine Einrichtung der IG Metall. Während sonst eher aus der "neoliberalen" Ecke auf die öffentlich-rechtlichen geschossen wird, entwickelt sich das Ganze nun anscheinend langsam zum Kreuzfeuer.

Eine Offensive wird also gebraucht. Und während in Leipzig beim MDR fröhlich weiter die im Westen zu Recht vergessenen Schlagersternchen durch die Rosengärten trällern, als wäre nichts geschehen, wird in Köln geliefert. Ganz bestimmt.

"Ich habe immer gesagt: Experimentiert, macht was euch einfällt!" Sagt jedenfalls WDR-Intendant Tom Buhrow. "Jetzt ist es soweit, und wir senden zwei Wochen lang ein Feuerwerk! Für mich ist unsere Programmoffensive im WDR Fernsehen nicht nur eine tolle Erfahrung in Hinblick auf die Kreativität, die in unserem Sender steckt. Sie entspricht auch meinem strategischen Ziel, jüngere Zielgruppen zu erobern. Wir investieren in die Zukunft."

Jawoll. Schon seit Anfang des Jahres gibt es den irre jugendlichen YouTube-Kanal "#3sechzich" vom WDR. Der hat nach 8 Monaten harter Arbeit ganz viele irre jugendliche YouTube-Videos. Und 334.000 Video-Aufrufe. Insgesamt, also für alle Videos. Also in etwa so viel wie eine durchschnittliche "LeFloid"-Ansprache aus seinem Kinderzimmer in den ersten zwölf Stunden erreicht. Der ewige Querulant Stefan Niggemeier hat gleich am Anfang geschrieben, wieso. Ja, der Jugendkanal von ARD und ZDF wird vielleicht doch der von Helmut Thoma prognostizierte Erfolg.

Denn wie Tom Buhrow es richtig gesagt hat, entscheidend ist die Kreativität, die im Sender steckt. Und in seinen Mitarbeitern. Im WDR arbeitet da zum Beispiel Jörg Schönenborn. Der Mann, vor dem selbst Netflix sich fürchtet. Und er wird liefern, versprochen: "Innovation ist eines unserer wichtigsten strategischen Ziele. Das Jubiläum 50 Jahre WDR Fernsehen bietet den perfekten Anlass für unsere Programmoffensive. Ich habe meine Programmbereiche gebeten: Schickt die besten Köpfe. Daraus und durch die Kreativität aller Redaktionen sind über 20 neue Sendungen entstanden. Wir zeigen, dass dieser WDR ein Powerhaus ist."

Hurra! Sogar Anke Engelke ist als lustige "Ansagerin 2.0" bei der "Programmoffensive" dabei. Hehe- "2.0". Das klingt so offensiv inter-nett. Und nach der guten alten Zeit, als es die "T-Aktie" gab und Anke Engelke auf Sat.1 die "Ladykracher" landete. Okay, die wirklichen Profis, die heiße Luft in Form von Powerpoint verkaufen, sind mittlerweile mindestens schon bei 4.0. Aber egal.

Denn es gibt noch mehr Innovationen: Neue Serien wie "Meuchelbeck" erwarten die Zuschauer. Die Serie soll ein wenig an "Mord mit Aussicht" erinnern, natürlich in "stilistisch eigener Handschrift". Dazu Comedy-Formate wie "Die Mockridges" und Geschichten aus dem wahren Leben in "Die runde Ecke".

Sogar Regelsendungen des WDR-Fernsehens ändern das Programm. Ja !! Wirklich !! Regel  !! Sendungen !! ändern !! das !! Programm !! Einfach irre. So gibt es u.a. "Quarks & Du", "markt" sendet "Die Politiker-WG" und "frauTV" wird zu "mannTV". Und nicht zuletzt die "Kurvenklänge", in denen das WDR-Funkhausorchester in den Fankurven der NRW-Bundesligavereine die Fans beim Singen ihrer Hymnen begleitet hat.

Ach ja. Hymnen singen. Das erwarten die öffentlich-rechtlich Verantwortlichen bestimmt wieder vom Publikum nach dieser tollen neuen Nachricht. Und werden schmollen und beleidigt sein, wenn sie ausbleiben. Und immer wieder irgendwelche Querulanten kommen, die behaupten, diese tollen Innovationen seien den Rundfunkbeitrag nicht wert. Ein Doku-Projekt mit dem schönen und passenden Namen #Weltuntergang wird übrigens auch kommen.

Dabei wäre es doch so einfach. Statt "Innovationsteams" einfach mal das Publikum fragen. "Will it Blend?" Nein, wird es nicht. Und es ist nicht die Schuld von Anke Engelke.

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