Facebook lockt Videomacher mit Werbegeld - Godzilla tapst ins Netz-TV

Facebook-Hautquartier in Menlo Park Foto: Facebook
An solchen Stellen wie da oben in der San Francisco Bay kommt er gern aus dem Meer gestiegen. Und er ist vor allem eines: Er ist groß. In Hollywood sogar sehr groß, er hat einen eigenen Stern auf dem "Walk of Fame". Obwohl Godzilla ja eigentlich japanisch ist. Es ist irgendwie schwer zu erklären, aber sein Erfolg als immer wiederkehrendes Filmmonster beruht sicher auch darauf: Es ist eine wohl sehr asiatische Idee, dass das Riesenmonster zwar mal größer, mal kleiner, mal lieber, mal böser sein kann- aber immer irgendwie tapsig. Godzilla geht immer an Land und er geht, als ginge er zum ersten Mal. So wie ein Kleinkind bei seinen ersten Versuchen, einfach niedlich und man möchte ihm eigentlich helfen. Ihn irgendwie festhalten, damit er nicht stolpert und hinschlägt.

Demnächst wird wohl so eine Art Godzilla da oben in Menlo Park nicht aus dem Wasser kommen sondern hineingehen. Herauskommen soll er wohl gut 20 Meilen nördlich, bei San Bruno, denn da ist YouTube zu Hause- oder vielleicht gleich ein paar Kilometer südlich, fast in Sichtweite, bei Mountain View. Das Monster trägt einen unscheinbaren aber komplizierten Namen. Es ist eher ein ganzer Satz. "Ausgewählte Unternehmen", die Videos bei Facebook veröffentlichen, sollen ab dem Herbst an den damit erzielten Werbeumsätzen beteiligt werden.

Das klingt erst einmal wenig spektakulär und schon gar nicht monströs. Aber es könnte für YouTube so etwas werden, wie ein Godzilla, der aus dem Wasser steigt. Denn die Grundlage für den phänomenalen Aufstieg von Googles Videoplattform war nicht, wie viele noch immer glauben, der "Katzen-Content". Okay, der war wichtig für den Anfang. Aber der eigentliche Erfolg begann mit dem "YouTube-Partnerprogramm". Als YouTube begann, seine Werbeerlöse mit erfolgreichen Videomachern zu teilen, löste das geradezu eine globale Kreativ-Explosion aus. Millionen Videomacher träumten den Traum vom Geldverdienen mit Videos und fluteten mit ihren Ideen die Plattform. Dann kamen die "YouTube-Netzwerke", Professionalisierung und Marketing. Heute sind große "YouTuber" die Mega-Stars unserer Zeit.

Die Mega-Stars von morgen sollen auf Facebook gemacht werden. So wünscht es sich zumindest Facebook-Chef Mark Zuckerberg, der dieser Tage auf seiner Plattform die Fragen insbesondere prominenter Fragesteller in einer Art Facebook-Talkshow beantwortete. Auf die Frage von Huffington-Post-Gründerin Arianna Huffington nach den Trends für Nachrichten und Journalismus in den nächsten Jahren verwies er darauf, dass immer mehr und immer besseren Content online zu finden wäre. Statt Text und Fotos seien dies jetzt immer öfter Videos. Der Trend zum Video werde anhalten und als nächstes käme Virtual Reality noch dazu. Und alles werde immer schneller.

Das Facebook voll auf Video und Bewegtbild setzt, ist seit geraumer Zeit zu beobachten. Mit dem automatischen Start der Videos im Newsfeed wurden die Abrufzahlen zur Explosion gebracht. Über Kooperationen kommen regelmäßig attraktive neue Bewegtbild-Inhalte auf die Plattform. Da gibt es Sport genauso wie Nachrichten und neuerdings sogar Fernsehserien. Man kann die Facebook-Videos nun auch in eigene Webseiten einbinden und wenn demnächst noch das eigene Partnerprogramm für die Videomacher kommt, gibt es eigentlich nichts mehr, was man bei YouTube noch abkupfern könnte. Und Googles Versuch, mit Google+ einen Facebook-Konkurrenten aufzubauen, hat nicht so funktioniert wie erhofft. Niemand kann so vielen Nutzern Video und Bewegtbild ständig neu anbieten wie Facebook in seinem Social Media News-Stream.

Die bisherigen YouTube-Netzwerke werden jedenfalls, so denke ich, in großer Zahl mit ihren Stars sofort auch auf den Facebook-Zug aufspringen, sobald dort Werbekohle winkt. Auch wenn das Modell der Spot-Präsentation und -Abrechnung noch recht unklar ist. Es klingt sehr innovativ, von einer Platzierung der Spots nicht als PreRoll, sondern im Umfeld der Videos ist die Rede und von einer Abrechnung abhängig davon, wie lange der User ein Video anschaut. Die Höhe der möglichen Erlöse ist schwer einzuschätzen.

Aber der Fantasie der Videomacher sind erst einmal keine Grenzen gesetzt. Und das alles bedeutet: Da ist demnächst Godzilla unterwegs im Netz-TV. Und es wird schon allein beim Herumtapsen einiges kaputt gehen. Nicht nur bei YouTube. Auch beim TV. "Werden die Maschinen gewinnen?" Das war die nicht ganz ernst gemeinte Frage von "Terminator" Arnold Schwarzenegger an Mark Zuckerberg. Zuckerberg glaubt nicht das nicht. Wie auch. Er ist ja keine Maschine.

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