Dé­jà-vu bei Homeland - ist die heile Fernsehwelt bipolar gestört ?


Carrie Mathison ist CIA-Analystin und sie hat eine "bipolare Störung". Politisch Unkorrekte würden formulieren: Sie hat einen an der Klatsche. Oder sie ist nicht ganz dicht. Da man in diesem Sommer ähnlich wie in Las Vegas oder Dubai auch in Deutschland aus klimatischen Gründen lieber im Haus bleibt, schaue ich mir gerade noch einmal "Homeland" etwas genauer an. Ob man in jedem Fall bipolar gestört sein muss, um bei der CIA beruflich erfolgreich zu sein, das wird bei "Homeland" nicht exakt kommuniziert. Die Serie lässt eine solche Schlussfolgerung aber durchaus zu.

Die bipolare affektive Störung, so lehrt uns Wikipedia, "ist durch einen episodischen Verlauf mit depressiven, manischen, hypomanischen oder gemischten Episoden gekennzeichnet". Die "manische Episode" zeige "gesteigerten Antrieb und Rastlosigkeit" mit oft besonders euphorischer oder gereizter Stimmungslage. Dabei sei die Fähigkeit zur Prüfung der Realität mitunter stark eingeschränkt und die Betroffenen könnten sich in große Schwierigkeiten bringen.

Ja, so geht es Carrie bei der CIA. Aber beschreibt Wikipedia hier nicht eigentlich die Welt des Fernsehens unserer Zeit? So sind die großen US-Fernsehsender gerade in einer ziemlich depressiven Phase. Also gedrückte Stimmung, verminderter Antrieb und im schlimmsten Fall Selbstmordgedanken. 566.000 zahlende Abonnenten hat das US-PayTV im zweiten Quartal verloren. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es nur 321.000 gewesen. Dazu muss man wissen, dass es in den USA fast ausschließlich Pay-TV gibt. Und natürlich, dass die Sache mit Netflix, Internet & Co. dort ein paar Jahre früher begonnen hat als bei uns.

Die Börsianer, stets lieber in der manischen Phase ihrer eigenen bipolaren Störung als in der Depression, schicken die einst heiß begehrten Medien-Aktien talwärts. Es sei denn, sie kommen von Firmen wie Netflix oder Google/YouTube. Sogar vom "Netflix-Schock" für die Wallstreet ist die Rede.

Irgendwie glaube ich, das alles schon einmal erlebt zu haben. Eine Art "dé­jà-vu"-Erlebnis. Bei Homeland. Oder auch: Vor ziemlich genau 15 Jahren erklärte mir ein hochrangiger Manager eines großen deutschen Zeitungsverlages im Gespräch unter vier Augen, das Internet sei überbewertet. Stellen- oder Immobilienanzeigen werde es immer geben und darum müsse man sich nicht kümmern. Wenige Jahre später erzählte mir ein Bekannter von jährlich verschwindenden Umsätzen in Millionenhöhe in seiner großen Verlagsvertretung und dass er sich nach neuen Geschäftsfeldern umschaue.

Heute ist die einst blühende Firma mit Lizenz zum Geld drucken so gut wie weg. Es hat weniger als 15 Jahre gedauert. Fachleute, die sich um "digitalen Wandel" kümmern, erzählen gerade dieser ginge jetzt schneller.

Aber was soll das alles. "Homeland" oder "Hannibal" wollten die Deutschen ja zum Glück gar nicht schauen. "Bipolare Störungen" sind eh typisch amerikanisch und Geschichten wie die da sind gewiss kein Beweis für eine "stark eingeschränkte Fähigkeit zur Prüfung der Realität". Symptome wie "verstärkter Antrieb und Rastlosigkeit" sind nirgends zu sehen.

Schluss mit dem Unsinn. Carrie kommt in Staffel 5 nach Berlin.

Kommentare