Honig im Kopf - Netflix, Amazon & Co. sollen "Filmabgabe" zahlen


Deutschland ist einfach ein kompliziertes Land. Ein sehr, sehr kompliziertes Land. Das denken jedenfalls sicher diese digitalen US-Sunnyboys und -girls von der Westküste, wenn sie denn wieder einmal den globalen TV-Markt aufrollen wollen.

YouTube zum Beispiel hat vor Facebook bestimmt keine Angst. YouTube ist schließlich aus dem Hause Google. Da arbeitet man an Dingen wie selbstfahrende Autos oder an Ballons, die auch die entlegensten Gegenden der Welt mit schnellem Internet aus der Luft versorgen sollen. Selbst noch größeren und unlösbareren Problemen der Menschheit wie Krankheit und Alter hat man dort den Kampf per Forschung angesagt. Nur so etwas wie zum Beispiel die deutsche Gema löst bei den neuen Herrschern der digitalen Welt offenkundig völlige Ratlosigkeit aus.

Und egal ob Netflix-Chef Hastings oder Amazons Jeff Bezos- stets lächeln sie siegessicher auf allen Fotos, auch im NetzTV-Blog. Vielleicht aber nur, weil dummerweise nie ein Fotograf dabei ist, wenn zum Beispiel Post aus Deutschland mit so einem schönen Wort wie "Filmförderungsgesetz" auf ihren Schreibtisch kommt. Tja, nehmt das, ihr Amis und lernt: Die Welt kennt Wörter, die ihr nicht einmal aussprechen könnt. Ihr wollt den deutschen Markt mit "filmischen Inhalten" bedienen. Dann müsst ihr "Filmabgabe" zahlen. Und damit auch ihr es versteht: Cash, please. Widerstand zwecklos.

Das meint jedenfalls die deutsche "Filmförderungsanstalt". Und die ist eine "Bundesanstalt des öffentlichen Rechts". Das wiederum bedeutet in Deutschland, sie hat das Recht, Geld haben zu wollen. Eben von jedem, der "den deutschen Markt mit filmischen Inhalten bedienen" will. Und irgendwie, per diesem Internet, wollen Netflix, Amazon, YouTube & Co. das ja auch.

Am Anfang, so irgendwann in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, stand das Kino. Und schon wieder diese Amis, die mit ihren Hollywood-Filmen die Leinwände füllten und so den deutschen Spielfilmproduzenten das Leben immer schwerer machten. Obwohl diese ja eigentlich mit "Winnetou" zuerst die schöne Idee vom "Film-Universum" erfanden, womit Hollywood heute Milliarden verdient. Also gab es ein "Filmförderungsgesetz", um "die Produktion, den Absatz und das Abspielen deutscher Filme" zu befördern. Mit Geld aus einer "Filmabgabe", die einfach von den Kinos kassiert wurde. Später mussten dann auch Fernsehsender bezahlen. Und noch später auch Käufer von Videokassetten, DVD's und BlueRay's.

"Ausländische Anbieter, die über das Internet Spielfilme im deutschen VoD-Markt verbreiten, sind ja schon zur Filmabgabe verpflichtet", so Bernd Neumann, Präsident der Filmförderungsanstalt.  "Bislang hat die EU-Kommission diesen Absatz im aktuellen FFG (Filmförderungsgesetz) allerdings noch nicht notifiziert. Wir gehen davon aus, dass dies juristisch in unserem Sinne geregelt werden wird."

So schlecht stehen die Chancen da nicht. Denn auch die Franzosen haben das gleiche Problem und Anliegen, bei denen Frankreich und Deutschland sich einig sind, haben bei der EU-Kommission in der Regel gute Karten. Nur: Gut gemeint ist das Gegenteil von gut gemacht. Und es wird immer schwieriger, einst gut gemeinte Ideen des analogen Zeitalters in die neue digitale Welt hinüber zu retten.

Til Schweigers "Honig im Kopf" war einer der im Vorjahr aus den FFG-Mitteln geförderten deutschen Filme. Eigentlich toll. Preisgekrönt und im Kino erfolgreich- die ultimative Traumkombination, die jede Förderung rechtfertigt. Aber Film ist auch eine Industrie. Und Filme, die im Kino erfolgreich sein können, werden immer mehr zum globalisierten Industrieprodukt.

Vielleicht ist das der Grund, warum die "Notifizierung" durch die EU-Kommission noch nicht durch ist. Denn aus amerikanischer Sicht wäre das "Filmförderungsgesetz" das Gleiche wie ein US-Gesetz über eine "Automobilabgabe", das BMW, Mercedes oder Porsche dazu zwingt, die Entwicklung neuer Ford, GM oder gar Tesla-Fahrzeuge zu subventionieren, nur weil sie selbst auch in den USA Autos verkaufen wollen.

Das macht die Sache so schwierig. Denn auch noch etwas anderes hat sich grundlegend geändert. Wurde in der guten alten Zeit eine solche kleine Abgabe vielleicht als unwichtig angesehen, so zählt heute beim Preiskampf um die Kunden im Video on Demand - Weltmarkt jeder Cent. Dazu kommt, dass mit Kinos oder Fernsehsendern früher nur Zwischenhändler Filmabgabe bezahlten- quasi wie eine kleine Steuer, und an verschiedenste Steuern auf den Verkauf von Waren ist die Welt gewöhnt. Netflix oder Amazon aber produzieren ihre Filme zunehmend selbst, auch fürs Kino, und müssten daher tatsächlich ihre direkte deutsche Konkurrenz auf dem Weltmarkt mitfinanzieren.

Dies aber wiederum widerspricht allen internationalen Handelsabkommen und würde sicher nicht ohne US-Antwort bleiben. Globalisierung ist schwierig und schmerzhaft, nicht nur bei der Autoproduktion. Vielleicht wird man auch noch einmal eine Lösung finden, um sich irgendwie durchzuwursteln, ohne die Filmförderung in bisheriger Form aufgeben zu müssen. Aber eine zukunftsfähige Lösung wird es nicht sein.

Höchste Zeit, darüber nachzudenken, wie wir vielleicht ganz ohne "Regulierung" und "Abgaben" auch in Zukunft noch zu solchen Filmen kommen:

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