Besoffen bei Facebook - rettet Jan Böhmermann die Öffis?

Jan Böhmermann © ZDF / Ben Knabe
Irgendwie ist er nicht nach meinem Geschmack. Ständig denke ich, das ist doch nur eine neue Ausgabe von Kurt Krömer- nur noch dünner, noch mehr auf Speed und er berlinert nicht. Aber er sitzt da, bezahlt von Rundfunkbeiträgen, und er lächelt still vor sich hin. Obwohl ihn vielleicht eher gut organisierte Social Media-Freundeskreise dahin gebracht haben als die sonst so allmächtigen Gremien. Insofern ist Jan Böhmermann ein bemerkenswertes öffentlich-rechtliches Phänomen.

Das erste Mal hab ich wohl von ihm im Zusammenhang mit dem Namen Lukas Podolski gehört. Damals war Böhmermann noch beim WDR-Hörfunk und seine Tätigkeit brachte dem Sender eine Klage des Fußball-Nationalspielers und der ARD einen Interview-Boykott ausgerechnet während der Fußball-WM ein. Das ist fast zehn Jahre her und wenn man sich anschaut, was der WDR heutzutage als "Innovation" verkaufen will, dann sieht man einen öffentlich-rechtlichen Entwicklungstrend. Und zwar zurück in ein vergangenes Jahrhundert, in dem die Welt noch in Ordnung war. In die gute alte Zeit, wo Heinz Schenk große Krüge mit "Äppelwoi" und Robert Lembke Sparschweine mit 5 Mark-Stücken füllte.

Podolskis Klage scheiterte und Böhmermann blieb, irgendwie. Und kam sogar ins Fernsehen. Und blieb einer, der immer mal wieder unsichtbare Grenzen überschreitet. Grenzen, die alle Fernsehmacher, insbesondere öffentlich-rechtliche, möglichst meiden wenn sie bleiben wollen. Zuletzt war die Sache mit dem Stinkefinger von Yanis Varoufakis, den er persönlich gefälscht haben wollte. Wiederum lächelnd nahm Böhmermann den daraufhin tosenden Medien-Shitstorm zur Kenntnis um dann zu erklären, dies wäre Satire. Nicht die Fälschung, sondern die Fälschung der Fälschung. Und blamierte so alle auf einmal- all die, die einen Stinkefinger zum Medienthema aufblasen, egal ob echt oder gefälscht.

Seit gestern ist Jan Böhmermann nun mit seinem "NEO MAGAZIN ROYALE" aus der Sommerpause zurück im Mini-Sender ZDFneo und heute am späten Abend sogar als Wiederholung im großen ZDF. Und ab dem nächsten Jahr bekommt er dazu noch eine Art Talk-Show zusammen mit Olli Schulz. Natürlich erst einmal auf ZDFneo, damit es möglichst wenige merken, falls etwas passiert.

So denken jedenfalls Gremien. Und ja, definitiv, Jan Böhmermann ist oft kein wirklicher Quoten-Erfolg. Und bestimmt nicht der Typ, den Gremien mögen. Ja, aus Sicht eines "Rundfunkrates" könnte er vielleicht schon fast so etwas wie ein Anarchist sein. Warum also geht es immer irgendwie weiter?

Ich kann mir das nur mit einer Art Angst vor dem Untergang erklären. Irgendwie muss in den Gremien doch angekommen sein, dass sich etwas ändert. Wenigstens bei einigen. Und die Bildschirm-Existenz von Jan Böhmermann ist dafür so etwas wie ein Anzeichen. Denn er generiert, wie schon gesagt, nur wenig Quote. Dafür aber die sonst meist völlig fehlende "junge" Quote. Und vor allem generiert er Aufmerksamkeit. Und Aufmerksamkeit, das ist die neue Währung im neuen Spiel des "Social Media".

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