Der Fußball-Bundesliga droht ein Wembley-Tor


Irgendwas machen diese Engländer besser. Oder wie heißt es eigentlich politisch korrekt und richtig- diese Groß-Briten? Egal. Jedenfalls sind es nicht nur die Serien oder die BBC. Letztere ist sogar gerade in ziemlichen Schwierigkeiten. Der großbritannische "Rundfunkstaatsvertrag", wenn man das mal so nennen darf, läuft demnächst aus. Er ist immer nur zeitlich begrenzt und die Fernsehmacher müssen die Politik jedesmal wieder wirklich neu und von vorn überzeugen, dass das, was sie machen, die Rundfunkgebühren wert ist- und in welcher Höhe. Unglaublich, nicht? Aber nicht das Thema.

Fußball ist das Thema und Fußball ist immer ein Thema im Land des Weltmeisters.
Jawoll! Nicht immer sind die besser! England war gerade einmal Fußball-Weltmeister- und da war das mit dem Wembley-Tor. Dagegen war die argentinische Hand Gottes ja fast noch Fair Play. Also Fußball, liebe Briten, Fußball können wir besser. Können wir?

Die Premier League hat gerade ihre TV-Rechte verkauft. Bis zum Jahr 2022. Genaues wird nicht gesagt, man schätzt für etwa eine Milliarde. Das klingt erst einmal nicht so aufregend. Die erste und zweite Bundesliga kassieren für ihre TV-Rechte immerhin 600 Millionen Euro. Pro Saison! Da sieht man doch, was die Liga des Weltmeisters wert ist. Oder?

Naja, bei der einen Milliarde für die Premier-League handelt es sich um US-Dollar. Dafür gehen die TV- und Internetrechte an den US-Fernsehsender NBC. Die US-Rechte. Also die Rechte für das Land, in dem die TV-Zuschauer Super-Bowl schauen, Eishockey, Basketball oder völlig unverständliches wie Baseball. Für die heimischen TV-Rechte bekommt die Premier League seit neuestem zwei Milliarden. Euro. Pro Jahr. Dazu kommt dann noch jede Menge exotisches Kleingeld bis hin zu den Groschen von PayTV-Zuschauern in Thailand. Da sammelt sich was an. Damit kann man investieren.

Die Fußball-Bundesliga hofft, demnächst vielleicht eine Milliarde pro Saison zu erreichen. Aus Rundfunkgebühren kann diese Summe kaum kommen. Ein "öffentlich-rechtlicher Auftrag" zur Finanzierung von Profisport wird in dieser Höhe kaum zu konstruieren sein. Also wird die ARD-Sportschau wohl weniger Fußball-Bundesliga zeigen können, damit Sky die Kohle rausrückt. Sky ist übrigens jetzt britisch. Aua. Unsere Nationalhelden werden wohl in Zukunft ihr Gehalt von der Insel der Wembley-Torschützen bekommen, damit sie hier Bundesliga-Tore schießen.

Und das ist noch nicht alles. Wie gesagt, mit viel Geld kann man viel investieren. Auch in Fußballer-Beine. Und wer in der Bundesliga ganz viele Tore schießt, tritt dann vielleicht in der nächsten Saison in der Champions-League für Vereine an, die viel investieren können. Zum Beispiel Vereine der Premier League.

Noch können Bayern, Borussia & Co. Manchester oder Liverpool schlagen. Wenigstens hin und wieder. Das könnte bald vorbei sein. Die Grundlage für die Teilnahme an der Endrunde der Champions League wird bald nicht mehr auf dem Trainingsplatz entstehen. Sondern in einer global agierenden Medienwirtschaft, die in der Lage ist, die Kosten für eine konkurrenzfähige Mannschaft zu erwirtschaften.

Da sind die Briten weit vorn. Wir nicht. Und die Engländer werden dann vielleicht irgendwann kein Wembley-Tor mehr brauchen, um uns zu schlagen. Selbst bei den Internet-Archiven sind sie besser. Und wiederholen das Tor nicht in Zeitlupe...

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