Die wollen nur helfen: Facebook und der TV-Werbemarkt

Foto: Facebook
Wir sind noch einmal davongekommen- oder so. Dank dem schwachen Euro. Die Werbeeinnahmen in "Europa und dem Rest der Welt" seien langsamer gewachsen als anderswo. Das berichtet Facebook bei der Vorstellung seiner Quartalsergebnisse für das zweite Halbjahr. Langsamer heißt konkret für Europa 30% Plus. In Nordamerika wuchs das Werbegeschäft von Facebook um 55%, die Region Asien/Pazifik meldet 48%.

In der Wirtschaftsberichterstattung liest man deshalb jetzt überall von "steigenden Werbeeinnahmen" bei "sinkendem Gewinn". Ja, das stimmt. Das ist schon das zweite Quartal in Folge, in dem Facebook einen geringeren Gewinn als im gleichen Quartal des Vorjahres ausweist. 719 Millionen Dollar blieben unter allen Strichen übrig, bei einem Gesamtumsatz von erstmals knapp über 4 Milliarden in einem Quartal. Macht so ungefähr 18% Nettorendite in einem "Jahr der Investitionen", als das Facebooks Finanzchef David Wehner das Jahr 2015 bezeichnete.

Facebook lebt von Werbeeinnahmen. Und Facebook ist kein Start-Up mehr. Es geht nicht um 50% mehr von Nichts. Da wächst eine Milliarden-Basis an Einnahmen im mittleren zweistelligen Prozentbereich. Man stelle sich einmal vor, die RTL Group oder Axel Springer würden ihre Werbeeinnahmen um 30 oder gar 50% steigern. Wahrscheinlich würde eine Börsen-Hysterie ausbrechen. Facebook-Aktien fielen nach der Bekanntgabe der Ergebnisse um 3%. Obwohl die "Analysten" eigentlich gar nicht so viel erwartet hatten.

Den Google-Aktionären erging es da kürzlich besser. Weil YouTube 60% mehr Werbekohle kassiert hat. Verstehe einer die Börse. Möglicherweise ist das wichtigste Ziel von Facebook ja im Moment gar nicht die Steigerung des Gewinns pro Aktie. Wenn es zum Beispiel um Marktanteile geht, dann kennen dort an der Westküste manche gar kein Erbarmen. Sie gehen raus auf den Markt und nehmen ihn den anderen weg. Mit allen Mitteln, mit Ideen, Investitionen oder ganz einfach mit Geld.

50% Wachstum bei Facebook, 60% mehr bei YouTube- auch da wird ein Markt "disrupted". Also grundlegend verändert. Und es ist in zunehmendem Maße nicht mehr der Markt der "Online-Werbung". Für Facebook wird dabei das Smartphone immer wichtiger, genau wie für YouTube. Und auf dem Smartphone, da läuft das Video. Und der Werbespot. "Wir glauben, wir haben das beste mobile Werbe-Produkt auf dem Markt und Videos machen es noch besser", so Facebook-Managerin Sheryl Sandberg. "Für viele Verbraucher, die Videos auf Facebook schauen, sind Video-Anzeigen ein natürlicher Teil ihres News-Feeds."

Auch Facebook-Chef Mark Zucker wies noch einmal darauf hin, dass in diesem Quartal das Ranking im News-Feed der Facebook-User verändert wurde- "um ihnen zu helfen, mehr von den Videos zu finden, die sie sehen wollen". Auch den Werbekunden will Facebook weiterhelfen. Zum Beispiel mit mehr automatisch startenden Werbespots. Also Facebook wird wohl immer hilfreicher werden, egal wohin man auch schaut.

Ob werbefinanzierte Fernsehsender dagegen ein Konzept finden können? Godzilla ist unterwegs, unterwegs in Richtung ihrer derzeit noch gut gefüllte Tresore und frisst ihre Marktanteile. Denn genau dies bedeuten die Steigerungen im mittleren zweistelligen Prozent-Bereich. Der TV-Werbemarkt verschiebt sich hin zu YouTube und Facebook. Booking.com zum Beispiel, so Frau Sandberg, habe durch die Nutzung des "Book Now" Buttons auf Facebook seine Hotelzimmer-Reservierungen "bedeutend" erhöhen können und werde diese Werbung nun auf weitere Märkte ausdehnen.

Das Geld dafür wird Booking.com aus dem Werbeetat nehmen. Der wächst vielleicht auch. Aber nicht unendlich. Und möglicherweise wird uns so im TV die eine oder andere nervige Familie am Strand erspart bleiben. Denn einen "Book Now" oder "Buy Now"-Button hat die traditionelle TV-Werbung trotz verschiedener Versuche und Basteleien so nicht. Und natürlich auch nicht die vielen schönen Daten, die das Internet über die Konsumenten da draußen so mitliefert. Und wenn Godzilla nicht im ersten Anlauf gewinnt- macht nichts, er legt schon neue Eier für den Nachwuchs.

Oculus Rift kommt nun endlich Anfang 2016 zu den Verbrauchern, so Zuckerberg. "Oculus wird die beste Virtual-Reality-Erfahrung der Welt sein, wenn es startet. Ich finde es sehr aufregend, wenn wir damit beginnen, die Versprechungen der virtuellen Realität einzulösen." Natürlich. Denn die Möglichkeiten, irgendwie helfen zu können, werden dort geradezu unüberschaubar sein.

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