YouTube- mehr als Kartoffelsalat für Aktionäre

Screenshot: google.de
Ein schöner Hupfer ist das. Besonders schön, wenn man Google-Aktien besitzt. Lockere 18% Wertzuwachs in nur fünf Tagen. Das schafft das gute, alte Sparbuch wohl vielleicht auch dann nicht mehr, wenn man so lange wartet, bis es wieder zu Zellstoff zerfällt. Okay, Google hatte insgesamt wirklich gute Quartalszahlen vorgelegt. Sie haben eine neue Finanzchefin, die versprochen hat, etwas mehr darauf zu achten, wofür das Geld denn so wieder ausgegeben wird. Und sie kommt von Morgan Stanley. Das mögen die "Analysten". Und natürlich, das Brot und Butter-Geschäft mit Adwords oder Adsense läuft und läuft und läuft.

Aber das alles erklärt noch nicht, warum Google praktisch über Nacht an der Börse lockere 60 Milliarden Dollar mehr wert ist. Also praktisch etwa so viel mehr, wie BMW insgesamt kosten würde. "Analysten" würden sagen "die Fantasie ist zurück". Also die Hoffnung darauf, was denn da in Zukunft noch kommen könnte. Und der Grund dafür ist vor allem YouTube.

Dabei klangen die Nachrichten gar nicht so gut in der letzten Zeit für die weltgrößte Videoplattform. Zu gering seien die Werbeeinnahmen, so hört man die neuen globalen Video-Stars immer wieder maulen und man suche nach Alternativen. Und dann steht da ja natürlich noch mit Facebook ein neuer Elefant im Raum, der gerne und mit aller Kraft die neue weltgrößte Videoplattform werden möchte.

Vielleicht deshalb verriet Ruth Porat, so heißt die Neue in Googles Chefetage, in einer Telefonkonferenz auch einige Details zu YouTube. Obwohl die YouTube-Zahlen bei Google sonst eher weggeschlossen werden. Wie gesagt, sie kennt sich aus mit "Analysten". Und deren "Fantasie". Und sie hat damit wohl mit einem einzigen Telefonat ihr gerüchteweise ebenso fantastilliardisches Gehalt für Google schon wieder zurück verdient.

Jetzt weiß man, dass die YouTube-Nutzung weiterhin rasant zunimmt - weltweit sei im zweiten Quartal 60 Prozent mehr Zeit mit Video-Gucken verbracht worden als im Vorjahr. Auf Mobilgeräten sei es sogar mehr als doppelt soviel gewesen. Die Youtube-"Session" der Nutzer dauere jetzt im Schnitt 40 Minuten, fast doppelt so lange wie vor einem Jahr. Um 40% stieg die Anzahl der Werbekunden bei YouTube und die Werbeeinnahmen stiegen um 60%.

Das sagt nichts darüber, ob YouTube jetzt schon zum großen Geschäft für Google geworden ist. Aber es schafft Fantasie. Auf der diesjährigen Google I/O, der Entwickler-Konferenz des Suchmaschinen-Riesen, war viel von künstlicher Intelligenz die Rede. Wie man es mit Dingen wie "Google Now" denn besser erreichen könnte, quasi schon zu erahnen, nach was Google-Nutzer denn suchen. Am besten noch, bevor sie selbst es ahnen, nach was sie suchen werden.

Je besser dies gelingt, um so besser ist das für YouTube. In den unendlichen Weiten der Plattform befinden sich zweifellos für jeden Geschmack mehr Inhalte, als man jemals anschauen könnte. Man muss sie aber auch finden. Das kann man per guter alter Handarbeit unterstützen, so wie YouTube dies nun bei Nachrichten macht. Aber das ist keine typische Google-Lösung. Da wird auch auf allen anderen Ebenen in Mountain View fleißig an Fortschritten gearbeitet.

Das ist jedenfalls mein Eindruck. Die YouTube-App auf meinem Smartphone zum Beispiel hat sich in den letzten Monaten beim Finden neuer Inhalte gewaltig verbessert. Und das ist wichtig. Denn der Wettbewerb zwischen Facebook und Google um die Video-Weltherrschaft wird wohl mobil auf den Pausenhöfen der Schulen in aller Welt entschieden werden.

Eben überall dort, wo man sich gegenseitig zeigt und whatsappt, was man gerade wieder Tolles gefunden hat von den Stars, denen die Fans folgen. Notfalls bis nach Heide irgendwo in Schleswig-Holstein. Da feierte jetzt der "Kartoffelsalat" Premiere und 5000 Fans reisten dafür an. Also nicht für Kartoffelsalat zum Essen, sondern für den ersten Kinofilm vom deutschen YouTuber "Freshtorge" alias "Freshhaltefolie".

Die Kulturkritiker, die sonst so das Filmgeschehen auf den einschlägigen Festivals in Cannes oder Nizza bewerten, werden wohl nicht nach Heide gereist sein. Oder dort noch immer auf einer Parkbank sitzen und weinen. Die "Zielgruppe" aber, die hatte ihren Spaß. Denn "Kartoffelsalat" ist komisch. Also eher so Holzhammer-komisch. Und natürlich geht es um Zombies.

Ob sie den komischen alten Vogel namens "Otto" noch gekannt haben, darüber liegen keine Aussagen vor. Aber "Freshtorge" spielt mit. Und Y-Titty. Und Dagi Bee. Und "Die Lochis". Und "Die Aussenseiter". Und, und , und... Guten Appetit:
 

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