Amazon, Netflix, Watchever- die Streaming-TV Highlights im August.

Foto: Amazon © 2014 Muse USA
Immerhin spielt Ben Kingsley als "Großwesir" mit. "Tut" ist eine neue sechsteilige Serie über das kurze Leben des ägyptischen Pharaos Tutanchamun. Muse Entertainment Enterprises hat sie für den nicht eben großen US-Kabelsender Spike produziert. Die Kritiken waren eher mittelmäßig. Für ein wirklich gewaltiges Sandalen-Spektakel digitaler Bilder mit Heerscharen von Statisten und damit auf Augenhöhe mit zum Beispiel "Game of Thrones" war das Budget wohl auch nicht groß genug.

"Tut" läuft im August als "Deutschland-Premiere" bei Amazon Prime. Und "Premiere", "Exklusiv" oder "Original"- das werden wir in Zukunft immer öfter hören. Denn da wird der Wettbewerb um das neue Fernsehen entschieden. Netflix hat einst mit "House of Cards" das große Rennen eröffnet. Und Amazon springt voll auf den gleichen Zug auf.

Sogar "Fear the Walking Dead" soll in Deutschland für Amazon Prime exklusiv ins Streaming-Rennen gehen, so wollen einige erfahren haben. Das wäre ein ziemlicher Coup. Warten wir es ab. Im August gibt es bei Amazon aber auf jeden Fall noch die laut Meinung der "Golden Globe"-Verleiher "beste Fernsehserie des Jahres", "The Affair". Und auch die gibt es erst einmal nur bei Amazon.

Genauso wie den BBC-Hit "Jonathan Strange & Mr Norrell" nach dem Beststeller von Susann Clarke. "Dank eines exklusiven Streaming-Abkommens mit der Tele München Gruppe" erleben die Amazon-Kunden dort das Duell zweier Magier im England des Jahres 1806. "Strange ist jung, attraktiv und wagemutig - das absolute Gegenteil von Norrell. Ihre Besessenheit und das Spiel mit dunklen Künsten ziehen Konsequenzen nach sich, die sie sich überhaupt nicht vorstellen können."

Aha. An was erinnert mich das jetzt? Egal. Amazon hatte zwar gestern entgegen vieler Erwartungen keine neuen "Freitag Abend Filme" zu bieten. Vielleicht müssen sie ja erst einmal ihr System umstellen. Wenn man die "Freitag Abend Filme" 30 Tage lang anschauen kann, dann ist das 99 Cent - Angebot möglicherweise mehr ein Schuss ins eigene (Kassen-)Knie als cleveres Marketing.

Dafür haben sie jetzt Jeremy Clarkson, Richard Hammond und James May unter Vertrag. Auch exklusiv. Welche Konsequenzen die dunklen Künste insbesondere von Jeremy Clarkson nach sich ziehen, bleibt abzuwarten. Die drei sind auf jeden Fall die einstigen Macher und Stars von "Top Gear", dem globalen Kult-Automagazin von BBC Two. Weil Clarkson mit einem Produzenten handgreiflich diskutierte und auch sonst schon regelmäßig durch politisch hochgradig unkorrekte Sprüche aufgefallen war, glaubte die öffentlich-rechtliche BBC die Zusammenarbeit nicht fortsetzen zu können. Jetzt hat Amazon die Macher, die weltweit 350 Millionen Zuschauer erreichten und die Sprüche von Clarkson. Und die Prime-User haben 2016 ein Automagazin.

Zurück zum August- da bietet Amazon auch noch ein paar Spielfilme. Da gibt es die "Hüter der Erinnerung - The Giver", unter anderem mit Jeff Bridges, sowie "Oldboy" von Spike Lee und mit "Battle of the Year" auch einen Tanzfilm. Und noch mehr Frauen-affines verspricht "The company you keep - Die Akte Grant". Warum? Ganz einfach: Der ist von und mit Robert Redford. Und die Frau, die er jagt, das ist Lara. Ja, wirklich. Die große Liebe von Dr. Schiwago, vor nun genau 50 Jahren.

Auch Netflix setzt im August voll auf die "Originals". So erreicht die dritte Staffel "House of Cards" mit der üblichen Sky-Verzögerung jetzt auch die deutschen Abonnenten. Die Fans werden sich freuen- aber mit noch größerer Spannung wird wohl die Premiere der "Narcos" erwartet. Wenn man der Vorberichterstattung und den Trailern glauben darf, dann könnte der hoch aufgelöste kolumbianische Drogenkrieg in 4K-UHD zum nächsten großen Netflix-Zugpferd werden. Mit "Club de Cuervos" gibt es noch mehr lateinamerikanisches Lokalkolorit original von Netflix und auch eine zweite Staffel "From Dusk Till Dawn" geht an den Start.

"Thor- The Dark Kingdom" läuft bei Netflix als "Urlaubsblockbuster", wie auch "Fire with Fire - Rache folgt eigenen Regeln". Bruce Willis hat da ein wenig mitgefiret. Dazu etwas "Poltergeist"-Horror in "Conjuring - Die Heimsuchung" und als weitere Heimsuchung der gut abgehangene "Drillbit Taylor - Ein Mann für alle Unfälle" mit Owen Wilson. Und sogar etwas Deutsches mit "Großstadtklein". Da hat Til Schweiger mitproduziert und mit Klaas Heufer-Umlauf spielt eine Hälfte von "Joko und Klaas" mit.

Bemerkenswert ist auch das August-Angebot von Netflix an Dokumentationen. Wer "The Internet’s Own Boy: The Story of Aaron Swartz" bei ZDFinfo nicht bemerkt hat, wird nun per Streaming fündig. "God Loves Uganda" ist interessant wie auch "Kids for Cash". Und "Point and Shoot". Die Dokus sind zwar keine Netflix-Originale. Aber wenn sie sonst nirgendwo laufen, dann ja irgendwie doch.

Und Watchever? Naja. Originale gibt es da nicht. Aber "Hannibal" isst dort jetzt auch. Und sie haben "The Returned"- wieder. Und "Lilyhammer". Ob das ausreicht? Glaube ich langfristig nicht.

Kommentare

Aktuell meist gelesen: