Urlaub, Amazon, Griechen, Rundfunkgebühr. Dialektik erklärt die Welt.


Wie schon geschrieben, es ist Urlaubszeit. Zeit, um manche Dinge einfach mal etwas gründlicher zu durchdenken. Denn diese Woche gab es genau zwei interessante Netz-TV-Nachrichten. Von Amazon und vom Rundfunkbeitrag. Das bringt nicht viel. Es gilt, die Wurzel und die Lösung für alle Probleme zu finden. Aber nicht so wie bei einem kaputten Zahn- wie gesagt, es ist Urlaubszeit. Mehr so... dialektisch. Wenn noch jemand weiß, was das bedeutet.

Denn nur, wer das Glück oder das Pech hatte, in der DDR zur Schule zu gehen oder gar zu studieren- nur der kennt mit Sicherheit noch den Begriff "Dialektik" oder "dialektisch". Das ist etwas Philosophisches. Also, extrem vereinfacht gesagt, geht es darum, dass die Welt auf Grund von "Widersprüchen" in ständiger Bewegung ist. Also alles. Alles und überall.

In der DDR war das ein wichtiges Thema. Karl Marx hatte sich viel damit beschäftigt und die "Dialektik" wurde gebraucht, um den bevorstehenden Sieg des Sozialismus zu erklären. Der war extrem erklärungsbedürftig. Außerhalb von Olympiaden sah es in der DDR nirgendwo wirklich nach Sieg aus, aber die "Dialektik" schaffte den unmöglichen Spagat. Schließlich berichteten die sozialistischen Tageszeitungen täglich von den schlimmen Krisen der kapitalistischen Welt und von tollen Produktions- und Aufbau-Erfolgen des Sozialismus. Die generelle Richtung, in die beide Welten sich bewegten, war damit klar. Der Sieg war also nur eine Frage der Zeit.

Irgendwie kam es dann anders. Irgendwo muss da ein Fehler liegen. Aber wer sich genauer mit dem Thema "Dialektik" beschäftigt, landet irgendwann bei Hegel, Kant oder der "Frankfurter Schule". Und dann auch bei Platon oder Aristoteles. Also bei den Griechen. Und schon wird Dialektik wieder wirklich aktuell. Nur nicht einfacher.

Spätestens da finde ich aber den ersten "dialektischen Widerspruch". Die alten Griechen haben sich sehr viel mit dem Thema beschäftigt. Gleichzeitig bescheinigt Wikipedia den antiken Griechen einen "großen Einfluss auf den Weinbau" rund ums Mittelmeer durch neue Methoden für Anbau und Kellertechnik. Komisch, über den aus meiner Sicht offenkundigen Zusammenhang gibt es praktisch keine mir bekannten Untersuchungen.

Drogenmissbrauch, Sozialismus und Griechen- also nee. In unserer modernen, digitalen, vorzugsweise sauber in Excel-Tabellen zu strukturierenden Welt ist die Dialektik etwas aus der Mode gekommen. Zu Unrecht. Denn richtig angewendet, ist sie die Lösung für jedes unlösbare Problem.

Die neuen Griechen zum Beispiel hätten gern drei Mahlzeiten am Tag, eine Gesundheitsversorgung und die zwei, drei anderen Kleinigkeiten mehr, die ein halbwegs menschenwürdiges Leben so braucht. Dummerweise haben sie einen Staat, Parteien und eine Verwaltung, die als eine Art byzantinisch-kleptokratisches Gesamtkunstwerk jegliches wirtschaftliche Leben unterbinden. Und damit auch eigenes Einkommen weitgehend verhindern, welches solch bescheidene Wünsche finanzieren könnte. Mit dem Euro wurde für die Griechen eine Lösung gefunden. Als Ersatz für eine moderne Wirtschaft machte man sie einfach kreditfähig.

Das hat geraume Zeit überraschend gut funktioniert. Die Kredite wurden nach Athen überwiesen, Verwaltung und Parteien teilten das Geld unter sich auf. Staatsangestellte und Parteifunktionäre kauften davon große schwarze BMW, bauten sich Ferienhäuser am Meer und feierten in den Tavernen bis tief in die Nacht. Autoverkäufer, Handwerker und Kellner hatten Arbeit und Einkommen. Alles war gut. Irgendwann war das aber nicht mehr sauber in Excel-Tabellen zu strukturieren. Jetzt sind die Griechen böse auf uns, weil wir nix nach Athen überweisen wollen. Wir sind böse auf die Griechen, weil wir mit der Kohle lieber selbst in der Taverne feiern würden. Und BMW ist bald böse auf alle, weil die Bestellungen ausbleiben.

Das ist ein typischer "dialektischer Widerspruch". Anscheinend unlösbar. Das ultimative Katastrophen-Szenario. Dabei ist es doch ganz einfach. Man muss eben nur die gute, alte Dialektik wieder aus dem Giftschrank herausholen. Die Dinge "in ihrer Bewegung" betrachten.

Also ich würde die Griechen dazu verpflichten, Staatsangestellte und Parteifunktionäre einfach wegzuschicken. Zum Beispiel zum Ziegen hüten. Das würde die Feta-Produktion in ungeahnte Höhen treiben. Wenn dann frisches Geld in Athen eintrifft, kann es nicht mehr verteilt werden. Denn die Verteiler sind nicht mehr da und schlummern friedlich und glücklich irgendwo in der Sonne zwischen aromatisch duftenden Gebirgskräutern. Das Geld könnte dann in Dinge wie drei Mahlzeiten am Tag, Gesundheitsversorgung, Infrastruktur oder gar echte Unternehmen gesteckt werden. Steuern würden plötzlich fließen. Riesige Mengen an echtem und köstlichen Feta stünden bereit, um in unseren Supermärkten die geschmacksfreien inländischen Fälschungen zu ersetzen. Die griechische Handelsbilanz würde drehen.

Ja, ich weiß, viele Phantastilliarden Schulden und so. Aber die Plätze in den Tavernen sind dann frei!! Lasst uns alle hinfahren und so lange feiern, bis die Griechen saniert sind oder unser eigenes Konto ins Minus rutscht. Wer kommt mit? Nur für BMW müssen wir dann noch eine Lösung finden. Aber zehntausende Tavernen-Wirte und so eine Saison... Vielleicht sollte BMW ein Sondermodell auflegen, wo ein mobiler Gyros-Spieß reinpasst.

Wer also wenigstens ein klein wenig Dialektik kann, hat den Schlüssel zur Lösung aller unlösbaren Probleme quasi in der Hand. Deshalb ist es so erstaunlich, warum wichtige Medienmacher oft so... so undialektisch sind. Vielleicht haben sie zu wenig Urlaub zum Nachdenken.

Zum Beispiel eben über die Griechen. Die waren einstmals so eine Art Supermacht. Alexander der Große soll bis nach Indien gekommen sein und stets alle Rechnungen voll bezahlt haben. Von den Griechen lernen heißt also siegen lernen. Wie bei diesem Frauentyp-Minister. Varu ist laut Google übrigens lettisch und bedeutet "Leistung". Na ja, und "fake is" wäre dann der englische Teil.

Von Herrn Varoufakis haben wir Deutsche anscheinend jedenfalls schon etwas gelernt: Selbst wer weniger als gar nichts in der Hand hat, kann jedes Spiel gewinnen. Auch der stärkste Gegenspieler hat Nerven, und die kannst du angreifen. Das probieren anscheinend gerade einige mit einem der mächtigsten und ungeliebtesten Feinde überhaupt: Dem "Rundfunkbeitrag". Über irgendwelche Sachargumente und Studien irgendwelcher Wissenschaftler wird man in den "Anstalten" sicher nur müde gelächelt haben. Aber jetzt gehen immerhin vier Millionen (!) Deutsche den griechischen Weg des Widerstands und zahlen einfach nicht. Also nicht so wie dieser renitente Herr Häring, der nur in bar bezahlen will. Nein, die bezahlen einfach gar nicht.

20 Millionen Mahnschreiben und 900.000 Vollstreckungen hätten die Gebühreneintreiber deshalb schon bearbeiten müssen. Die "deutsche Anwaltshotline" bietet bereits "begrenzte Kontingente" für kostenfrei Beratung an. Man erhofft sich wohl ein gutes Geschäft. Jetzt müssen die Kontrahenten nur noch auf die Richter treffen, die sonst so diese Internet-Sachen entscheiden. Die Abschaffung der Rundfunkgebühr ist in Deutschland sicher unmöglich, ja. Aber denken Sie an Varoufakis. Vielleicht kann man ja stattdessen die in die Irrenanstalt treiben, die Rundfunkbeiträge tatsächlich kassieren wollen.

Zurück zur Dialektik. Also Amazon hat da kürzlich so eine Stellenanzeige veröffentlicht. In Amerika. Das geht uns also nichts an. Und überhaupt sind diese StreamingTV-Dienste ja total überschätzt. Sie produzieren ja weniger als Jörg und schreiben Verluste. Also warum sollte es uns interessieren, wenn Amazon einen erfahrenen TV-Producer für eine tägliche Live-Show sucht. Um "Video als ein Medium zu nutzen, dass den Verkauf von Produkten bei Amazon steigert". Was geht uns das an?

Also, alles hängt mit allem zusammen. Sagt Buddha. Und wenn man Buddha mit Dialektik verbindet, dann kann man in die Zukunft schauen. Naja, vielleicht ein bisschen. Vereinfacht gesagt, also für Medienmanager: Die Welt von morgen wird die von heute nicht sein. Und noch einfacher: Einfach gucken, wo welcher Zug heute in welche Richtung abfährt. Ja, wirklich. Daraus kann man Erkenntnisse gewinnen, wo der Zug morgen möglicherweise ankommt. Das hilft vielleicht weiter. Zumindest mehr, als auf dem Bahnhof zu stehen und sich zu wundern, dass kein Zug mehr da ist. Okay, man könnte noch mehr regulieren. Aber der Zug ist trotzdem weg.

Ja, das ist alles kompliziert. Darauf noch einen griechischen Wein und weiterhin schönen Urlaub. Und nicht vergessen:

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