Bewegt sich Deutschland? LeFloid talkt mit Angela Merkel.

Screenshot: YouTube/LeFloid
Egal ob AFD-Parteitag oder Griechenland-Krise: LeFloid erklärt in Deutschland der "jugendlichen Zielgruppe" die Welt. Unglaubliche 2,6 Millionen YouTube-"Abonnenten" und mehr als 300 Millionen Abrufe hat sein Kanal, also der Hauptkanal für seine "News". Er hat noch andere, für Gaming zum Beispiel. Sogar der kommende "Jugendkanal" von ARD und ZDF würde gern von ihm wissen, wie man das macht. Keine Ahnung, ob LeFloid es verraten hat.

Auch wenn er es verraten hat, so ahne ich mal voraus, es würde nicht weiterhelfen. "Kanäle", die von "Anstalten" betrieben werden, machen das, was "Gremien" beschließen. Sie fragen also dort nach, was sie zu tun haben. LeFloid macht auf seinem Kanal einfach, was er will. Oder er fragt seine Zuschauer.

Zum Beispiel fragt er gerade, was er Angela Merkel fragen soll. Unter dem "Hashtag" #NetzFragtMerkel kann man seine Frage loswerden. Denn ja, "LeFloid" bekommt ein Interview. Ganz oben. Ganz für sich und seine Zuschauer. Freitag, im Bundeskanzleramt. Mit Angela Merkel.

Das klingt vielversprechend. Bis zum Freitag erst einmal wegen zu erwartender Reaktionen sich etabliert wähnender Alt-Journalisten. Also so wie hier oder da, eben die, die früher im Kindergarten die "beleidigte Leberwurst" waren. Oder noch vor ein paar Jahren der Bundesregierung das Twittern verbieten wollte. Und dann natürlich wegen der eingereichten Fragen.

Da geht natürlich, wenn ein LeFloid statt der bisher für totes Holz oder "Tagesschau" fragenden Alt-Journalisten die Kugel ins Rollen bringt, sofort die Post ab. Jede Menge durchaus ernsthaftes bis staatstragendes findet sich da, wie zum Beispiel: "Ist mit dem Ausstieg aus der Atomenergie das Kyoto-Protokoll überhaupt noch am Standort Deutschland einhaltbar?" Oder: "Muss ich mir auf Grund der Krise in Griechenland Sorgen um die Geldwertstabilität in Deutschland machen?"

Die eigentliche Basis des Internets ist aber Entertainment- so findet man natürlich auch Fragen wie: "Was halten sie von KuchenTV?" oder "Haben sie einen Rauchmelder zuhause?"

Tja, und auch das ist eben die neue digitale Welt oder das "Neuland", wie die Bundeskanzlerin sagen würde: Diverse Trolle, Aluhüte und völkisch besorgte Menschen sind immer im Netz unterwegs.

Eigentlich ist es für einen Regierungschef doch völlig normal, dass er sich mit Leuten unterhält, die Millionen potentielle Wähler erreichen. Und das sogar bei der jungen Zielgruppe, die zu erreichen etablierte Medien offenkundig längst aufgegeben haben. Populäre YouTuber können das. Sie werden selbst im White House ganz normal vom Präsidenten empfangen. Nur in Deutschland hielt ich das bis vor kurzem noch für unvorstellbar.

Und ja, wenn selbst das Bundeskanzleramt mittlerweile bemerkt, dass die bisherigen "Medien" ihre Funktion oft gar nicht mehr erfüllen, oft gar nicht mehr dazu in der Lage sind, "Öffentlichkeit" über alle relevanten Bevölkerungsgruppen hinweg herzustellen- tja dann, dann könnte sich vielleicht bald sehr vieles ändern. Oder auch nicht.

Kommentare

Aktuell meist gelesen: