"Rundfunk" ist auch nur HbbTV auf Facebook von Amazon- oder so

Screenshot: hbo.com
Kennen Sie Dwayne Johnson? Nein? Ein Kerl wie ein Schrank, hätte Opa früher gesagt. Aber den Wrestling-Megastar "The Rock" kennen Sie doch bestimmt. Der Name passt. Nein? Immer noch nicht? Dann aber aus dem Kino. Spätestens seitdem er als "The Scorpion King" zeigen konnte, dass er mehr als einen Gesichtsausdruck hat, ist Dwayne Johnson auch ein viel beschäftigter Hollywood-Star. Bei Wikipedia finde ich zu ihm die interessante Information, dass er 2013 den "Nickelodeon Kids Choice Award" in der Kategorie "Lieblings-Verklopper" gewonnen hat. Ja, bei Kindern gibt es die Auszeichnungen eben noch nach Verdienst und nicht nach Beziehungen.

Für den "Game of Thrones"-Kanal HBO hat er gerade in der ersten Staffel einer neuen Serie abgedreht. Obwohl Johnson auch perfekt nach Westeros passen würde, ist "Ballers" aber Comedy. Da es um US-Football-Megastars geht, die irgendwann ihren Platz in der Mannschaft an andere verloren haben, ist wohl auch eine Spur Tragödie und Drama dabei. Vorige Woche hatte die für den Pay-TV Kanal teuer produzierte Serie Premiere. Auf Facebook war die erste Folge zu sehen- kostenlos. Aber vielleicht nicht umsonst, denn danach ging es natürlich auf HBO nur für die zahlenden Kunden weiter. Das Gleiche praktizierte HBO mit "The Brink". Und Amazon zeigte auf Facebook den ersten Teil von "Catastrophe", noch bevor die Comedy zu den Prime Video- Abonnenten kam.

Nun ja, selbst Zeitungsverlage sind mittlerweile anscheinend schon verzweifelt genug, um ihre teuer produzierten Inhalte bei Facebook zu verschenken, noch bevor sie überhaupt versucht haben, sie irgendwie an mögliche Leser zu verkaufen. Geht das jetzt auch schon bei Fernsehsendern los? Sind die alle verrückt geworden? Ja. Nein. Die machen Seeding.

"Seeding" ist Denglisch und kommt von "aussäen" oder "platzieren". Das ist eine Form des Content-Marketings. Oder für die Sprach-Angeber: Ein Tool aus dem Content-Marketing. Man "sät" Content, also den Inhalt, der unter die Leute soll, per Social Media. Und wenn die Theorie funktioniert, reden die Leute darüber und teilen es weiter. Und schon wissen es alle und finden es toll.

Denn was nutzt die tollste Serie, wenn bei dem gigantischen Angebot keiner weiß, dass es sie gibt. Man braucht auch fürs Fernsehen mittlerweile eigentlich eine Suchmaschine und für neue Serien, die keiner sucht, braucht es Marketing. Und Facebook ist gut fürs Content-Marketing. Auch für Fernsehserien. Warum? Weil es zunehmend gar kein "Fernsehen" mehr gibt.

Denn Fernsehen ist ja heutzutage "digital". Und digital bedeutet: Es besteht aus Daten. Und um Daten zum Empfänger zu bringen, dafür eignet sich am besten das Internet. Und da beginnt das Problem. Denn Fernsehen darf in Deutschland kein Internet sein. Fernsehen muss "Rundfunk" bleiben. Denn Rundfunk wird bei uns "reguliert". Von den Bundesländern. Davon gibt es viele. Noch größer als die Zahl der Bundesländer ist die Zahl der "Regulierer". Also der Leute, die gut bezahlt und abgesichert ihren Arbeitstag damit verbringen, darüber nachzudenken und dann auf diversen Veranstaltungen und Konferenzen mit anderen Regulieren darüber zu reden, wie der "Rundfunk" denn noch besser und gerechter zu regulieren sei.

Tja, und wenn das Fernsehen nun aber Internet wäre (und mit dem Radio geht das ja überall genauso los), tja dann, dann wäre es ja kein "Rundfunk" mehr. Sondern Internet. Und die ganzen gut bezahlten und bestens abgesicherten Regulierer wären überflüssig. Also praktisch arbeitslos. Und das ist eben ein Problem. Zumindest für die Regulierer. Nun könnten die Regulierer ja statt dessen das Internet regulieren. Aber das ist kompliziert. Denn Internet ist kein Rundfunk. Und damit erst einmal in Deutschland keine "Ländersache".

Okay, man könnte es ja zur "Ländersache" erklären. Das aber würde Erklärungsbedarf hervorrufen. Man müsste zum Beispiel die Frage beantworten, wie ein Referent aus der saarländischen Staatskanzlei nun Facebook oder Google regulieren soll. Weil ja eigentlich selbst die Bundesregierung kaum noch dazu in der Lage ist und verständige Menschen dort oft sagen, dies wäre eher ein Thema für Europa, also Brüssel. Brüssel ist gar nicht so weit weg von Saarbrücken, aber eine ganz andere Welt. Versuchen Sie einmal, einem estnischen Eurokraten zu erklären, warum deutsche Fernsehsender in Deutschland keine regionalen Werbespots verkaufen dürfen. Das verstehen wir nicht einmal selbst- es ist halt nur so "reguliert". Und so weiter und so fort.

Deshalb darf in Deutschland das Fernsehen also kein Internet werden. Weil die vielen Regulierer in Landesmedienanstalten und Staatskanzleien sonst arbeitslos und ohnehin schlecht ausgelastete Konferenzräume noch leerer wären.

Das aber wiederum führt zu immer lustigeren Kollisionen mit der Realität der fortschreitenden "Internetisierung" des Fernsehens. Womit wir wieder bei Dwayne Johnson wären. Okay, seine Serien-Folge bei Facebook kann man ja nur in den USA sehen. Aber bald, bald wird so etwas auch nach Deutschland kommen. Also in ein Land, in dem besonders gesetzestreue Bürger vorsichtshalber eine "Sendelizenz" für einen Google Hangout beantragen. Ich weiß nicht, ob Mark Zuckerberg davon schon einmal gehört hat. Zu gern würde ich sein Gesicht sehen, wenn ihm ein kundiger Mitarbeiter erklärt, dass er in Deutschland für Facebook vielleicht eine Lizenz für "Rundfunk" beantragen muss. Und dass er in seinem Antrag möglichst bei der Frage, was er denn "senden" wolle, nicht zu hundert Prozent ehrlich antworten sollte. Also nicht einfach "alles" hineinschreiben.

Denn "alles", das würde den Regulierern so nicht gefallen. Sie wollen viele "Sender" regulieren, damit sie viel zu tun haben. Wer vieles regulieren muss, ist mächtig. Mächtig zu sein ist schön. Und gut bezahlt und bestens abgesichert. Auch wenn es bei genauerem Hinschauen nur absurdes Theater ist.

Manchmal aber scheint die triste Realität einen Augenblick durch. So hat die "Kommission für Zulassung und Aufsicht" der Landesmedienanstalten gerade eine Beschwerde der ARD gegen Kabel Deutschland in Sachen HbbTV abschlägig beschieden. Kabel Deutschland filtert das "Red Button" Signal einiger ARD-Sender heraus. Wohl um diese zu ärgern- und vielleicht darüber nachzudenken, was man selbst mit diesem HbbTV, also dem "Red Button", so anstellen könnte. Denn HbbTV hat nicht so funktioniert, wie einst gedacht. Also als Mittel, die "Rundfunk"-Beitrag zahlenden Zuschauer ein wenig von diesem Internet fernzuhalten, indem man ihnen eine Art betreutes Surfen anbietet, also nur beim "Sender". Dafür ist HbbTV aber ein interessantes "Tool" für noch mehr Werbung.

HbbTV, so die ZAK, gehöre weder technisch noch inhaltlich zum "Transportstrom des Rundfunksignals". Interessant. Zumindest, wenn man eine technische Idee dazu hat, was im digitalen Daten-Stream das "Rundfunksignal" ist.

Dwayne Johnson kann das alles egal sein. In Deutschland gibt es kein "Ballers" bei Facebook. Die Serie läuft demnächst im Original bei Sky. Bei Sky Atlantic HD im Herbst auch synchronisert. Also bei ordentlichen "Sendern", die als "Rundfunk" reguliert und zugelassen sind. Auch wenn es sich in Wahrheit wieder nur um Daten handelt.

Es ist also weiterhin alles in Ordnung. Wir können weiterhin so tun, als ob das Fernsehen noch "Rundfunk" sei. Dann können die Regulierer weiterhin so tun, als ob sie es "regulieren" und werden nicht arbeitslos. Alle zusammen müssen wir diesen Unsinn dann nur noch weiter bezahlen und alles wird gut. Ganz bestimmt.

Offen bleibt nur die Frage, wie wir so zu einem international konkurrenzfähigen Fernsehen kommen. Weil der erste Schritt zur Lösung des Problems dummerweise darin liegt, festzustellen, dass Fernsehen in Zukunft eben Internet ist. Brauchen wir aber nicht. Das Fernsehen der Zukunft liefern uns dann eben Facebook und Dwayne Johnson. Oder eben Netflix. Oder Amazon:

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