Paranormal Activity: Netflix, Amazon & Co. werden Poltergeist fürs Kino

Idris Elba im "Netflix Original Film" "Beasts of no Nation" Foto: Courtesy / Netflix
Er war sogar schon als neuer James Bond im Gespräch. Aber er sieht eben nicht ( wie sagt man das politisch korrekt? ), also er sieht nicht wirklich britisch aus. Jedenfalls nicht wie ein Top-Agent ihrer Majestät. Obwohl er sogar darauf verweisen kann, gebürtiger Londoner zu sein und damit theoretisch viel britischer ist als der überzeugte Schotte Sean Connery. Idris Elba wird es (relativ) egal sein. Spätestens seit seiner Serien-Hauptrolle als genialer Detective "Luther" ist er in die erste Schauspieler-Liga aufgestiegen und darf als "Helmdall" im Marvel-Universum spuken, am "Pacific Rim" die Blech-Monster kommandieren oder bei "Prometheus" als tapferer Kapitän Alien-Raumschiffe rammen.

Demnächst wird er als Bösewicht gegen die "StarTrek"-Besatzung antreten und auch dem Thema Rassendiskriminierung geht er nicht aus dem Weg. In "Mandela – Der lange Weg zur Freiheit" spielte er den südafrikanischen Nationalhelden und viele Kritiker meinten, seine Darstellung sei das einzig bemerkenswerte an diesem Film gewesen. Und Muslime können schließlich auch nicht James Bond werden. Die trinken Martini oft weder geschüttelt noch gerührt.

Ab 16. Oktober wird Idris Elba stattdessen in "Beasts of no Nation" zu sehen sein. Das wiederum, so wird gemeldet, sei "der erste von Netflix produzierte Spielfilm". Das ist so nicht ganz richtig. "Beasts of no Nation" wurde von "Participant Media" finanziert und von "Red Crown Productions" produziert. Mit einem Budget von sechs Millionen Dollar.

Sechs Millionen Dollar reichen in Hollywood normalerweise für ungefähr sechs Minuten Film. Also zumindest dann, wenn die Transformer sich gegenseitig aufs Blech hauen oder es demnächst die "Enterprise" mit Idris Elba zu tun bekommt. "Beasts of no Nation" ist aber ein richtiger Spielfilm, deutlich länger als sechs Minuten und wurde weit draußen, in Ghana, gedreht und hat auch noch Cary Fukunaga ("Jane Eyre", "True Detective") als Regisseur und Drehbuchautor. Da geht eine sechs Millionen-Rechnung nicht auf. Es sei denn, die Stars verzichten auf ihre normalen Gagen, weil ihnen das Thema am Herzen liegt. Und weil, so sagen die Gerüchte, "Beasts of no Nation" unter Oscar-Verdacht steht. Tja, und dann kam Netflix und hat die ganze Produktion inklusive Rechte für 12 Millionen Dollar aufgekauft.

Deshalb startet der Film weltweit als Videostream bei Netflix. Und in ein paar Kinos, damit er die Bedingungen für den Oscar erfüllt. Die waren schwer zu finden- die großen Kinoketten wollen ihn nicht. Eben, weil er bei Netflix startet. Statt, wie bisher üblich, möglichst Jahre nach der Premiere fürs Heimkino "zweitverwertet" zu werden.

Amazon will auch Kinofilme produzieren. Und sogar bei Yahoo ist mit "One Chance" schon ein Spielfilm in den Markt gestartet. Und jetzt scheinen die Dämme endgültig zu brechen. Mit Paramount hat erstmals eines der ganz großen Hollywood-Studios den Kinoketten in einem Vertrag abgetrotzt, dass einige Filme bereits 17 Tage nach der Kinopremiere digital in die Wohnzimmer gebracht werden dürfen. Los geht es mit "Paranormal Activity: The Ghost Dimension". Der fünfte Teil des Gruselfilm-Universums startet am 23. Oktober in den Kinos und schon im November wird er digital zu haben sein.

Die Kinoketten sollen als Trostpflaster an den Einnahmen beteiligt werden. Das wird wohl nicht lange so bleiben. "Jurassic World", der vierte Teil des fröhlichen Dinosaurier-Fressens hat zwar gerade an den Kinokassen alle Rekorde gebrochen und Hollywood wird darauf achten, dass das Milliarden-Geschäft mit den ganz großen Film-Universen nicht zerstört wird. Es sei denn, irgendwann winkt auf dem Streaming-Markt ein noch größeres.

Die große Mehrzahl aller Spielfilm-Produktionen sind aber noch immer keine "Mega-Blockbuster", sondern ganz normale Filme mit maximal zweistelligen Millionenzahlen bei den Produktionsbudgets und hohem Refinanzierungsdruck. Und die werden den großen Appetit der Streamingdienste auf möglichst frische Ware nutzen, um ihre Kasse wieder zu füllen. So wie die Produzenten von "Beasts of no Nation". Oder "Paranormal Activity". Auch wenn sie dann nicht mehr so leicht in die Kinos kommen. Denn viel zu verlieren haben sie nicht. Die Terminatoren, Transformer, Saurier oder Minions aus den Filmuniversen blockieren ohnehin mittlerweile fast alle Kinosäle. Der Weg für Netflix und Amazon ist frei.

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