YouTube hat jetzt "Newswire"- Storyful soll die echten Nachrichten finden

Screenshot: YouTube Newswire
Mit den Nachrichten ist es ja so eine Sache. Eine Sache des Vertrauens, sozusagen. Opa versicherte einst stets und nachdrücklich "ich glaube nur, was ich selbst gesehen habe". Wahrscheinlich war es ganz einfach Lebenserfahrung. Aber das ist eben nur schwer durchzuhalten. Die Welt ist so groß, es passiert so viel und oft ist es beschwerlich und teuer so nah dabei zu sein. Nicht selten ist eigentlich sogar völlig davon abzuraten.

Dafür gab und gibt es ja glücklicherweise Reporter und Journalisten. Also "Qualitätsjournalisten", so wie es heutzutage heißt. Sie filmen und erklären für uns die Welt. Eigentlich eine gute Sache. Wir können in unserem bequemen Fernsehsessel sitzen bleiben und sie bringen uns das Weltgeschehen ins Haus. Wir sind informiert. Wir kennen uns aus.

Ob das wirklich so ist, darüber habe ich zum ersten Mal vor etwa zehn Jahren ernsthaft nachgedacht. YouTube war gerade groß in Mode gekommen und in Israel gab es große Probleme mit Raketen, die über die Grenzen in die nahe gelegenen Ortschaften geflogen kamen. Die waren nicht besonders groß und nicht besonders gut gezielt und richteten meist nur geringe Schäden an. In den Nachrichten mussten sie deshalb meist in die Rubrik "Sonstiges" oder auch gleich in die Ablage der Geschichten. für die die Sendezeit nicht reichte.

Auf YouTube fand ich dagegen zahllose verwackelte Videoaufnahmen von "Nicht-Journalisten". Die Bewohner der israelischen Dörfer hatten das selbst gefilmt- und die Wirkung war erstaunlich. Es waren nicht die Korrespondenten der "Tagesschau", die mir halfen zu verstehen, was dort passiert. Es waren die Bilder und auch die Geräusche aus diesen Videokameras, die zeigten, wie die Bastel-Raketen dicht über die Dächer der Häuser zischten. Dazu das blecherne Geheule der Dorf-Sirenen verbunden mit gelegentlichen Explosionen. Die Gesichter und das Geschrei der Bewohner, die nach Deckung suchen. Die Atmosphäre von Angst und Terror.

Heute sind wir zehn Jahre weiter und eigentlich passiert fast nichts mehr auf diesem Globus, ohne dass es als Video bei YouTube landet. Meist sofort, nachdem es passiert ist und oft sogar live. Theoretisch die gigantischste und alles umfassende Nachrichtensendung der Welt. Nur finden wir die Nachrichten oft nicht mehr. Nicht einmal die Suchmaschine hilft bei den gigantischen Videomassen noch weiter. Denn da sind ja nicht nur die Nachrichten über Dinge, die passiert sind. Da sind auch jede Menge Nachrichten von Dingen, die so nicht passiert sind. Und jede Menge Schattierungen irgendwo dazwischen.

Ich bin als YouTube-Gucker also wieder irgendwo da, wo Opa schon war- "glaube nur, was du selbst gesehen hast". Und zwar vor Ort, nicht bei YouTube. Denn den Wahrheits-Algorithmus hat auch Google noch nicht gefunden. Und vielleicht ist es auch besser, wenn das so bleibt. Denn wenn es irgendwann funktioniert, dann... Aber das ist schon wieder ein anderes großes Thema. Weil es oft auch verschiedene Wahrheiten gibt. Was in israelischen Dörfern noch völlig klar ist, sieht ein paar Kilometer weiter auf der anderen Seite der Grenze meist ganz anders aus. Und ist deshalb trotzdem nicht weniger wahr.

In Dublin sitzt die Firma Storyful und beschäftigt sich mit dem, was die sozialen Medien in jeder Stunde des Tages weltweit so melden. Und versucht sich an der schwierigen Aufgabe, die Fakten vom großen Rest zu trennen. Das hat ihnen jetzt einen schönen Auftrag von YouTube eingebracht. Denn ja, es gibt hede Menge interessante, spannende und seriöse Nachrichten auf der Videoplattform. Da ist noch viel mehr außer den Vice News. Und auch immer noch viel mehr als die News-Videos der traditionellen Medien, die mal mehr, mal weniger auch über die Google-Suche zu finden sind.

Mit "YouTube Newswire powered by Storyful" unternimmt die Google-Videoplattform jetzt einen weiteren Versuch, die Spreu vom Weizen zu trennen. Das wird kompliziert und schwierig. Aber wenn es gelingt, dann entstünden vielleicht globale Echtzeit-Nachrichten in einer völlig neuen und bisher so nicht gekannten Qualität. In der Praxis soll das so funktionieren:

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