Samurai vs. Netflix- Kämpfer für Europa dringend gesucht

Screenshot: tvjapan.net
Nein, sie will nicht den deutschen TV-Sendern zurufen "so geht das...". Mai Hanasaki (Anne Watanabe) ist eine japanische Sparkassen-Angestellte, die sich um die Probleme der Kunden kümmert und versucht, diese tatsächlich zu lösen. Im Film, noch passender vielleicht in der Soap-Opera "Hanasaki Mai Speaks Out". Die echte Banken-Realität ist globalisiert natürlich überall gleich, also anders, auch im Land des Lächelns.

Aber Mai Hanasaki wird wohl demnächst noch eine neue Plattform bekommen. Weil Japan zwar auch bald Netflix hat, aber kein Bundeskartellamt. Tja. "Japanischer Geist - westliches Wissen" war schon das Motto der "Meiji-Restauration", als Japan vor gut einhundert Jahren zur asiatischen Regionalmacht aufstieg mit allen, für die Nachbarn auch ziemlich bitteren, Folgen. Also etwas vom Geist der Samurais und Shogune lebt wohl noch, zum Beispiel in den japanischen TV-Sendern. Auch Mai Hanasaki kämpft für ihre Kunden wie ein echter Samurai, nur dass ihr Schwert das Gespräch ist. Egal mit wem und egal wie wichtig, Hauptsache es hilft. Okay, ich hatte schon oft die Gelegenheit, in Asien fernzusehen. Je länger man zuschaut, um so rätselhafter wird es.

Netflix will nun im Herbst auf die Insel kommen und statt deutscher Überheblichkeit begreift man dort die Notwendigkeit des "wir müssen etwas tun". Und Samurais klären offene Fragen eben durch formvollendetes Teetrinken oder mit ziemlich scharfen Schwertern, aber immer endgültig und abschließend und ohne Bundeskartellamt.

Jedenfalls werden Nippon Television Network, TV Asahi, TBS TV, TV Tokyo und Fuji Television Network im Oktober den neuen Konkurrenten Netflix nicht mit leeren Händen erwarten, sondern mit einer gemeinsamen eigenen Streaming-Plattform. Also im Prinzip genau das, was das Bundeskartellamt in Deutschland selbst in der kleinen Variante "Germanys Gold" für Archiv-Schätze verboten hat. Für aktuelles Fernsehen hat man hier wohl gar nicht erst angefragt.

Die fünf japanischen Sender stellen jeweils 10 attraktive Sendungen pro Woche für "TVer", so heißt die Plattform, unentgeltlich zur Verfügung. Für sieben Tage. Das bedeutet 50 mal Programm, und das jede Woche neu. Für die Zuschauer ist die Plattform kostenlos. Dafür müssen sie mit Werbung leben. Darüber hinaus gründeten Produzenten und Fernsehsender erst vor kurzem die "Japan Contents Group". Die wird unter dem schönen Namen "Bonobo" einen weiteren Video on Demand-Service pünktlich zum Herbst an den Start bringen, diesen aber wohl ohne Werbung und gegen Abo-Gebühr.

In Frankreich übrigens hat man die Idee einer gemeinsamen Plattform auch diskutiert. Man sehe nicht, dass das mittelfristig profitabel werden könnte, war dort das Totschlag-Argument. Aber die haben kein Bundeskartellamt. Wie wäre es also mit einer europäischen Plattform? Die könnte man dann wie Arte außerhalb der Zugriffsgrenzen analoger deutscher Behörden ansiedeln und so funktionsfähig machen. Hehe- britische Serien zusammen mit starken skandinavischen, italienischen oder französischen Gourmet-Produktionen. Oder vielleicht gar bulgarischen. Und die Deutschen, naja, die könnten ja eine Rentner-Ecke und das Weltkrieg-Gedenktags-Programm zuliefern. Das wäre der Hammer.

Nur, woher kriegen wir einen Samurai, der das durchkämpft? Denn ja, so ein paar Kleinigkeiten wie fliegend kämpfen mit Schwert oder übers Wasser laufen, das sollte er für diese Aufgabe schon können. Und keine Scheu vor eigentlich chancenlosen Kräfteverhältnissen haben. In Japan jedenfalls, da wäre das kein Problem. Die haben noch Samurai. In Japan wird Netflix schon gebührend erwartet:

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